IS beansprucht Berlin-Anschlag für sich, noch 14 Menschen in Lebensgefahr

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Foto: APA/AFP/JOHN MACDOUGALL Trauerbotschaft unweit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin

Am Montagabend raste ein LKW in einen Berliner Adventmarkt. Zwölf Menschen starben, 48 wurden zum Teil schwer verletzt. kurier.at berichtete live.


Nach dem Anschlag in Berlin gehen Ermittler und Politik von einem terroristischen Hintergrund aus, rätseln aber über Motiv und Täter. Es liegt nun zwar eine Bekennerbotschaft der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), deren Echtheit kann aber noch nicht verifiziert werden. Die Vorgehensweise des Täters und die Tatsache, dass dieser einen Weihnachtsmarkt als Ziel ausgewählt habe, ließen auf ein islamistisches Motiv schließen, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Dabei handle sich aber um keine unumstößliche Annahme.

Verdächtiger freigelassen, Täter offenbar flüchtig

Ein unmittelbar im Anschluss an die Bluttat auf dem Weihnachtsmarkt am Montag festgenommener junger Mann wurde am Dienstagabend wieder freigelassen.  Die bisherigen Ermittlungsergebnisse hätten keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergeben.

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Der Attentäter des Lastwagen-Anschlags vom Montagabend, bei dem zwölf Menschen getötet und 48 zu Teil schwer verletzt wurden, dürfte noch auf der Flucht sein. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte, es sei möglich, dass der gefährliche Täter noch im Raum Berlin unterwegs sei. Man sei "hochalarmiert", sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch.

14 Menschen befanden sich nach Angaben des deutschen Innenministers Thomas de Maiziere noch in Lebensgefahr.

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    Der Schauplatz des Anschlags in Berlin, der Breitscheidplatz, bleibt auch am Mittwoch weiträumig abgeriegelt. Die Polizei begründete diesen Schritt am Dienstagabend mit der andauernden Ermittlungsarbeit des Landeskriminalamtes. Zu der Bluttat vom Montagabend seien inzwischen 508 Hinweise über das dafür bereitstehende Telefon eingegangen, twitterte das Polizeipräsidium in Berlin.

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    Der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer hat den Terrorismus als ein "entsetzliches Phänomen" bezeichnet. Der Terror sei aber nichts, was "auf Dauer die Demokratie und die offene, pluralistischen Gesellschaft" besiegen könne, sagte er im ORF-Report am Dienstagabend. "Der Terrorismus wird verlieren", so der Ex-Präsident.

    Gefragt, ob man sich an den Terror gewöhnen muss, sagte Fischer: "Gewöhnen würde ich nicht akzeptieren, das kann nicht gewöhnbar sein." Es müsse auch irgendwann wieder aufhören, dass Menschen aus Fanatismus heraus ermordet werden.

    Das Ex-Staatsoberhaupt verwies darauf, dass Terrorismus auch geschichtlich gesehen "nie die Oberhand behalten" habe. In Österreich herrsche die Meinung vor, dass man das Phänomen des Terrorismus mit rechtsstaatlichen Mitteln bekämpfen müsse. "Der Terrorismus wird verlieren, er wird eine Episode bleiben".

  • Die Vorgänge um die Entführung des Lkw liegen noch immer im Dunkeln. Spiegel.de berichtete aber über weitere Details, warum der erste Tatverdächtige wieder auf freien Fuß gesetzt worden ist. So seien keine Schmauchspuren am Körper des Festgenommenen gefunden worden, die darauf hätten hinweisen können, dass er den auf dem Beifahrersitz mitgefahrenen polnischen Kraftfahrer getötet haben könnte. Nach Informationen des Spiegel starb der Pole durch einen einzelnen Kopfschuss mit einer kleinkalibrigen Waffe. Der Mann war offenbar schon tot, als der Täter den Lkw auf den Adventmarkt fuhr.

    Diesen Informationen zufolge habe der Attentäter zunächst noch eine Runde um den Markt gedreht. Eine der Hypothesen zum Tathergang ist, dass der Lastwagen einer polnischen Speditionsfirma in Berlin entführt worden ist, und der eigentliche Fahrer von dem Attentäter überwältigt und getötet wurde.

  • Erdogan kondoliert Merkel in Telefonat
    Nach dem Terroranschlag in Berlin hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert und ihr sein Beileid übermittelt. Erdogan habe Merkel ausgerichtet, dass er den Schmerz Deutschlands angesichts des Anschlags teile, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Quellen im Präsidialamt in Ankara. Zuvor hatte bereits das türkische Außenministerium den Anschlag scharf verurteilt und Deutschland Solidarität zugesichert.

  • De Maiziere reagiert mit Besonnenheit auf IS-Botschaft

    Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere hat nach der Inanspruchnahme des Berliner Anschlags durch die Terrormiliz IS auf Besonnenheit gedrungen. "Diese angebliche Bekennung des sogenannten Islamischen Staates - das ist ja in Wahrheit eine Terrorbande - haben wir gerade erst bekommen", sagte der CDU-Politiker am Dienstagabend in der ARD.

    Es gebe Ermittlungsansätze, die würden verfolgt. "Wir sollten die Sicherheitsbehörden ihre Arbeit machen lassen. Die arbeiten mit Hochdruck. Und niemand wird ruhen, bis nicht der Täter oder die Täter gefasst sind", sagte der Minister.

  • Zur Erinnerung: Der IS hatte sich im vergangenen Juli auch zu dem Anschlag in Nizza bekannt, wo ein Tunesier mit einem Lastwagen 86 Menschen tötete. Die Extremisten reklamierten kurz danach auch die Anschläge in einem Zug in Würzburg und bei einem Musikfestival in Ansbach für sich. Auch für die Terrorakte in Paris und Brüssel hatte der IS die Verantwortung übernommen.

  • Echtheit der IS-Bekennerschaft zunächst nicht verifizierbar
    Der Täter sei ein "Soldat des Islamischen Staates" gewesen, meldete das IS-Sprachrohr Amaq am Dienstag im Internet. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet. Auch die Form der Erklärung entspricht früheren Bekenntnissen der Extremisten. Die Operation sei eine Reaktion auf Aufrufe, die Bürger der Staaten der internationalen Koalition anzugreifen.

    Die Sicherheitsbehörden hatte zuvor die Vermutung geäußert, dass der Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt einen islamistischen Hintergrund habe. Die Vorgehensweise des Täters und die Tatsache, dass dieser einen Weihnachtsmarkt als Ziel ausgewählt habe, ließen auf ein islamistisches Motiv schließen, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Dabei handle sich aber um keine unumstößliche Annahme. Man müsse weiter in alle Richtungen ermitteln.

  • Merkel telefonierte mit Staats- und Regierungschefs

    Nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag mit einer Reihe von Staats- und Regierungschefs telefoniert. Wie Merkels Sprecher Steffen Seibert am Abend mitteilte, sprach sie unter anderen mit den Präsidenten Frankreichs und der Türkei, Francois Hollande und Recep Tayyip Erdogan.

    Sie hätten ihr Unterstützung zur Aufklärung der Tat zugesichert und zugleich die Notwendigkeit europäischer Solidarität im Kampf gegen den Terrorismus betont. Merkel habe auch mit den Ministerpräsidenten Italiens, Griechenlands, Spaniens und Schwedens sowie mit der Regierungschefin von Polen gesprochen.

    Nach Angaben des Washingtoner Präsidialamts hatte US-Präsident Barack Obama bereits am Montagabend mit Merkel telefoniert. Auch er bot ihr demnach Unterstützung an.

  • Die Erklärung der Terrormiliz IS beinhalte keinerlei Insider-Informationen oder Angaben zum Täter, berichtet Spiegel.de. Dies deutee eher darauf hin, dass der Anschlag nicht von der IS-Führung im Irak und in Syrien koordiniert wurde.

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