Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

17 Badestellen im Test: So werden Wiens Badegewässer geprüft

Regelmäßige Untersuchungen von Experten sollen die Qualität der Badegewässer sicherstellen.
Eine Mikrobiologin misst die Wassertemperatur.

Von Frederike Reisiger

Die angenehmen Temperaturen an der Alten Donau Donnerstagfrüh um 8 Uhr lassen sich wohl als Ruhe vor dem Sturm bezeichnen. Denn in wenigen Stunden werden die ersten Badegäste eintreffen. Dabei ist aber auch Vorsicht geboten: In Niederösterreich sind am Donnerstag drei Menschen bei einem Badeausflug ums Leben gekommen.

Beim KURIER Lokalaugenschein geht es jedoch um die Qualität des Wassers. Deswegen fahren an diesem Tag zwei Mikrobiologinnen mit ihren Fahrrädern auf einen Steg an der Alten Donau. Ihre Aufgabe: Wasserproben ins Labor der Magistratsabteilung für Prüfungen, Inspektionen und Zertifizierungen (MA 39) zu liefern. Auch die zuständige Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) macht sich ein Bild von der Qualitätskontrolle.

17 verschiedene Badestellen

Die Proben werden während der Badesaison alle 14 Tage an 17 verschiedene Badestellen entlang der Alten und Neuen Donau durchgeführt. Bei den Badestellen handelt es sich um an die EU gemeldete Badestellen, die Qualitätskontrollen im Zwei-Wochen-Intervall sind deshalb Pflicht. Die beiden Prüferinnen nehmen aber nicht nur Wasserproben. Untersucht wird auch die Sichttiefe des Wassers. 

Die sei ein guter Parameter für Badegäste, um die Qualität des Wassers selbst grob festzustellen, erklärt Ulrike Prüfert-Freese, Leiterin des MA-39-Fachbereichs für Hygiene und Strahlenschutz. Gelingt es, ungefähr zwei Meter tief in das Gewässer zu schauen, gilt die Wasserqualität als gut. Ebenfalls gemessen werden der Sauerstoffwert, der pH-Wert und die Temperatur des Wassers. Ist der Sauerstoffgehalt niedrig, könnte dies unter anderem auf ein Fischsterben hindeuten.

Vorgehen im Labor

Die Proben, die die Mitarbeiterinnen entnahmen, werden nun zwei Tage lang bei 44 Grad im Labor gebrütet und im Anschluss unter einer UV-Lampe kontrolliert. Die Ergebnisse werden mit den Richt-und Grenzwerten der EU abgeglichen. Sollte einer der Werte auffällig sein, wird die Probe wiederholt. Stimmt der Wert anschließend immer noch nicht mit den Grenzwerten überein, wird die Badestelle vorübergehend geschlossen.

Eine Person untersucht die Wasserprobe im Labor.

Die Wasserprobe wird von der biomedizinischen Analytikerin Dominique Vogel untersucht.

Juckreiz und Algen

Im Sommer 2024 erwärmten sich Alte und Neue Donau über die kritische Marke von 26 Grad, was zu der Bildung von Zerkarien – so nennt man das Larvenstadium bestimmter Parasiten – führte. Die verursachten die sogenannte Badedermatitis, eine mit Juckreiz verbundene Hautreaktion. Das Phänomen wurde von den Behörden jedoch als ungefährlich eingeschätzt.

Der Teich Hirschstetten in der Donaustadt musste diesen Juni aufgrund von Blaualgen vorübergehend geschlossen werden. Mittlerweile können keine bedenklichen Bakterien mehr nachgewiesen werden und die Sperre wurde wieder aufgehoben.

Probleme durch Hochwasser

Aber auch starke Regenfälle können zu Badeverboten führen. Bei größeren Hochwasserereignissen werden die Schleusen zur neuen Donau geöffnet.
Dies ist automatisch mit einem Badeverbot verbunden, da sich die Qualität des einfließenden Donauwassers nicht zum Schwimmen eignet.

Sobald das Hochwasser durchgelaufen ist, beginnen die Untersuchungen. Entsprechen die Werte wieder der Badegewässerverordnung, wird das Badeverbot aufgehoben. Die regelmäßigen Kontrollen würden sicherstellen, dass die Badegewässer den gesetzlichen Anforderungen entsprächen, betont Dieter Werner, Leiter der MA 39.

Werte im „ausgezeichneten Bereich“

Zurück im Labor, wo die Wasserproben untersucht werden, treffen gerade die Werte einer Untersuchung von Montag ein. Sie befinden sich im „ausgezeichneten Bereich“. Dass die Qualität trotz der heißen Temperaturen in diesem Zustand ist, könne unter anderen auch an der hohen UV–Strahlung liegen, erklärt Prüfert-Freese. Denn die hat eine desinfizierende Wirkung. Wenn die Strahlen in die Mikroorganismen eindringen, können sie das Erbgut zerstören, was die Vermehrung von Bakterien verhindert.

Werte sind online abrufbar

Die aktuellen Messwerte werden auf der Website der Stadt Wien veröffentlicht und sind für jeden abrufbar. Dort findet sich auch ein Stadtplan, der mit farbigen Punkten ausgestattet ist. Aus der Farbe lässt sich die Wasserqualität an der jeweiligen Badestelle herauslesen.

Kommentare