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ÖVP-Politiker Daniel Resch: Ein Bezirksvorsteher in Hochform

Döblings Bezirkschef erregte zuletzt mit seiner Warnung vor Jugendbanden bis in die Bundesregierung hinein Aufmerksamkeit.
Gruppe feiernder Menschen mit brasilianischen Fahnen, mehrere halten Instrumente, ein Mann spielt Trommel.

Wer große Fußstapfen ausfüllen will, der darf keine Scheu haben, auch manchmal die Clownschuhe anzuziehen.

Dessen ist sich Daniel Resch bewusst. Und Scheu kennt er ohnehin keine. Der Döblinger Bezirkschef spielt in Instagram-Postings bei Seniorenfesten auf der Trommel. (Ein Beweis für sein „Taktgefühl“, wie er im Augenzwinkern sagt.) Er verteilt im Büro Kräutertöpfe für den Garten an die Bezirksbewohner. 

Für die Döblinger Faschingsgilde setzt er als Ehrensenator alljährlich die Narrenkappe auf. Und am Neustifter Kirtag – ein Heimspiel für ihn; im August ist es wieder so weit – zieht er da und dort und überall den Filzhut.

Dass leidenschaftliche Beobachter der Wiener Stadtpolitik an Resch derzeit nicht vorbeikommen, liegt aber nicht nur an seinem wohlüberlegt-bürgernahen Auftritt im Bezirk und in den sozialen Netzwerken. Sondern daran, dass er zuletzt auch mit ernsten Themen Wien-weit die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Im noblen Döbling treiben strafunmündige Jugendliche ihr Unwesen. Resch fackelte nicht lange – und setzte zur (medialen) Breitseite an. Er nutzte die Boulevardmedien („Mir reicht’s!“), um das Thema über die Bezirksgrenzen hinweg auf die Tagesordnung zu setzen und trug (ohne den Umweg über seine Landespartei zu gehen) die Forderung nach einer Senkung des Strafalters an die rote Justizministerin Anna Sporrer heran, die ihm sogar antwortete.

Mit Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) und Dieter Csefan, Wiener Polizeivize und Leiter der Einsatzgruppe Jugendkriminalität, gab es ein Arbeitstreffen, bei dem verstärkte Streifen und Schwerpunktkontrollen für den Bezirk fixiert wurden.

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Resch beim Arbeitstreffen mit Innenminister Karner.

Ein Bezirksvorsteher, der bei Bundespolitikern ein- und ausgeht? Da ist Resch ein Unikum. Der 42-Jährige ist längst einer der wirkmächtigsten Politiker der Wiener ÖVP; ein kluger Stratege und Netzwerker, dessen Einfluss auf seiner Verwurzelung im Bezirk beruht. Das Besondere: Man nimmt ihm beides - die Trommel–Performance mit den Senioren und den Kampf gegen die Jugendkriminalität - auch tatsächlich ab. Resch profitiert von seiner Authentizität.

Hohe Erwartungen

Dass er sich diese Position erarbeitet hat, ist keine Selbstverständlichkeit: Die erwähnten Fußstapfen, in die er 2018 trat, gehören Adolf „Adi“ Tiller, dem legendären Langzeit–Bezirkschef, der mit seinem eigenwilligen Stil wohl zu den (Mit-)Erfindern der Bürgernähe gehört. Nicht wenige innerhalb und außerhalb der Partei wollten damals, im Jahr 2018, genüsslich dabei zusehen, wie der junge Resch an den hohen Erwartungen scheitert. Sogar das Gespenst, dass man den Bezirk an eine andere Partei verlieren könne, ging um.

Resch, der als Stellvertreter von Tiller genau zusah und lernte, strafte sie Lügen. Er holte bei seiner ersten Wahl 36,89 Prozent - ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber seinem Lehrmeister. Bei der Bürgernähe, da habe er sich einiges abgeschaut „vom Tiller“ (wie der Alt–Bezirkschef, der immer in der dritten Person von sich sprach, sich selbst nannte), sagt Resch.

„Das sind Kriminelle“

Auch vom Ärger mit den Jugendbanden habe er durch Eltern und Lehrer erfahren, die ihn anriefen und ihr Leid klagten. Im Gespräch mit dem KURIER erzählt er von echten Fällen aus dem Bezirk. 

Etwa von unter-14-jährigen Straftätern, die ihre Mitschüler terrorisieren - und die wissen, dass die Polizei ihnen nichts anhaben kann, selbst wenn sie erwischt werden. „Da geht es nicht um Lausbubenstreiche. Das sind Kriminelle“, sagt Resch. Und: „Wenn so etwas passiert, kann ich nicht sagen, ich eröffne jetzt lieber ein Parkbankerl. Da muss ich handeln. Nicht nur als Politiker, sondern auch als Familienvater.“ Resch ist mit der Ex–ÖVP-Politikerin Julia Klika liiert.

Kritik an der rot-pinken Stadtregierung oder am Bund will Resch nicht üben. „Das Thema ist zu ernst für Polit-Geplänkel“, sagt er. Ganz generell wolle er - erneut in der Tradition seines Vorgängers – die Parteipolitik aus seinem Bezirk „heraushalten“. Denn „dem Kanaldeckel ist es egal, ob er von einem Schwarzen, einem Blauen oder einem Roten repariert wird“, sagt Resch. „Hauptsache, er wird repariert.“ Und ja, dass dieser Zugang zur Politik nicht allen in der eigenen Partei gefalle, das wisse er.

Brisante Sitzung

Mit der eigenen Partei ist das generell so eine Sache: Im April des Vorjahres ging Resch in den Zweikampf um das Amt des Landesparteichefs, nachdem Karl Mahrer nach verlorener Wahl hinwarf. Resch unterlag in einer brisanten Sitzung seinem Bezirksvertreter–Kollegen Markus Figl aus der Inneren Stadt, wurde von seiner Partei aber als Chefverhandler für eine Koalition mit SPÖ-Chef Michael Ludwig geschickt, der er als Vizebürgermeister angehören hätte sollen.

Aus der Liaison wurde nichts, stattdessen kam Rot-Pink - und Resch kehrte zurück nach Döbling. In der Landespartei ist er nunmehr Stellvertreter von Figl. Ärger über die interne Niederlage verspüre er keinen, sagt Resch: „Auch wenn manche es mir nicht glauben. Mein einziges Animo war, die ÖVP in eine Regierung zu führen und zu gestalten.“

NACH WIEN-WAHL: SONDIERUNGSGESPRÄCH SPÖ MIT DER ÖVP: RESCH / LUDWIG

Resch mit SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig.

Dass sich Resch nun ganz seiner Arbeit im Bezirk widmen könne, sei nicht zu seinem Nachteil, meint so mancher Partei–Insider. Die Reform der Landespartei, die in Umfragen nicht wirklich vom Fleck kommt (und bei jenen 10 Prozent hält, die man auch bei der Wahl einfuhr), sei eine undankbare Aufgabe, mit der sich nun eben Figl abmühen müsse.

Resch, der Netzwerker

Ein politisches Schwergewicht ist Resch auch so. Dafür sorgt schon alleine sein Netzwerk, mit dem er sich umgibt. Resch ist im Wirtschaftsbund sozialisiert; dessen Chef Walter Ruck war es auch, der ihn gegen Figl ins Rennen schickte. Christoph Biegelmayer, Ex-Kurzzeit-Gemeinderat und heute stellvertretender Direktor in der Wiener Wirtschaftskammer, zählt ebenso zu den Vertrauten des Bezirkschefs wie Gabriel Karas. Der Sohn von Ex-EU-Politiker Othmar Karas ist Kommunikationsexperte und tauchte zuletzt immer wieder im Umfeld von Ruck auf. Wie man hört, orchestrierte Karas junior im Vorjahr auch den Wahlkampf für Resch.

Mit der Ex-Ministerin und nunmehrigen Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler soll Resch eine enge Verbindung haben, sie war bis zuletzt sogar seine Stellvertreterin in der Bezirkspartei. Ganz regelmäßig in Döbling an Reschs Seite gesichtet wird nicht zuletzt ÖVP-Staatssekretär Alexander Pröll, der den Posten von Edtstadler übernommen hat. (Dass Pröll in der Bundes-ÖVP als Gegenspieler von Generalsekretär Nico Marchetti gilt, der sich seinerseits gerne in Figls Nähe aufhält, ist sicher Zufall.)

Apropos Gegenspieler: Auch bei Bruder Klemens Resch läuft es gut. Der Döblinger FPÖ-Bezirkschef ist im Vorjahr 2025 zum Gemeinderat aufgestiegen. Auch er verschaffte sich zuletzt mit Bezirksthemen Gehör - und richtete dem großen Bruder via Presse aus: „Ich bin zuversichtlich, dass die FPÖ auch in Döbling einmal den Bezirksvorsteher stellt.“

Daniel Resch nimmt es gelassen: Mit dem Bruder verstehe er sich gut. „Wir können gemeinsam durch die Weinberge gehen, ohne zu streiten.“ Nur beim Familienessen habe man das Thema Politik mittlerweile eher von der Tagesordnung verbannt: „Früher war das anders. Da ist es zugegangen wie bei ,Im Zentrum‘, nur mit dem guten Essen der Mama“, sagt Resch.

Neustifter Kirtag 2025

Auftritt beim Neustifter Kirtag.

Dass Resch eines Tages erneut zum Sprung in die Landespolitik ansetzt, wollen Insider nicht ausschließen. „Das Zeug dazu hätte er.“ Nicht zuletzt, weil er glaubwürdig jene Bürgernähe verkörpern würde, die der Wiener ÖVP zuletzt immer gefehlt habe.

Für Resch ist das derzeit kein Thema. Sein nächster großer Auftritt steht im August bevor – wenn er beim Polit–Schaulaufen am Neustifter Kirtag wieder den selbstbewussten Gastgeber für Politiker aller Couleur gibt.

Die Clownschuhe stehen schon parat.

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