© Crazy Cheese / Lex Karelly

Chronik Wien
08/26/2020

Crazy-Cheese-Chef nimmt Stellung: "Die Hater sind mir egal"

Nach den Vorwürfen wegen angeblich unlauterer Geschäftspraktiken legt Unternehmer Roland Ludomirska seine Sicht der Dinge dar.

von Katharina Zach

Die Online-Kritiken sind verheerend: „Preis-Leistung ist nahezu unterirdisch“, „vollkommene Frechheit! Abzocke“. Das sind zwei von Dutzenden schlechten Bewertungen des Käsefachgeschäfts „Crazy Cheese“.

Geführt wird es vom Wiener Roland Ludormirska, sechs Filialen gibt es in Österreich. Ludormirska steht seit Tagen online in der Kritik.

Ihm werden unlautere Praktiken in seinem Geschäft vorgeworfen. So würde Kunden gegen deren Wunsch - angeblich mit Druck - viel zu viel Käse verkauft.

Dazu muss man wissen: Der Käse von Roland Ludomirska kostet zwischen 14 und 44 Euro pro hundert Gramm. Wird da ein bisschen zu viel herunter geschnitten, wird es schnell teuer für die Kunden.

Beim Testeinkauf im Crazy Cheese-Flagshipstore in der Shopping City Süd läuft freilich alles seriös ab. 100 Gramm Käse wurden bestellt, 118 vom Laib geschnitten. Auch bei den Kunden davor passt die Menge weitgehend. Exakt könne man das Gewicht nicht treffen, wird der Mann vorher informiert.

Jeder kriegt, was er will

Im KURIER nimmt nun erstmals Roland Ludomirska zu den Vorwürfen Stellung: „Bei mir bekommt jeder nur das, was er will. Der Kunde muss den Käse ja nicht kaufen“, sagt er. "Ich eröffne ja nicht sechs Stores, um die Leute zu bescheißen." Viele Vorwürfe seien zudem von einem Ex-Mitarbeiter in die Welt gesetzt worden. Ludomirska hat nun auch einen Anwalt wegen Geschäfts- und Rufschädigung eingeschaltet.

Dass Ludomirska polarisiere, sei ihm durchaus bewusst. „Entweder lieben mich die Leute oder sie hassen mich“, sagt  Ludomirska über sich selbst. Der 51-Jährige inszeniert sich als Hipster-Käse-Papst mit Champagner, im Privatjet oder Ferrari in den sozialen Medien. Oberkörperfrei und tätowiert. Es war im Frühling, als die Marke plötzlich da war.

Seit 25 Jahren ist der Unternehmer, der nun in der Steiermark lebt, im Geschäft. Da übernahm der gebürtige Oberlaaer aus einer Marktfahrer-Familie laut eigenen Angaben einen Stand am Viktor-Adler-Markt. Später spezialisierte er sich auf Käse und stellte auf Messen aus.

Schließlich erschuf er eine Kunstfigur und eröffnete im März den ersten "Crazy Cheese"-Shop in der SCS. Mittlerweile hat er sechs Geschäfte, 33.000 Abonnenten auf Facebook und  17.900 auf Instagram. Das ist nicht schlecht, für jemanden, der keinen Promi-Faktor hat.

Für  die schlechten Online-Bewertungen hat Ludomirska eine Erklärung: Das seien Leute, die zu Hause nicht erklären wollen, warum sie mehr als hundert Euro für Käse ausgegeben haben. „Da kommen sie drauf, dass das zu teuer ist.“ Für ihn zähle ohnhin nur die sehr gute Bewertung beim Online-Shop-Gütesiegel Trusted Shops.

202 Euro für 3 Käse

Betroffene berichten freilich anderes. 202 Euro für drei Stück Käse habe sie bezahlt, erzählt eine Kundin. 100 Gramm habe sie bei einem Stück bestellt, geworden seien es viele mehr. Der Verkäufer habe den Kauf sehr rasch abgewickelt. Als der Preis genannt wurde, sei sie überrumpelt gewesen. „Ich war in dem Moment so baff, dass ich gar nicht sagen konnte, dass  ich das nicht  will.“ Allerdings: Gut sei der Käse gewesen. "Aber überteuert." Zuletzt gab es auch Kritik an einem Crazy Cheese-Pop-up-Stand am Vienna City Beach.

Auch ein ehemaliger Mitarbeiter berichtet dem KURIER, dass Stücke extra dick heruntergeschnitten worden seien. Jener Mitarbeiter, der am meisten verkauft habe, habe eine Prämie erhalten.

Vorgeworfen wird Ludomirska auch, dass er den Käse – den er in Holland einkauft – zu überteuerten Preisen anbietet. Das behauptet auch der frühere Mitarbeiter: Die Angestellten hätten den Käse zu einem Zehntel des Verkaufspreises erhalten.

Protzige Show fürs Geschäft

Ludomirska sagt, dass der Käse nach eigener Rezeptur speziell  für Crazy Cheese hergestellt werde. „Ja, wir sind hochpreisig, aber auch exklusiv (...)“, heißt es auch in einem Schreiben seines Anwalts. Ihm sei auch der faire Handel mit den Herstellern wichtig. „Dass es sich um Massenware handeln soll, ist einfach nicht richtig."

Zudem verkaufe man nicht nur Käse, sondern einen Lifestyle. Dass die Produkte aus den Niederlanden stammt, daraus macht der 51-Jährige, der sich wie Schokoladier Josef Zotter als Künstler sieht, auch keinen Hehl auf Social Media.

Das protzige Auftreten gehöre zur Marke. Man müsse eine gewisse Show inszenieren, damit es etwas Besonderes sei, sagt Ludomirska. Doch sein online präesntiertes Haus samt Pool und die Ferraris, die er gerne zeigt, die besitze er schon seit Jahren. "Ich bin ja seit 25 Jahren selbstständig", meint er.

Feedback

Schlecht dürften die Geschäfte nicht gelaufen sein. Laut Firmenbuch machte der 51-Jährige im Geschäftsjahr 2018/19 mit seiner Roland Ludomirska GmbH 170.000 Gewinn.

Käse ist für den Unternehmer vor allem ein Lifestyle-Produkt. Genuß die Prämisse. Und da könne man sich schon mal 100 Gramm um 44 Euro leisten.

Wie es ihm in so kurzer Zeit möglich war, fünf Geschäfte zu eröffnen? "Ich habe das Geld, das wir erwirtschaftet haben, sofort in die Stores investiert", sagt er.

200 Geschäfte weltweit will er eröffnen. "Die Hater sind mir egal, ich bekomme auch so viel positives Feedback."

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