5.000 Liter Wasser pro Sekunde: Wehranlage wurde für Trio zur Todesfalle
Diese Wehranlage wurde den drei Männern zum Verhängnis.
Drei junge Menschen, ertrunken in einem als harmlos geltenden Kanal, der das Marchfeld über ein 100 Kilometer langes Gewässernetz mit Wasser versorgt. Wie kann so etwas passieren?
Eine Erklärung dazu liefert der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft des Marchfeldkanals, Franz Steiner, im Gespräch mit dem KURIER. Das große Risiko des Kanals sind die Wehranlagen. Laut den ersten Ermittlungen der Polizei ist genau so eine Wehr den drei Männern zum Verhängnis geworden. Das Trio dürfte versucht haben, mit Stand-Up-Paddles die Wehr bei Gerasdorf (Bezirk Korneuburg) zu durchfahren.
Für Steiner ein „tödliches Risiko“. Das Wasser wird bei der besagten Wehranlage aufgestaut. Auch wenn es harmlos wirkt, besteht absolute Lebensgefahr, so Steiner. „Man hat dort einen Überfall von einem Meter. Es fließen 5.000 Liter Wasser pro Sekunde durch. Dieser Wasserwalze entkommt man nicht.“
Wehranlage im Marchfeldkanal: Bei der Durchfahrt besteht Lebensgefahr
Kanus und Kajaks zum Kentern gebracht
Die Wassermassen drücken nicht nur Schwimmer nach unten. Da starke Unterströmungen, Walzenbildungen und unvorhersehbare Wasserbewegungen auftreten, können auch Boote, Kanus oder Kajaks durch die Strömung erfasst, beschädigt oder zum Kentern gebracht werden, warnt die Betriebsgesellschaft des Marchfeldkanals nach dem tödlichen Unglück am Donnerstag auch auf ihrer Homepage.
Tatortermittler an der Unglücksstelle beim Marchfeldkanal.
Die drei jungen Männer aus Wien sind am Donnerstag leblos aus dem Marchfeldkanal bei Gerasdorf (Bezirk Korneuburg) geborgen worden. Die Männer hatten bereits am Montag einen Ausflug mit Stan- Up-Paddles unternommen.
Weil sie nichts mehr von ihm gehört hatte, meldete die Mutter eines 27-Jährigen ihren Sohn in Wien als abgängig. Die Frau hatte bei der Polizei angegeben, dass er am Montag mit anderen eine Tour auf dem Marchfeldkanal geplant hatte. Im Bereich der Wehranlage in Gerasdorf wurden am Mittwoch im Zuge einer Suchaktion die Stand-Up-Paddles und persönliche Gegenstände der Männer gefunden.
Leichen aus dem Hubschrauber entdeckt
An der Suche nach den Vermissten waren auch Diensthunde, eine Drohne sowie Wasserpolizei und Feuerwehr beteiligt. Nach knapp fünf Stunden wurde der Einsatz abgebrochen und in den Morgenstunden am Donnerstag fortgesetzt. Vom Hubschrauber aus wurden schließlich zwei Leichen im Marchfeldkanal im Bereich der Seyringer Straße in Gerasdorf entdeckt, die dritte wurde kurz darauf in der Nähe gefunden.
Bei den Opfern handelt es sich laut Polizei um einen 27-jährigen Österreicher und einen 28 Jahre alten afghanischen Staatsbürger. Die dritte Person wurde bisher noch nicht identifiziert, erklärte Polizeisprecher Stefan Loidl am Donnerstagnachmittag.
Kommentare