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Chronik Wien
02/12/2021

Causa Nevrivy: Wie Wienwert Sponsor von „Wiener Wahnsinn“ wurde

Bezirkschef vermittelt Band an den Vorstand des Immo-Unternehmens, dieser zahlt 30.000 Euro für Video samt Werbung

von Josef Gebhard

Mit ihrer Hymne „Donaustadt“ gehört Wiener Wahnsinn längst zum kulturellen Inventar des 22. Bezirks. Die fünfköpfige Rock-Formation hat aber auch außerhalb Wiens Fans.

Aktuell macht die Band allerdings weniger mit ihrer Musik Schlagzeilen, sondern mit ihrer Verwicklung in einer eher profanen Causa. Wie berichtet, ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen den Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) und den Ex-Vorstand des mittlerweile insolventen Immo-Unternehmens Wienwert, Stefan Gruze. Der Vorwurf: Nevrivy habe 2017 Gruze mit Insider-Infos zu einem Bauprojekt der Wiener Linien versorgt, was diesem einen lukrativen Grundstücksdeal ermöglicht haben soll.

Im Gegenzug soll Nevrivy von Wienwert ein Sponsoring von 30.000 Euro für Wiener Wahnsinn verlangt haben.

Aussagen des Band-Managements in Ermittlungsunterlagen, die dem KURIER vorliegen, zeigen nun, wie das Sponsoring zustande kam.

CD und Videos

Archivbild von Ex-Wienwert-Chef Stefan Gruze

2017 plante demnach Wiener Wahnsinn eine CD-Produktion samt Single-Auskoppelungen und Musikvideos. Um dafür eine Förderung zu bekommen, klopfte die Band bei Nevrivy an. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die Fördermittel des Bezirks bereits vergeben. Er kenne aber jemanden, der weiterhelfen könne, versicherte Nevrivy, und arrangierte für den 6. April 2017 ein Treffen zwischen den Bandmitgliedern und Gruze. Dieser schlug vor, die Musikvideos für Wienwert-Werbefilme zu verwenden.

Am 7. Juli sagte Gruze dann ein Sponsoring über 30.000 Euro zu. Darüber informierte er per eMail auch Nevrivy, wie es in dem Akt heißt. Pikantes Detail: Zuletzt hatte Nevrivy über seinen Anwalt noch ausrichten lassen: Welche Vereinbarungen die Protagonisten untereinander getroffen hätten, sei ihm nicht bekannt gewesen, da er in die Gespräche nicht involviert gewesen sei.

Für FPÖ-Stadtrat Dominik Nepp bedeutet das: „Nevrivys Verteidigungskonstrukt bricht zusammen. Er wird ständig dabei ertappt, die Unwahrheit zu sagen. Sein Rücktritt ist unausweichlich.“ Freilich: An anderen Stellen des Akts betonen Bandmitglieder wie auch Gruze, Nevrivy habe lediglich den Kontakt hergestellt.

Die Band produzierte schließlich ein Video samt Wienwert-Werbespot, welches Gruze übergeben wurde.

Ebenfalls im Sommer 2017 spielte sich der zweite Handlungsstrang ab: Am 21. Juli schickte Nevrivy Gruze einen Aktenvermerk einer Sitzung der MA 21 und den Wiener Linien, in dem es um das Bauprojekt der Verkehrsbetriebe in der Attemsgasse ging. Im Herbst kaufte dann Gruze jenes Grundstück, das die Wiener Linien dringend für ihr Vorhaben benötigten, nur um es knapp ein Jahr später rund 850.000 Euro teurer an sie zu verkaufen.

Gruze bestreitet jeden Zusammenhang zwischen dem Sponsoring und dem Kauf, Nevrivy beteuert, kein Sponsoring gefordert, sondern Gruze nur mit der Band bekannt gemacht zu haben. Diese wiederum betont in der Krone, die Spende habe nichts mit Nevrivy zu tun.

Hochzeitsmusiker

Bestens bekannt sind alle Beteiligten auf alle Fälle, wie ein weiteres Detail zeigt: Am 7. Oktober 2017 heiratete Nevrivy. Für die Musik sorgte Wiener Wahnsinn, unter den Gästen: Stefan Gruze.

 

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