Hauptbahnhof

© KURIER/Franz Gruber

Wien/NÖ
08/04/2016

Aufregung um "IS-Drohung": Hauptbahnhof geräumt

Angeblicher "ISIS-Kämpfer" bedrohte Polizeieinrichtungen in drei Bundesländern und den Flughafen.

von Dominik Schreiber, Julia Schrenk

Einen alles andere als harmlosen Scherz dürfte sich jemand mit der aktuellen Terror-Angst gemacht haben. In einem Mail an die Polizei kündigte der bisher Unbekannte, der sich auf die Terrororganisation IS beruft, innerhalb der folgenden zwei Stunden Bombenanschläge auf den Wiener Flughafen, den Hauptbahnhof und fünf Polizei-Inspektionen an. Der Hauptbahnhof (und alle anderen genannten Gebäude) wurden daraufhin von der Polizei verstärkt bestreift. Nachdem dabei gegen 11.30 Uhr ein Rauchmelder in einem Geschäft anschlug, wurde der Hauptbahnhof laut ÖBB-Sprecher Michael Braun für etwa zehn Minuten geräumt. Es gab aber weder ein Feuer, noch einen Hinweis auf eine Bombe, bestätigte die Polizei die kurzzeitige Räumung. Vieles deutet auf einen Trittbrettfahrer hin.

Drohung mit Angriff in den Morgenstunden

"Die Drohung war für Donnerstag in den Morgenstunden, der Zeitraum ist bereits verstrichen", erklärte Polizeisprecher Thomas Keiblinger gegenüber dem KURIER. Sie sei zwar "wenig ernstzunehmen" gewesen, aber bei der aktuellen Lage mussten dennoch Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden. Alle Beamten wurden intern darauf hingewiesen, dass es eine entsprechende Drohung gegen die fünf Inspektionen am Nußdorfer Platz, in der Gersthoferstraße, der Juchgasse, der Purckygasse und der Simmeringer Hauptstraße gibt und auch Dienstfahrzeuge im Visier stehen könnten. Sie wurden aufgefordert, verstärkt auf Bedrohungen zu achten.

"Generell gilt am Flughafen erhöhte Aufmerksamkeit und der Flughafen steht laufend mit den Behörden in engem Kontakt. Eine Terminalräumung oder ähnliches war nicht erforderlich", sagte Airport-Sprecher Peter Kleemann. Es habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden, die eingesetzten Polizeikräfte seien entsprechend sensibilisiert gewesen, hieß es beim niederösterreichischen Verfassungsschutz. Kurzzeitig war jedenfalls auch die "Cobra" in Alarmbereitschaft, nach Ablauf der Frist wurde diese Maßnahme aber wieder zurückgenommen.

Verschlüsselte Mailadresse als Absender

Die Polizei versucht nun, den Mailschreiber auszuforschen. Laut Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck kam die Drohung von einer verdeckten Mailadresse, von der bereits mehrfach einschlägige Drohungen versandt worden sind. Adressaten waren offenbar allgemeine Mailadressen von Sicherheitsdirektionen, weswegen der Alarm erst mit leichter Verspätung ausgelöst wurde.

Der Unterschied bei diesem Mail: Erstmals wurden konkrete Ziele mit Adresse, Datum und Uhrzeit genannt. Neben den Adressen in Wien sollen auch mehrere Objekte in der Steiermark (vor allem in Graz) und Niederösterreich genannt worden sein. Laut Presse wurden in Summe 14 Polizei-Dienststellen bedroht. Der Verfassungsschutz übernahm die Ermittlungen. Das Innenministerium betonte aber, es gebe derzeit keinen Anlass für Panikmache. Bisher sei nur klar, dass sich der Absender in diesem Mail (wie auch in denen davor) auf den IS beruft. Dass er tatsächlich mit der Terrororganisation in Zusammenhang stehen könnte, darauf gibt es bisher keinen Hinweis.

Das Innenministerium veröffentlichte zu dem Vorfall im Internet eine Information:
„In den Morgenstunden des 04.08.2016 sind bei den österreichischen Sicherheitsbehörden per E-Mail schriftliche Terrordrohungen gegen Polizeieinrichtungen in mehreren Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Steiermark) eingegangen. Der Absender hat dafür eine verdeckte E-Mail-Adresse verwendet, von der in der Vergangenheit schon mehrmals einschlägige Drohungen versandt wurden. Die Ermittlungen des Verfassungsschutzes sind im Laufen. Die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen wurden gezielt verstärkt. Die österreichischen Sicherheitsbehörden sehen aktuell keinen Anlass für Panikmache, jedenfalls aber Grund zur Vorsicht. Allgemein muss spätestens seit den Anschlägen auf Charly Hebdo, Anfang 2015 in Paris, von einer allgemein erhöhten Risikolage in ganz Europa ausgegangen werden. Derzeit kann niemand Ereignisse irgendwo in Europa mit Gewissheit ausschließen.“

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