Müllsünder laden Elektrogeräte und Möbel in den Wiener Wäldern ab.

© Ma49

Chronik Wien
04/12/2020

Abfall-Hotspot Lobau: Mehr Müllsünder in Zeiten von Corona

In Wiens Wäldern landet zurzeit ein Drittel mehr Abfälle als üblich. Pro Woche werden bis zu 20 Verdächtige angezeigt.

von Bernhard Ichner

Corona gebe der Natur die Chance, sich von Umweltverschmutzung zu erholen, heißt es. In Wien ist das nicht uneingeschränkt der Fall. Wie der Forstbetrieb der Stadt (MA49) berichtet, nehmen das illegale Ablagern von Sperrmüll sowie Littering (achtlos weggeworfene Abfälle) seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen - also seit Schließung der Deponien - deutlich zu. Zum Teil werde der Mist allerdings auch von Niederösterreich nach Wien „exportiert“.

Seit Beginn der Corona-Krise müssten seine Mitarbeiter auf den von der Stadt verwalteten Wald- und Wiesenflächen inklusive Wienerwald ein Drittel mehr Müll einsammeln als üblich, sagt Forstdirektor Andreas Januskovecz.

„Das sind 60 Kubikmeter Müll oder acht bis zehn Lkw-Ladungen, die wir pro Woche händisch aufklauben.“ Normalerweise komme man mit zwei bis drei Lkw-Ladungen aus.

Ein besonderer „Müll-Hotspot“ sei traurigerweise die stark frequentierte Obere Lobau, so der Forstdirektor. Hier verzeichne man gar eine Abfall-Zunahme um 50 Prozent – das allein entspreche bereits zwei Lkw-Ladungen pro Woche.

Grünschnitt aus NÖ

„Zu 90 Prozent ist das illegal abgeladener Sperrmüll, den wir entsorgen“, berichtet Januskovecz. Die Unverfrorenheit der Müllsünder kenne kaum Grenzen: „Wir finden gesamte Wohnungseinrichtungen im Wald: Betten, Kästen, Klomuscheln und Waschbecken.“

Weitere fünf Prozent der Abfälle entfallen auf Littering – also auf Getränkedosen, Zigarettenpackungen und anderes, das in Erholungsgebieten nicht den Weg in die Mistkübel findet.

Und dann sind da noch fünf Prozent Grünschnitt, der zum Teil aus Niederösterreich kommt: Zurzeit werde infolge des schönen Wetters viel gegartelt, sagt Januskovecz. Doch während es in Wien die Biotonne gebe, fänden Niederösterreicher geschlossene Abfallsammelzentren vor. „Deshalb wird der Grünschnitt einfach bei uns entsorgt“, ärgert sich der MA49-Chef. Den Verdacht hege man nicht zuletzt aufgrund der Autokennzeichen, die auf den Wiener Waldwegen registriert wurden.

Empfindliche Strafen

Pro Woche ertappe man bis zu 20 Müllsünder, so Januskovecz. Und jeder einzelne werde „ausnahmslos zur Anzeige gebracht“. Was im Wiederholungsfall teuer werden kann. Je nach zu Grunde liegender Gesetzesmaterie können die Pönalen für Entsorgungsvergehen nämlich extrem hoch ausfallen.

Relativ zahnlos ist da das Forstgesetz, das Strafen bis zu 150 Euro vorsieht. Teurer wird es, wenn nach dem Abfallwirtschaftsgesetz geahndet wird. Das kann von 450 Euro bis zu 8.400 Euro (im Wiederholungsfall) kosten. Und noch empfindlichere Strafen sieht das Wiener Nationalparkgesetz vor. Hier drohen Müllsündern 21.000 bis 45.000 Euro Strafe.

Etwas entspannen könnte sich die Situation ab Dienstag, wenn neun Wiener Mistplätze wieder geöffnet werden (Infos: www.abfall.wien.at). Um Chaos zu vermeiden, bittet die zuständige MA48 die Bürger allerdings, die Deponien nur in dringenden Fällen aufzusuchen – etwa um Sperrmüll abzuladen. Die Zahl der gleichzeitig zugelassenen Autos wird pro Anlage auf zehn beschränkt. Mundschutz ist Pflicht.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.