Chronik | Wien
01.03.2018

Belvedere-Stöckl: Anrainer kritisieren Lärmgutachten

Bürgerinitiative wirft Betreiber Rechentricks vor, dieser kontert.

Salm-Bräu-Inhaber Walter Welledits will das seit Jahren geschlossene Belvedere-Stöckl im Schwarzenberggarten als „Restaurant-Brauerei“ wiederbeleben – der KURIER berichtete. Nun bringt die Bürgerinitiative, die seit Bekanntwerden des – aus ihrer Sicht überdimensionierten – Projekts dagegen mobilisiert, neue Kritik vor. Sie betrifft das viel diskutierte Thema Lärm.

Die Initiative stößt sich an dem Schallgutachten des Betreibers, denn Lärmwerte würden darin „mit allen Mitteln“ schöngerechnet. So sei etwa der Außenbereich als Speiselokal deklariert, tatsächlich entstehe dort ein – weitaus lauteres – Bierlokal. „Was sonst soll ein Lokal mit Brauerei sein?“, fragt Sprecher Hellmut Schneider.

Weiterer Kritikpunkt: Die Annahme des Gutachtens, dass der Betriebslärm ab 22 Uhr auf die Hälfte absinkt. Das widerspricht laut Initiative „jeder Lebenserfahrung“. Gerade in dieser Zeit seien Auslastung, Alkoholkonsum und damit die Lautstärke am höchsten, sind die Anrainer überzeugt.

Zudem stelle das Gutachten die Umgebung lauter dar, als sie tatsächlich ist. Denn der Lärm einer Betriebsanlage werde im Verhältnis zum Umgebungslärm beurteilt, erklärt Schneider. Der Betreiber versuche den vorhandenen Schallpegel rund um das Lokal höher darzustellen, damit der zusätzlich erzeugte Lärm nicht mehr ins Gewicht falle.

Seine Hauptsorge sei, dass die Behörde derartige „Absurditäten“ im laufenden Verfahren zur Genehmigung der Betriebsanlage ignoriere, sagt Schneider.

Betreiber: Alles korrekt

Walter Welledits weist „die untergriffigen Vorwürfe, mit Rechentricks zu arbeiten“ in einer schriftlichen Stellungnahme entschieden zurück. Das geplante „Stöckl im Park“ sei von Beginn an als Speiselokal positioniert worden, entgegnet er. „Zur laufenden Überprüfung der tatsächlichen Pegelsituationen werden kostenintensive Maßnahmen eingerichtet. Damit können die Planungsannahmen tatsächlich in die Realität umgesetzt werden“, heißt es weiter.

Konkret plant Welledits Lärmampeln, die bei allzu lautstarkem Betrieb Alarm schlagen. Eine eigene Security soll beim Erreichen von Grenzwerten eingreifen.

Alle Messungen wurden gewissenhaft und normkonform ausgeführt, betont Welledits. Das Gästebewegungsprofil im Salm-Bräu zeige, dass die Gästefrequenz nach 22 Uhr erheblich nachlasse. Dieses Muster sei auch auf das Stöckl umlegbar.

Der Gastronom hofft auf die Genehmigung der Betriebsanlage noch vor dem Sommer. Dann soll auch der Baustart erfolgen.