Vermisstes Flugzeug: FBI untersucht Terrorverdacht

Noch immer keine Spur von Flug MH370 - Berichte über Trümmerteile stellten sich als falsch heraus.

Suche nach Wrackteilen der vermissten Boeing. 239 Menschen waren an Bord des Flugzeuges.
  Suche nach Wrackteilen der vermissten Boeing. 239 Menschen waren an Bord des Flugzeuges.

Seit die Boeing 777 der Malaysia Airlines Samstagnacht blitzartig vom Radar verschwand, stellen sich den verzweifelten Angehörigen und den ermittelnden Behörden immer mehr Fragen: Wie konnte die Maschine auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwinden?

A U.S. Navy helicopter lands aboard Destroyer USS … Foto: AP/Chris D. Boardman Die US-Navy hilft bei der Suche nach der Maschine Mehr als 40 Schiffe und 34 Flugzeuge aus mehreren asiatischen Ländern suchen derzeit vor der Küste Vietnams, in Malaysia und der Straße von Malakka nach möglichen Flugzeugresten. Zwei Trümmerteile sollen vor der Küste Vietnam gesichtet worden sein - doch die Berichte haben sich nicht bestätigt.

Rätselhaft erscheint Flugexperten auch die Tatsache, dass der erfahrene Pilot und sein Co-Pilot kein Notsignal aussandten. Ein Pilot einer anderen Boeing 777, der die Route von Flug MH370 kreuzte, hatte eine halbe Stunde vor dessen Verschwinden noch Kontakt: Alles sei unauffällig gewesen, sagte er einem Reporter der Sunday Times.

… Foto: grafik/flugzeugabsturz_malaysia_vietnam.pdf

Besonders auffällig scheint den Ermittlern, darunter auch Terrorexperten vom FBI, dass mindestens vier Personen mit gestohlenen oder gefälschten Pässen an Bord der Maschine waren. Ein Mann hatte mit dem Dokument des Salzburgers Christian K. eingecheckt, das diesem vor zwei Jahren in Thailand gestohlen worden war. Ein zweiter ging mit dem gestohlenen Pass eines Italieners an Bord. Ein dritter Mann checkte mit einem gefälschten chinesischen Pass ein. Der echte Besitzer dieses Passes aber sitzt mitsamt seinem echten Pass daheim und hatte China nie verlassen. Über Details des vierten Mannes gab Interpol bisher nichts bekannt.

Dass es sich um illegale Immigranten handeln könnte, sehen die Ermittler skeptisch. Denn wie Steve Vickers, Chef einer Sicherheitsagentur in Hongkong, gegenüber der New York Times ausführt, sei es so gut wie "ausgeschlossen, dass man mehr als einen Illegalen an Bord eine Maschine findet".

Zudem haben die Inhaber des gestohlenen österreichischen und italienischen Passes offenbar ihre Tickets bei der Fluglinie China Southern gemeinsam besorgt. Ihre Ticketnummern folgten direkt aufeinander: 7842280116099 und 7842280116100. "Die Chance, dass das ein Zufall ist, liegt bei eins zu einer Million", sagte ein Flugsicherheitsexperte zum britischen Telegraph.

Indian sand artist Patnaik applies final touches t Foto: Reuters/STRINGER/INDIA Dieser indische Sandkünstler hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben Zwar wird bei der Suche nach der Absturzursache des Flugzeuges weiterhin in alle Richtungen ermittelt – technische Probleme und Pilotenfehler – doch ein möglicher terroristischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen. 239 Menschen waren an Bord der Maschine, 150 von ihnen chinesische Staatsbürger.

Terrorangst in China

Der Absturz der Maschine trifft China inmitten steigender Terrorängste. Erst vor rund einer Woche hatte eine Gruppe von Extremisten auf dem Bahnhof der südchinesischen Metropole Kuming ein Blutbad angerichtet. Acht Terroristen, darunter zwei Frauen, hatten mit Messern 33 Menschen niedergemetzelt und getötet und mehr als hundert verletzt. Die Führung in Peking machte islamische Extremisten von der Volksgruppe der Uiguren für das Massaker verantwortlich.

Hintergrund

Interpol: Gestohlene Pässe waren registriert

Die beiden gestohlenen Pässe, mit denen Passagiere in die am Wochenende spurlos verschwundene malaysische Passagiermaschine gelangt waren, sind von der internationalen Polizeibehörde Interpol registriert gewesen. Wie Interpol-Generalsekretär Ronald K. Noble am Sonntag erklärte, stehen die Angaben zu den Pässen eines Österreichers und eines Italieners in den Interpol-Datenbanken zur Verfügung.

Keine Behörde habe eine Nutzung dieser Pässe signalisiert, seitdem sie 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden waren. Noble übte unverblümte Kritik an den Sicherheitsbehörden und Fluggesellschaften zahlreicher Länder, die auf einen Datenabgleich bei Interpol verzichten.

Wenn zum Beispiel die Fluggesellschaft Malaysia Airlines für eine Überprüfung der Daten der Insassen des Fluges MH370 gesorgt hätte, "müssten wir jetzt nicht spekulieren, ob die gestohlenen Pässe von Terroristen genutzt wurden", um in das Flugzeug zu gelangen, erklärte Noble. Nach seinen Angaben gibt es bei Interpol 40 Millionen Einträge und 800 Millionen Prüfanfragen pro Jahr, dabei würden 60.000 Treffer erzielt.

Nur die wenigsten Länder gewährleisteten einen umfassenden Datenabgleich, beklagte Noble. Aus den USA kämen pro Jahr 250 Millionen Anfragen, aus Großbritannien 120 Millionen und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten 50 Millionen. Zusammen sind dies mehr als die Hälfte der 800 Millionen Anfragen weltweit.

Entwarnung

Ein Fremder war mit dem Pass eines Österreichers an Bord

Die Meldungen, wonach sich auch ein 30-jähriger Mann aus Salzburg an Bord der Unglücksmaschine befunden hat, haben sich am Samstag zum Glück als Irrtum herausgestellt. Ein Unbekannter hatte mit dem gestohlenen Pass des Österreichers und dessen Identität die Reise angetreten. Ähnliches ist auch einem Italiener widerfahren, dessen Name sich auf der Passagierliste findet – er selbst ist wohlauf.

Das Außenamt in Wien war nach dem Verschwinden des Flugzeuges von den zuständigen Behörden darüber informiert worden, dass mit Christian K. auch ein österreichischer Staatsbürger an Bord der Maschine sein dürfte. Der Name fand sich jedenfalls auf der Passagierliste jener Personen, die tatsächlich eingecheckt hatten. Die Information wurden an die Polizei in Salzburg weitergeleitet, die sofort mit der Familie des 30-Jährigen Kontakt aufnahm. Am Nachmittag konnte Entwarnung gegeben werden. "Wir haben den Mann erreicht. Er ist wohlauf, gesund und in Österreich", sagte der Sprecher des Außenamtes, Martin Weiss. Christian K. war der Pass vor zwei Jahren während eines Thailand-Urlaubes gestohlen worden. Anscheinend hat jemand das Dokument verwendet, um sich eine falsche Identität anzueignen.

Auch ein zunächst an Bord vermuteter Italiener war nicht in der Maschine. "Er lebt zum Glück und ihm geht es gut", sagte eine Sprecherin des italienischen Außenministeriums. Der Mann rief aus Thailand seine Eltern an, auch ihm war der Pass vor einiger Zeit gestohlen worden.

(KURIER) Erstellt am
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