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© REUTERS/PAWEL KOPCZYNSKI

Deutschland
12/20/2016

Berlin: Was wir bisher über die Todesfahrt wissen

Ein Lkw raste auf einem Berliner Weihnachtsmarkt in eine Menschenmenge, zwölf Menschen sterben. Die Polizei geht von Vorsatz aus. Erinnerungen an den Terroranschlag von Nizza werden lebendig.

von Jürgen Klatzer

Nach der Todesfahrt eines Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt deutet vieles auf einen Anschlag hin (hier gelangen Sie zum Live-Blog). Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) sagte: "Ich möchte im Moment noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen, obwohl viel dafür spricht." Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte: "Nach allem, was wir wissen, müssen wir von einem Terroranschlag ausgehen."

Über den Tathergang

Bei der Tat im Herzen Berlins raste am Montagabend ein Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche und tötete mindestens zwölf Menschen. Weitere 48 Menschen lagen in der Früh zum Teil schwer verletzt in Krankenhäusern. Das Fahrzeug rollte 50 bis 80 Meter über den Platz, fuhr dann wieder auf die Straße und kommt dort zum Stehen.

Im Lkw fanden die Polizisten einen Toten. Ein Verdächtiger flieht zunächst, die Beamten können ihn jedoch an der Siegessäule festnehmen.

Über das Motiv

Am Dienstagmorgen erklärt die Polizei, sie gehe von einem terroristischen Anschlag aus. Der Lkw sei vorsätzlich in die Menschenmenge gesteuert worden. Zuvor hatte bereits der der Generalbundesanwalt, der für solche Fälle zuständig ist, die Ermittlungen aufgenommen.

https://twitter.com/PolizeiBerlin_E/status/811073786674028548
PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E
https://twitter.com/PolizeiBerlin_E/status/811071432667099136
PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E

Über den Lkw und den Fahrer

Der Lkw gehört einer polnischen Transportfirma, deren Besitzer hatte den Sattelschlepper auf Bildern erkannt. Der Spediteur sagte im polnischen Fernsehen, der Lkw sollte Stahlgestelle aus Italien nach Berlin transportieren. Ab 16 Uhr habe er keinen Kontakt mehr zum Fahrer des Wagens gehabt. Die Berliner Polizei teilte dagegen mit, es bestehe der Verdacht, dass der Sattelschlepper in Polen von einer Baustelle gestohlen worden sei.

Der mutmaßliche Fahrer des Lkw, der auf der Flucht vom Tatort festgenommen worden war, soll laut Medienberichten in den Morgenstunden Pakistaner sein. Er sei wohl im Dezember 2015 als Flüchtling in Passau eingereist - also über Österreich. Offiziell bestätigt wurde dies bisher nicht Der Berliner Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Verdächtige sei den Ermittlern bekannt, allerdings nicht wegen eines terroristischen Hintergrundes, sondern wegen kleinerer krimineller Delikte.

In der Fahrerkabine fand die Polizeieinen Toten. Bei ihm handelt es sich um einen polnischen Staatsbürger, der das Fahrzeug laut Polizeiangaben nicht gelenkt haben soll.

Über die künftigen Schritte

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel wollten am Mittag (13.00 Uhr) auf einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit informieren. Nach Worten von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) war die Situation am Abend unter Kontrolle. Der Regierungschef reagierte geschockt. "Was wir hier sehen, ist dramatisch", sagte Müller auf dem Breitscheidplatz.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich bestürzt. "Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Merkel sei mit de Maiziere und Berlins Bürgermeister Müller in Kontakt.

Internationale Stimmen

Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich ebenfalls betroffen. "Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land, der mich wie zahllose Menschen sehr bestürzt", teilte Gauck mit. Ähnlich äußerten sich Frankreichs Präsident Francois Hollande, Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker (alle internatonalen Stimmen hier).

Frankreich erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen auf seinen Weihnachtsmärkten. Der designierte US-Präsident Donald Trump sprach schon von einem "schrecklichen Terrorangriff".

Erinnerungen an Nizza

Die Polizei schaltete ein Portal frei, über das Augenzeugen des möglichen Anschlags in Berlin Fotos und Videos hochladen können. Zuvor hatte die Polizei gebeten, kein Bildmaterial über Soziale Medien zu verbreiten oder es per Twitter an die Behörden zu senden. Auf Handy-Fotos und -Videos könnten Hinweise zu sehen sein, die den Ermittlern bei ihrer Arbeit helfen.

https://twitter.com/PolizeiBerlin_E/status/811000206158417920
PolizeiBerlinEinsatz (@PolizeiBerlin_E

Bei einem Anschlag im Juli in Nizza waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als ein Terrorist mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Für den Anschlag hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernommen.