© Ichner Bernhard

Chronik Wien
02/26/2020

Bezirksvorsteherin von Margareten verlässt die SPÖ

Susanne Schaefer-Wiery nach internen Querelen kehrt ihrer Partei vor der Wahl den Rücken. Ihr folgt eine 35-Jährige nach.

von Bernhard Ichner, Josef Gebhard

Dass eine Bezirksvorsteherin ihre Funktion zurücklegt, kommt mitunter vor – dass sie aber gleich aus ihrer Partei austritt, so gut wie nie. Diesen Fall gibt es nun in Margareten: Wegen „zunehmender Entfremdung“ kehrt Bezirkschefin Susanne Schaefer-Wiery der SPÖ den Rücken. Gestern, Dienstag, informierte sie per Einschreiben die Landespartei. In ihrer bisherigen Fraktion hält sich die Bestürzung allerdings in Grenzen – zumal Schaefer-Wierys Tage als Bezirksvorsteherin nach der Wahl ohnehin gezählt gewesen wären. Ein Amt, das sie seit 2013 innehatte.

Ihren Parteiaustritt nach 22 Jahren Mitgliedschaft erklärt die 60-Jährige mit internen Differenzen: Die Bezirks-SPÖ sei „rückwärtsgewandt“, Konflikte würden zum Teil „unter der Gürtellinie“ ausgetragen. Dazu käme eine ideologischer Graben zwischen links und rechts. „Die Stimmung in der SPÖ Margareten ist nicht gut“, befindet Schaefer-Wiery – die seit mehr als einem Jahr auf keiner SPÖ-Sitzung mehr war, wie sie zugibt.

Ihr gehe es nun darum, ihre „super Arbeit“ bis zur Wien-Wahl fortzusetzen. Der parteiinterne Konflikt dürfe im Bezirk keinen Stillstand verursachen. Wichtige Projekte wie das Budget, die Neugestaltung der Reinprechtsdorfer Straße, das Grätzelzentrum „Gretl“ oder ein lokaler Klimarat seien unter ihrer Ägide auf Schiene gebracht worden, betont sie.

Der SPÖ will sie im kommenden Wahlkampf zwar nicht mehr zur Verfügung stehen. Ein Antreten für eine andere Fraktion oder eine eigene Liste schließt sie aber dezidiert aus.

Nachfolgerin

Bezirksparteichef Stephan Auer-Stüger, trägt die Neuigkeit mit Fassung. Nicht zuletzt, weil parteiintern ohnehin bereits im Frühsommer 2019 ein Generationswechsel beschlossen wurde. „Frau Schaefer-Wiery weiß seitdem, dass wir mit einem neuen Team in die Wahl gehen wollen.“ Als Nachfolgerin wird heute, Mittwoch, Ex-Bezirksrätin Silvia Jankovic (35) nominiert.

Eine schlechte Stimmung in der Bezirkspartei dementiert Auer-Stüger, weitere Austritte befürchtet er nicht.

Hinter vorgehaltener Hand üben rote Funktionäre jedoch schon seit längerem Kritik an der Bezirksvorsteherin. So soll die alltägliche Zusammenarbeit mit Schaefer-Wiery nicht gerade einfach gewesen sein.

Mit dem Abgang der Ex-Stadträtinnen Sandra Frauenberger und Renate Brauner, die viele Jahre die Bezirkspartei geprägt haben, dürfte sich die Position Schaefer-Wiery verschlechtert haben. Deutlich wurde das im Vorjahr, als sie bei der SPÖ-Bezirkskonferenz nur 47 Prozent der Stimmen erhielt und somit nicht mehr in den Vorstand gewählt wurde.

Kritik gibt es aber auch an ihrer inhaltlichen Arbeit: „Man kann nicht nur Politik für Menschen machen, die sich eine Wohnung am Margaretenplatz leisten können“, ist aus SPÖ-Kreisen zu hören. „Gleichzeitig ist beim Projekt ,Neugestaltung Reinprechtsdorfer Straße’ drei Jahre nichts weitergegangen.“

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