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Chronik Wien
07/08/2020

Birgit Hebein will Gratis-Öffi-Jahreskarte für alle Wiener

Grüne Krisenbewältigung: Ein Jahr lang kostenlos mit den Öffis fahren. 35-Stunden-Woche für alle Mitarbeiter der Stadt Wien

von Josef Gebhard

Mit zwei ambitionierten Forderungen starten die Wiener Grünen in den Wahlkampf. Zur Bewältigung der Folgen der Coronakrise sollen für alle Jahreskartenbesitzer das Ticket kostenlos um ein Jahr verlängert werden.

"Damit entlasten wir die Wiener in der Krise um bis zu 365 Euro und stärken den Konsum", sagt Spitzenkandidatin Vizebürgermeisterin Birgit Hebein. "Gleichzeitig schaffen wir einen Anreiz, auf klimafreundliche öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen."

Hebein rechnet mit Kosten von 400 Millionen Euro für das Projekt, die die Stadt den Wiener Linien zuschießen müsste. Nach einem Jahr soll die Aktion evaluiert und über eine mögliche Fortsetzung entschieden werden. Die Vizebürgermeisterin verweist auf internationale Beispiele: In Luxemburg würden die Öffis bereits kostenlos sein, ebenso in Estlands Hauptstadt Tallinn.

35-Stunden-Woche

Der Krisenbewältigung soll auch ein zweites Projekt dienen: Die Einführung der 35-Stunden-Woche für alle rund 65.000 Beschäftigten der Stadt Wien. Entlastet würden durch diese Maßnahme vor allem Frauen, denn 60 Prozent der städtischen Beschäftigten sind weiblich. Um die Arbeit neu zu verteilen, würden nach den grünen Plänen 7.000 neue städtische Jobs geschaffen werden. Der Fokus soll dabei auf den Erwerbseinstieg und jungen Menschen sowie älteren Beschäftigten liegen.

Laut Grünen würde diese Maßnahme 350 Millionen Euro kosten.

Freilich bräuchte es für beide Projekte noch die Zustimmung des roten Koalitionspartners, sollten die Grünen nach der Wahl am 11. Oktober überhaupt wieder in der Regierung sitzen.

Klubchef David Ellensohn ist aber zuversichtlich: "Als wir seinerzeit die Einführung der 365-Euro-Jahreskarte gefordert haben, haben auch viele gesagt, das ist nicht möglich." Mittlerweile sei sie ein Erfolgsmodell. Und angesichts der Corona- und Klimakrise habe man "für Kleinklein keine Zeit", sondern müsse große Projekte angehen. 

Sima winkt ab

Freilich: Die SPÖ kann den grünen Plänen wenig abgewinnen - um es vorsichtig zu formulieren: "An solchen populistischen Vorschlägen merkt man, dass der Wahlkampf begonnen hat", sagt die für den öffentlichen Verkehr zuständige Stadträtin Ulli Sima zum KURIER. Mit der jetzigen Jahreskarte, die umgerechnet einen Euro pro Tag koste, habe man bereits den europaweit günstigsten Tarif. Für Jugendliche, Senioren und sozial Schwächere gebe es darüber hinaus Ermäßigungen.

Für Sima sei es mit dem von den Grünen berechneten Zuschuss der Finanzierung nicht getan: Der erwartbare starke Zuwachs an Fahrgästen müsste mit einen beachtlichen Ausbau der Netz-Infrastruktur einhergehen, ansonsten würde es zu Überlastungen kommen. "Das würde in die Milliarden gehen und eine Vorlaufzeit von mehreren Jahren benötigen", sagt die Stadträtin. Sie hat aber auch rechtliche Bedenken, wenn von der Aktion nur Jahreskarten-Besitzer profitieren würden. "Das könnte eine Ungleichbehandlung sein."

Etwas diplomatischer drückt man sich im Büro von Stadtrat Jürgen Czernohorszky aus, der für die städtischen Bediensteten zuständig ist: "In der Stadt Wien hat die Sozialpartnerschaft einen sehr hohen Stellenwert", sagt ein Sprecher. "In dieser Tradition werden personalpolitische Zielsetzungen gemeinsam und solidarisch diskutiert. Dazu gehört auch die Frage der Arbeitszeit, die immer wieder Teil sozialpartnerschaftlicher Gespräche ist."

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