Ärger im Wiener Gänsehäufel: Stammgäste baden heuer teurer

Derzeit ist das Gänsehäufel noch leer: Am 29. Mai soll es aufsperren.
Saisonkarten-Besitzer zahlen in den städtischen Bädern bis zu mehr als das Doppelte pro Tag. Die Stadt bittet um Verständnis.

Ein Sommer im Gänsehäufel kann besser sein als ein Urlaub im Süden. Das weiß Reinhard Fendrich („I steh aufs Gänsehäufe’, auf Italien pfeif i!“). Und das ist auch den Stammgästen des berühmten Freibads an der Alten Donau bekannt: Die Saisonkarte ersetzt für so manchen von ihnen eine Reise.

Auf die günstige Alternative zum Urlaub müssen die 2.218 Stammgäste des Gänsehäufel heuer verzichten – zu ihrem Ärger. Wegen des Coronavirus beschränkt die Stadt Wien die Zahl der Besucher in den Freibädern und führt ein neues Tarifsystem ein.

Es beinhaltet, dass keine Saisonkarten (in deren Preis sowohl der Eintritt als auch die Miete für eine Umkleide inkludiert ist) ausgegeben werden.

Deswegen mehren sich jetzt auch im Rathaus die Beschwerden: „Das ist einfach nicht fair“, sagt KURIER-Leserin Roswitha Klar. Seit 40 Jahren hat sie im Gänsehäufel eine Großkabine gemietet.

Komplikationen durch das Virus

Mit der zugehörigen Dauerkarte für 434 Euro dürfen drei Personen ins Bad. Jeder der 138 Badetage der Saison kostet pro Gast somit 1,05 Euro. Und im Angelibad zahlen Saisonkarten-Inhaber in der günstigsten Variante überhaupt 75 Cent täglich.

Für Stammkunden machen die neuen Tarife den Badetag nun bis zu mehr als zweieinhalb Mal so teuer. Auch bei anderen Dauerkarten und Mitgliedschaften führt das Virus zu Komplikationen.

Keine Leistung, keine Zahlung

Freizeitangebote wie Fitnesscenter oder Yogastudios können wegen des Lockdowns nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden. Dürfen Zahlungen für Mitgliedschaften  daher eingestellt werden? „Entscheidend ist, ob die vertraglich vereinbarte Leistung erbracht wird“, sagt Emanuela Prock von der Arbeiterkammer Wien. Ist das nicht der Fall,  dürfen Kunden Zahlungen stoppen bzw. zurückfordern.

Öffis und Büchereien

Die Wiener Linien erstatten die Zeit bzw. die Kosten für Jahreskarten während der Ausgangsbeschränkungen nicht. Denn: Die Dienstleistung wurde weiter erbracht. Die Mitgliedschaften bei den Wiener Büchereien etwa werden um die Dauer der  Schließzeit verlängert.

 

 

Wollen Stammgäste ins Bad, müssen sie nämlich künftig Tageskarten lösen. Diese hat die Stadt stark verbilligt. Erwachsene zahlen statt 6,20 Euro nur 3 Euro.

Für die insgesamt 4.749 Dauerkarten-Inhaber gibt es ein Spezial-Angebot: Gegen Vorlage der Saisonkarte von 2019 kostet sie der Tageseintritt nur 2 Euro. Und: Sie dürfen ihre für 2020 bereits reservierten Umkleiden nutzen.

Ärger im Wiener Gänsehäufel: Stammgäste baden heuer teurer

Urlaub in der Kabane: Das Strandbad Gänsehäufel hat exakt 2.218 Stammgäste.

„Die Stadt könnte uns mehr entgegenkommen“, sagt Klar. „Immerhin hat sie von den Dauergästen in den vergangenen Jahren regelmäßig viel Geld bekommen.“

Rückerstattungen befürchtet

Allerdings: Die Stadt hat die Tarife nicht ohne Grund geändert: „Wir wissen nicht, wie sich die Situation entwickelt. Sollten wir Bäder wieder sperren müssen, erbrächten wir die Leistung für die Dauerkarten-Inhaber nicht“, heißt es aus dem Büro des zuständigen Stadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Die Folge wären komplizierte Kostenrückerstattungen.

Außerdem erhalten die Stammkunden ihr Geld für bereits bezahlte Karten zurück. Reservierungen für Kästchen oder Kabinen bleiben für 2021 aufrecht.

Im Büro von Stadtrat Czernohorszky bittet man um Verständnis. Man versuche, die Stammgäste so gut wie möglich zu berücksichtigen, sagt eine Sprecherin.

Aber: „Wir müssen auch schauen, dass möglichst viele unterschiedliche Gruppen Zugang zum Baden haben.“ Ein Mittel dazu sei das neue Tarifsystem.

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