So verhüllt hatte sich Samra K. gezeigt

© Interpol

Wien
04/18/2014

Am Weg nach Syrien: Interpol fahndet nach Mädchen-Duo

Familie zweifelt die Echtheit von Fotos mit Waffen und Meldungen über Hochzeiten an.

von Michaela Reibenwein

Der Körper ist fast vollständig verhüllt, sogar die Hände sind mit Handschuhen bedeckt. Nur die grünen Augen blitzen hervor. Mit diesem und anderen Bildern fahndet nun Interpol nach den beiden Mädchen aus Wien, die nach Syrien gereist sein sollen – angeblich um dort zu kämpfen.

Wo sich die 16-jährige Samra K. und die 15-jährige Sabina S. aktuell aufhalten, ist unklar. Gesichert ist nur, dass sie am 10. April nach Istanbul geflogen sind. Auf einer Internet-Plattform erklären sie: "Wir fürchten nicht den Tod, der Tod ist unser Ziel", posten Fotos von Waffen und Katzen und erklären, dass sie nun verheiratet sind. "Ich habe in Wien gelebt, bis Allah mich rief und ich den Ruf erhörte und ich mich auf dem Weg zum Boden der Ehre machte ... Wir leben in Häusern, die eure Vorstellungen übertreffen, wir haben hier alles, wir leben voller Stolz."

Skeptisch

"Das sind nicht die Mädchen. Das schreibt jemand anderes", ist Sabinas Onkel überzeugt. Auch er hätte sie angeschrieben. "Und wesentliche Fragen konnten sie nicht beantworten." Die angebliche Heirat, die stattgefunden haben soll, könne auch nicht stimmen. "Im Islam braucht man dazu den Segen der Eltern. Sonst ist die Ehe nicht gültig."

Dass die Jugendlichen in einer Moschee rekrutiert worden sein sollen, kann die Familie nicht glauben. "Wir wissen, wo sie unterwegs waren. Sie müssen auf der Straße angesprochen worden sein." Die Hoffnung, dass sie doch nicht in Syrien sind, lebt. "Vielleicht sitzen sie noch in Istanbul. Und wir hoffen, dass sie von allein retour zu ihren Familien kommen. Sie werden gesucht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie gefunden werden."

Der Vater von Sabina ist übrigens nicht in die Türkei gereist. "Was soll das auch bringen? Wir kennen niemanden dort. Und wir wissen nicht, wo wir suchen sollen." Im Gegenteil. "Er kann kaum noch arbeiten. Mein Bruder wird fast verrückt vor Angst."

Was die beiden bosnisch-stämmigen Mädchen dazu getrieben hat, nach Syrien reisen zu wollen, ist noch immer rätselhaft. Sie kleideten sich westlich, trugen das Haar offen und hatten Partnerschaften.

Die Polizei hält sich mit offiziellen Aussagen in dieser Sache zurück. "Es stimmt, es gibt eine internationale Fahndung nach den Mädchen. Und wir schauen uns an, wer den Internet-Blog betreibt."

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