© Reinhard Vogel

Chronik Wien
10/27/2021

Betrüger ergaunerten mit einem einfachen Trick Millionen

Rechnungen wurden aus Postkästen gefischt und manipuliert. Zwei Männer sind angeklagt.

von Michaela Reibenwein

Die Masche ist so effektiv wie simpel: Betrüger fischen Briefe aus den Postkästen (bevorzugt in der Wiener Innenstadt), öffnen sie. Und wenn es sich um eine hohe Rechnung handelt, tauschen sie die Bankverbindung einfach aus. Die Überweisung des Geldbetrags landet dann auf ihrem Konto. Das Geld wird rasch abgehoben bzw. auf andere Konten umgeleitet.

Bekannte Geschädigte

Der KURIER berichtete bereits 2019 von derartigen Zwischenfällen – damals betroffen war unter anderem der bekannte Wiener Kunsthändler Gerald Hartinger. Der Schaden geht in die Millionen. Geschädigt wurden auch bekannte Unternehmen und Staatseinrichtungen. Am Mittwoch saßen erstmals zwei Beschuldigte vor Gericht.

Die Polizei hat in diesem groß angelegten, internationalen Betrugssystem lange ermittelt. Observationen inklusive. Und das gesammelte Material belastet die beiden Angeklagten, einen 54-Jährigen mit ungeklärter Staatsbürgerschaft und einen 59-jährigen ehemaligen Sicherheitsmann aus Angola – er bekennt sich teilweise schuldig. „Aber er ist keine große Nummer. Er spricht erstens kaum Deutsch und hat auch nicht das nötige technische Know-how“, sagt sein Verteidiger Noah McElheney. Und er bemüht einen Comic-Vergleich: Sein Mandant sei wie „Donald Duck, der die Panzerknacker abholt.“

Sein Mitangeklagter will mit der ganzen Sache gar nichts zu tun haben. „Ich kenne den Mann (gemeint ist der zweite Angeklagte) gar nicht.“ Wie dann seine Telefonnummer auf sein Handy kommt und warum er mehrmals mit ihm telefoniert hat? „Das kann nicht sein.“ Dass auf seinem Handy ein Video gefunden worden ist, auf dem er mit dem Mitangeklagten zu sehen sein soll? „Das bin ich gar nicht.“ Und warum er laut Observationsbericht den mutmaßlichen Komplizen von seiner Wohnung abgeholt hat? „Das war nicht ich. Ich habe das Auto einem Freund geborgt.“

Observiert wurde der Mann allerdings auch, als er zwei Konten bei Wiener Banken eröffnete. Mutmaßlich mit gefälschten Papieren und auf andere Namen lautend. „Da müsste es ja Fotos geben“, sagt er und bestreitet auch das.

Sechs Vorstrafen

„Also alles ein großes Missverständnis“, stellt Richter Peter Komenda fest. „Und wie ist das mit ihren sechs einschlägigen Vorstrafen?“

Der Prozess ist für drei Tage anberaumt. Zu den Geschädigten gehören unter anderem die OMV, die Nationalbank, Versicherungen oder Hotels. Die Masche wird international als „invoice fraud“ bezeichnet. Als die ersten Fälle in Österreich bekannt wurden, stieß vor allem die fehlende Kontrolle der Banken auf Unverständnis. Denn die halten sich in derartigen Fällen schadlos. Den Schaden hat derjenige, der den Betrag an das falsche Konto überwiesen hat.

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