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Chronik Wien
10/15/2021

Ausstellung am Wiener Hauptbahnhof erinnert an NS-Deportationen

1941 und 1942 wurden rund 4.200 jüdische Wienerinnen und Wiener ins Ghetto nach Riga geschickt.

Eine Ausstellung am Wiener Hauptbahnhof gedenkt den Deportationen vor 80 Jahren nach Lettland. Im Zeitraum von Dezember 1941 bis Februar 1942 wurden ca. 4.200 Jüdinnen und Juden vom heute nicht mehr existierenden Aspangbahnhof in Wien ins Ghetto nach Riga deportiert. Die meisten - darunter viele Kinder - wurden nach tagelanger Fahrt unmittelbar nach der Ankunft erschossen.

"Die Bahn war dabei eine der wichtigsten Stützen des Nazisystems. Ohne sie wäre die Kriegslogistik der deutschen Wehrmacht in dieser Form nicht umsetzbar gewesen. Die ÖBB bekennt sich zu ihrer Vergangenheit und setzt sich für eine aktive Erinnerungskultur ein", hieß es dazu in einer Pressemitteilung der ÖBB.

Der letzte von Wien nach Riga gesandte Transport traf im Februar 1942 ein. Beim Empfang am Bahnhof Skirotava wurde jenen Menschen, denen der kilometerlange Fußmarsch zum Ghetto zu beschwerlich erschien, Lastkraftwagen zur Fahrt ins Ghetto angeboten. Bei ihnen handelte es sich um getarnte Gaswagen.

Nur 100 Überlebende

Von den 1.000 mit diesem Transport aus Wien Deportierten erreichten nur 300 Personen das Ghetto zu Fuß. 400 meist ältere Menschen wurden im Wald vom Rumbula ermordet. Insgesamt überlebten nur rund 100 der aus Österreich stammenden Menschen das Ghetto, die Zwangsarbeit sowie die danach folgenden Einweisungen in diverse Konzentrationslager.

Initiiert wurde die Ausstellung von der Stadt Wien in Zusammenarbeit mit dem Nationalfonds und den ÖBB. Sie ist bis 30. November 2021 am Hauptbahnhof frei zugänglich. Eröffnet wurde sie heute im Beisein von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), ÖBB-Vorstandschef Andreas Matthä, dem israelischen Botshafter Mordechai Rodgold, der lettischen Botschafterin Guna Japina und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch.

"Mir ist wichtig, dass dieses furchtbare Kapitel unserer Geschichte nicht nur in Museen oder auf den Universitäten diskutiert wird, sondern auch im öffentlichen Raum sichtbar ist. Demokratie und Menschenrechte sind auch in der Gegenwart brisante Themen. Daher haben wir mit dem Wiener Hauptbahnhof einen hochfrequentierten öffentlichen Ort ausgewählt, um der Geschichte des Holocaust und der grausamen Verfolgung von Menschen auch im Alltag Platz einzuräumen und sie so näher an die Menschen zu bringen", sagte ÖBB-Chef Matthä.

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