Chronik | Wien
19.11.2018

Chancenindex: „Kinder dürfen nicht kriminalisiert werden“

Wien führt kommendes Jahr Chancenindex ein, um Sozialarbeiter besser zu verteilen.

Wie Erhebungen von Polizei und Stadtschulrat zeigen, kam es in den rund 700 Wiener Schulen im Schuljahr 2017/18 zu insgesamt 258 Anzeigen und 278 Suspendierungen. Die Anzeigen sind nicht gleichmäßig über ganz Wien verteilt, sondern konzentrieren sich auf etwa 25 Brennpunktschulen.

Kinder und Jugendliche dürften aber nicht kriminalisiert werden, sagt Bildungsdirektor Heinrich Himmer – und verweist punkto Gewalt und Radikalisierung auf schwierige familiäre Verhältnisse in vielen Fällen. Auch mangelnde Deutschkenntnisse können die Bereitschaft, gewalttätig zu werden, erhöhen.

Wie berichtet, führt die Stadt Wien nun Begleitmaßnahmen zu den an sich bundesgesetzlich geregelten Suspendierungen ein. Anders als bisher sollen vom Unterricht ausgeschlossene Schüler die Zeit ihrer Strafe nicht ohne Betreuung verbringen können, sondern verpflichtet werden, die versäumte Leistung trotzdem zu erbringen. Die benötigten Materialen müssen sie sich aus der Schule abholen.

Nachsitzen für suspendierte Schüler

Weiters ist ein sogenanntes Normverdeutlichungsverfahren durch das Landeskriminalamt vorgesehen. Darin erklären Kriminalpräventionsexperten den suspendierten Schülern, was ihr Verhalten auslösen kann – wie sich etwa eine Vorstrafe auf ihre Jobchancen auswirkt. So will man dafür sorgen, „dass die Schüler keine Klienten der Polizei werden“.

Die Stadt Wien führt im kommenden Schuljahr zudem den Chancenindex ein. Mittel, etwa für Sozialarbeiter, werden also nach den individuellen Herausforderungen von Schulen und nicht nach der Schüleranzahl verteilt.