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Chronik Wien
07/15/2020

Coronavirus: Banges Warten auf den Schulbeginn

Eltern und Lehrer fürchten sich vor coronabedingten Schulschließungen im Herbst. Ruf nach flächendeckenden Tests und klaren Regeln wird lauter.

von Katharina Zach, Josef Gebhard

Lang fand die Ferienbetreuung nicht statt. Nachdem zwei Mitarbeiter der Volksschule Langenzersdorf, NÖ, positiv auf das Coronavirus getestet wurden, wurde die Schule vorsorglich geschlossen. 48 Kinder wurden heimgeschickt, sechs Mitarbeiter befinden sich in Quarantäne.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Schulstart im Herbst. Wie sollen Behörden und Schulen mit positiven Coronafällen oder auch nur Verdachtsfällen umgehen? Wann und wie lange werden Schulen geschlossen? Wer passt dann auf das Kind auf?

Eltern und Lehrer sind sich einig: So wie im Frühjahr, als die Schulen wochenlang zu waren, kann es im Herbst nicht weitergehen. Dass zuletzt wegen der steigenden Coronazahlen in OÖ gleich in fünf Bezirken Schulen und Kindergärten schlossen, sorgt für Verunsicherung.

Schließungen vermeiden

„Wenn in den ersten drei Schulwochen jemand Husten hat, gibt’s eine Panik“, ist Beatrice Svoboda überzeugt. Sie ist AHS-Lehrerin in Wien und blickt dem Herbst mit Sorge entgegen. Aus zwei Gründen: Als Mutter dreier Kinder brachte sie das Home Schooling im Frühling bereits an ihre Grenzen. Und als Lehrerin erlebt sie die Auswirkungen der Schulschließungen auf die Kinder hautnah mit. Sie reichen bis hin zu Schlafstörungen.

Dass es dringend eine Perspektive für die Eltern braucht, finden auch die Neos Wien. Sie fordern flächendeckende Tests in den Bildungseinrichtungen, um Schulschließungen zu vermeiden. Demnach sollen sämtliche rund 240.000 Wiener Schulkinder sowie das Personal zu Schulbeginn auf das Virus getestet werden. Die Screenings sollen in der zweiten und dritten Woche wiederholt werden. Stichproben-Test sollen laufend folgen. Kosten soll die Testreihe 4,5 Millionen Euro.

Zudem fordern die Pinken raschere Testergebnisse. „Sie müssen in acht Stunden vorlegen. Das ist möglich“, sagt der Wiener Neos-Chef Christoph Wiederkehr.

Um einzelne Schließungen werden Eltern und Schulen aber wohl nicht herum kommen, räumt man im Bildungsministerium ein. Derzeit wird dort mit dem Gesundheitsministerium an der Vorgehensweise für den Schulstart im Herbst gearbeitet. „Unser klares Ziel lautet, die Vorkehrungen so zu treffen, dass keine großräumigen Schulschließungen notwendig werden“, sagt eine Sprecherin. Das setzte unter anderem ein funktionierendes Ampel-System voraus. Dabei handelt es sich um das geplante Frühwarnsystem auf Bezirksebene.

Entscheidend sei ein funktionierendes Contact-Tracing. „Wenn das funktioniert, wird es zur fallweisen Schließung einzelner Klassen oder einzelner Schulen kommen, aber nicht zur Schließung von Schulen in einem ganzen Bezirk oder Bundesland.“

Betreuung sichern

Für den Fall von unvermeidlichen Schließungen brauche es ebenfalls klar geregelte Vorkehrungen, fordert Evelyn Kometter, Vorsitzende des Verbandes der Elternvereine an den Pflichtschulen: „Die Betreuung der Kinder muss gesichert sein, damit sich Eltern und Arbeitgeber nicht den Kopf zerbrechen müssen. Wichtig dabei sind einheitliche Lösungen.“

Letztendlich treffen die Entscheidung, ob eine Klasse oder Schule geschlossen wird, die Landesgesundheitsbehörden. Doch seitens der Länder ist man zugeknöpft. In Wien etwa ist man ebenfalls gerade dabei, ein Corona-Konzept für Bildungseinrichtungen zu erstellen, das ab Herbst in Kraft treten soll, sagt ein Sprecher des Medizinischen Krisenstabs der Stadt. Einzelheiten will er noch nicht verraten, das Konzept soll jedenfalls „in den nächsten Wochen“ fertig sein.

Kindergärten schließen - und Eltern haben ein Problem

Indes wächst auch der Unmut der Eltern von Kindergarten-Kindern, die vor dem selben Problem stehen. So wurde zuletzt in Wien ein privater Kindergarten wegen Kindern mit Fieber gleich vier Mal innerhalb weniger Wochen geschlossen. Eltern berichten, dass die Kinder sehr überstürzt abgeholt werden mussten.

Betroffene haben daher eine Online-Petition gestartet, in der sie – ähnlich wie die Neos – unter anderem schnellere Tests und klare Strategien ab dem Herbst fordern. Die Initiatoren fordern weiters, dass Kindergärten, die von Verdachtsfällen betroffen sind, offen bleiben, bis das Testergebnis vorliegt.

Bis Dienstagabend haben mehr als 2.600 Personen die Petition unterzeichnet.

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