Chronik | Wien
28.09.2018

Daniel Resch: Bezirksvorsteher Tillers semi-treuer Kronprinz

Der angehende Döblinger Bezirkschef über seine Pläne und innerfamiliäre politische Konkurrenz.

Döbling streift dieser Tage zwei Konstanten ab: Die Dauer-Diskussion ums Parken und Langzeit-Bezirkschef Adi Tiller (ÖVP). Bei beiden Brüchen mischt Daniel Resch kräftig mit. Er übernimmt am 31. Oktober den Chefsessel im Amtshaus und er war unter jenen ÖVP-Mandataren, die – entgegen Tillers Linie – für das flächendeckende Parkpickerl votierten. In Sachen U4-Ausbau und Ortsbild-Schutz will er den Pfad seines Vorgängers dagegen fortführen.

„Die Pläne für den Ausbau der U4 Richtung Klosterneuburg und eine neue Station in der Gunoldstraße liegen auf dem Tisch“, sagt der bisherige Vize-Bezirksvorsteher im KURIER-Gespräch. Wenn die Stadtregierung Menschen in die Öffis bringen wolle, müsse sie solche Projekte auch finanzieren, argumentiert er. Wobei die Extra-Station zwischen Heiligenstadt und Spittelau laut Resch die Rathauskasse nicht belasten würde: „Ein Unternehmer würde die Station unter der Voraussetzung bezahlen, dass er oben Wohnungen oder Geschäfte bauen kann.“ Der Bezirk sei bereit, das Vorhaben mit den Behörden zu besprechen – die Stadt sehe aber keinen Bedarf. Außerdem will Resch die Intervalle der Busse 39A und 38A verdichten.

"Wir sprechen alle an"

Ein Dauerbrenner in Döbling sei die Bewahrung der Ortskerne – etwa in Grinzing oder Sievering. „Ich könnte mir einen Ensembleschutz vorstellen“, erklärt Resch. In Bauverfahren will er mehr mitreden: „Der Bezirk ist jetzt nicht Baubehörde. Ich wünsche mir, dass der Bezirk ein Mitspracherecht bekommt.“

Mit Themen wie diesen will Resch auch Anhänger anderer Parteien von sich überzeugen. 2015 kursierten innerhalb der ÖVP Ängste, Döbling wegen Verlusten an die Neos an die rote Nummer zwei abzugeben. Resch kandidierte bei dieser Wien-Wahl zum ersten Mal, die ÖVP wurde – trotz Einbußen – mit rund 33 Prozent Erster. Dass er diese Vorlage 2020 verfehlen könnte, glaubt Resch nicht: „Natürlich sind die Neos in unser bürgerliches Lager vorgerückt. Wir sind in den Bezirken aber nicht klassisch parteipolitisch unterwegs, wir sprechen alle an.“

Brüder bei FPÖ

Vor Zwischenrufen von ÖVP-Schwergewicht Tiller, der Bezirksparteichef bleiben wird, fürchtet sich Resch nicht. „Aus meinen vielen Gesprächen mit ihm weiß ich, dass er mir das Feld in der Bezirksvorstehung überlässt.“ Mit seinem politischen Ziehvater hat Resch eine kuriose Familienkonstellation gemein: Tillers Bruder Helmut war einige Jahre in der Donaustadt FPÖ-Bezirksrat, Reschs Bruder Klemens ist – ausgerechnet in Döbling – FPÖ-Klubobmann. „Am Sonntagstisch kann es schon rund gehen. Das ist wie bei Im Zentrum (ORF-Diskussionssendung, Anm.), nur mit Essen“, erzählt Resch.

Mit seiner vergleichsweise kurzen Polit-Karriere müsse er sich nicht verstecken, betont der 33-Jährige. „In der ÖVP sind viele junge Leute am Ruder, das ist kein Nachteil für mich. Politik verändert sich, darauf muss man reagieren und das tun wir jetzt auch in Döbling.“