Fazel (21): Kaution bezahlt, Wohnung versperrt

© /Lukas Semmler

Abzocke
02/09/2016

4600 Euro Kaution für eine Wohnung, die es nicht gibt

Immer wieder werden Flüchtlinge Opfer von dreisten Mietbetrügern.

von Julia Schrenk

Fazel wollte endlich eine eigene Wohnung. Der 21-jährige Afghane kam vor fünf Jahren nach Österreich, holt aktuell seinen Hauptschulabschluss nach und arbeitet bei Workshops der Asylkoordination mit. Auf einer Online-Immobilienplattform entdeckte Fazel eine kleine Wohnung in der Neulerchenfelder Straße 94 in Wien-Ottakring. Der 21-Jährige kam zur Wohnungsbesichtigung, wie viele andere auch. 200 Euro gab er dem Vermieter, einem Mann namens Adrian A., damit er den Zuschlag erhält.

Fazel bekam die Wohnung – er zahlte 2200 Kaution und kaufte eine gebrauchte Couch, einen Tisch und ein Regal auf willhaben.at. Als er einziehen wollte, stand er vor verschlossener Türe. Das Schloss war getauscht, sein Geld war weg. "Ich war sehr traurig", erzählt Fazel. "Dabei hat mir der Typ sogar noch geraten, bei der MA 40 den Zuschuss zur Provision zu beantragen."

Fazel ist kein Einzelfall. Immer wieder werden anerkannte Flüchtlinge, die auf der Suche nach einer Wohnung sind, dreist abgezockt. "Wir hören diese Geschichten immer wieder", sagt Elisabeth Stocker vom Caritas-Immobilienmanagement. Und in den vergangenen Wochen noch öfter. "Flüchtlinge sind der deutschen Sprache oft nicht so mächtig, da haben Betrüger ein leichtes Spiel", sagt Stocker. "Diese Menschen suchen händeringend eine Wohnung und werden dann oft abgezockt."

Zu wenig Wohnraum

Dazu kommt, dass sich die Wohnungssuche für Flüchtlinge ohnehin schwierig gestaltet: Den Betrag für Kaution und Provision können sie kaum aufbringen, zusätzlich sind sie oft mit Vorurteilen konfrontiert. "Aber das größte Problem ist: Es fehlt an leistbarem Wohnraum", sagt Stocker.

Abgezockt wurden auch zwei Irakerinnen, die in der Flüchtlingsunterkunft in der Vorderen Zollamtsstraße untergebracht waren. "Ein Mann, der sich als Dolmetscher ausgegeben hatte, vermittelte den Frauen einen Bekannten, der eine Wohnung für sie hätte", erzählt El Awadalla. Die Schriftstellerin engagiert sich freiwillig in der Flüchtlingshilfe. Vom Fall der beiden Irakerinnen hat sie erst erfahren, als es zu spät war: "Da haben sie schon 4600 Euro Kaution an einen Maghrebiner gezahlt."

Und zwar an einem Kebab-Stand in Wien-Favoriten. Ein Mal konnten die Frauen die Wohnung besichtigen, als sie einziehen wollten, war das Schloss ausgetauscht und die Wohnung bewohnt. Der Mietvertrag, der den Frauen unterbreitet wurde, strotzt nur so vor Fehlern: Angeboten wurde eine Wohnung im 2. Bezirk in der Fünkhgasse – (die liegt eigentlich im 14. Bezirk) und nahe "des beliebten Ausgehviertels Schloßquadrat" – das liegt im 5. Bezirk. Öffentlich angebunden sei die Wohnung im zweiten Bezirk an die U4 Pilgramgasse sowie an die Straßenbahnlinie 31 – die vom Schottentor nach Stammersdorf fährt. Für die Kaution gaben die Irakerinnen ihr gesamtes Geld aus – sie reisen nun zurück in den Irak. In beiden Fällen wurde Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Wien gab trotz mehrmaliger Nachfrage keine Auskunft zu den Fällen.

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