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Chronik Wien
08/13/2019

Das lange Warten auf Bürgermeister Ludwigs Donaubühne für Wien

Trotz avisierten Probebetriebs ab 2020 fehlen der Standort und ein Programm-Konzept für das Projekt. Das sorgt nun für Kritik.

von Stefanie Rachbauer

Sie ist eines jener Leuchtturmprojekte, mit denen Michael Ludwig als frisch gekürter Wiener SP-Chef erste Duftmarken setzte: die Wiener Donaubühne im 22. Bezirk. Dort sollen Konzerte stattfinden, erklärte Ludwig nach seiner ersten roten Parteiklausur im März 2018. Der Zweck der Bühne geht aber weit über den einer Kulturstätte hinaus.

Mit dem Vorhaben kann der Bürgermeister ein zentrales Versprechen einlösen: Aufmerksamkeit für die Flächenbezirke, die bisher wenig von rot-grünen Projekten profitiert haben.

2020 soll die Donaubühne in den Probebetrieb gehen, verkündete der Bürgermeister zuletzt. Doch nach wie vor gibt es viele offene Fragen - etwa zum Standort und zur Bespielung. Sie lassen diesen Zeitplan zumindest sehr ambitioniert erscheinen. Aber der Reihe nach.

Kaisermühlen als Standort?

Fix ist derzeit, dass die Bühne in der Donaustadt angesiedelt werden soll. Als möglicher Standort wird immer wieder die Wasserarena Kaisermühlen am Ufer der Neuen Donau genannt. Sie befindet sich zwischen der Kaisermühlenbrücke und dem Vienna City Beach Club und besteht aus halbkreisförmigen, begrünten Stufen.

In der Vergangenheit fanden dort gelegentlich Freiluft-Filmvorführungen und Wassershows statt – die meiste Zeit ist sie aber ungenutzt.

Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Und die Stadt scheint auch keine Eile mit der Entscheidung zu haben: Denn eine Frist, bis wann der Standort feststehen soll, gibt es nicht.

Kritik an fehlendem Zeitplan

„Bei jeder Standortauswahl spielen bestimmte Kriterien eine Rolle, insbesondere, was die Verkehrs- und Lärmbelastung, die Anrainersituation, die Besucherströme, die Liegenschaftsgegebenheiten und die entsprechenden Kosten betrifft. Hier eine künstliche Deadline zu entwickeln“, sei „nicht im Interesse der Wiener“, heißt es in einer aktuellen Beantwortung einer Anfrage der Wiener ÖVP an Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ). Die in sein Ressort fallende Wien-Holding ist mit der operativen Umsetzung der Donaubühne betraut.

Diese Ungewissheit ärgert die Türkisen. „15 Monate nach Ankündigung will die Stadtregierung noch immer keine in Frage kommenden Standorte für die Donaubühne bekannt geben. Für uns ist völlig unverständlich, dass nicht einmal ein grober Zeitplan vorliegt", sagt Stadtrat Markus Wölbitsch.

Streitfrage Programmierung

Für Ernst Nevrivy, SPÖ-Bezirkschef in der Donaustadt, ist die Wasserarena Kaisermühlen „der einzige Platz, wo eine Donaubühne überhaupt möglich wäre.“ Bedingung sei jedoch, dass die Lärm- und Verkehrsfrage geklärt werde. „Ich kenne aber noch kein konkretes Konzept“, sagt Nevrivy.

Außerdem sei entscheidend, wie die Bühne bespielt werden soll. „Popkonzerte kann ich mir nicht vorstellen. Bei Hochkultur ist das etwas anderes.“ Hier dürfte Konfliktpotenzial lauern: Bürgermeister Ludwig hat nämlich angekündigt, die Bühne mit klassischer und auch Popmusik bespielen zu wollen.

Bezirkschef zuversichtlich

Trotz der vielen Fragezeichen rechnet Ludwigs Parteikollege Nevrivy damit, dass der Probebetreib 2020 startet. „Wenn der Bürgermeister das so sagt, gehe ich davon aus, dass das so sein wird.“

Auch das Wirtschaftsressort hält an dem Termin fest: „Wir streben weiterhin einen Probebetrieb 2020 weiterhin an“, heißt es auf KURIER-Anfrage aus dem Büro von Stadtrat Hanke. Nähere Auskünfte zum Stand des Projektes wollte man allerdings nicht geben.

Mehrzweckhalle und Greißler auf Schiene

Deutlich weiter fortgeschritten als die Donaubühne sind zwei andere Projekte, mit denen sich Ludwig 2018 positionierte. Im April eröffnete in Simmering der erste „Supergreißler“ – eine spezielle Art von Nahversorger, der die Erdgeschoßzonen großer Wohnbauten beleben soll.

Und für die Mehrzweckhalle ist mit Neu Marx im dritten Bezirk zumindest ein Standort gefunden. Ende dieses Jahres startet der Architekturwettbewerb.