Verzweifelte Angehörige warten auf dem internationalen Flughafen von Peking lange vergeblich auf Nachrichten über den Unglücksflug.

© Reuters/KIM KYUNG-HOON

Kuala Lumpur - Peking
03/08/2014

Flug MH370 spurlos verschwunden: 239 Opfer befürchtet

Rätselraten über Verbleib der Boeing, die vor Vietnam verschwand. Auf Passagierliste stand auch Name eines Österreichers.

Kurz nach Mitternacht Ortszeit war die Boeing 777-200 mit ihren 227 Passagieren und 12 Crew-Mitgliedern an Bord von der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur nach Peking gestartet. Doch dort kam die Maschine nie an.

Suche nach dem Wrack

Ein hochrangiger vietnamesische Generalleutnant erklärte zunächst: "Ich kann bestätigen, dass die Maschine abgestürzt ist, sie gilt nicht als vermisst."

Der chinesische Außenminister gab sich vorsichtiger: "Wir versuchen alles, um den Verbleib des Flugzeugs aufzuklären", so Wang Yi.

Eine vor der Insel Tho Chu gefundene 16 Kilometerlange Ölspur könnte von der Boeing stammen. Flugzeuge und Schiffe aus China, Vietnam, Malaysia, Singapur und den Philippinen begannen sofort mit der Suche nach dem Wrack.

Völlig unklar ist nach wie vor, was an Bord der Maschine passiert ist. Das Flugzeug war in einer Höhe von 10.670 Metern unterwegs, die Wetterlage gut. Einen Notruf hat der erfahrene 53-jährige Pilot nicht abgesetzt – was als Zeichen gewertet wird, dass sich das Schicksal des Flugzeuges so schnell entschied, dass den Piloten keine Zeit mehr zum Reagieren blieb.

Kritik an Malaysian Airlines

Die Informationspolitik von Malaysian Airlines ist in China auf Kritik gestoßen. Obwohl das Flugzeug gegen 2.40 Uhr Pekinger Ortszeit verschwunden sei, habe die Fluggesellschaft die Maschine erst um 7.30 Uhr als vermisst gemeldet, bemängelte der Luftverkehrs-Rechtsexperte Zhang Qihuai.

Internationale Praxis sei, sofort Informationen zu veröffentlichen, wenn der Kontakt abbreche. Verwunderung gab es auch, dass die technischen Geräte an Bord oder die sogenannte Blackbox kein Signal aussendeten. "Es ist ein seltener Fall", sagte ein namentlich nicht genannter Experte laut Nachrichtenagentur Xinhua. Durch die verschiedenen Kommunikationsgeräte an Bord hätte die Maschine eigentlich lokalisiert werden müssen.

Terroranschlag?

Ein möglicher Terroranschlag sei nicht auszuschließen, hieß es dann Samstag Abend von Seiten US-Flugsicherheitsexperten. Denn extrem ungewöhnlich sei, dass zumindest zwei Personen mit falschen Pässen in das Flugzeug eingestiegen seien.

Zwei Drittel der Passagiere im Flugzeug waren chinesische Staatsbürger. Ihre verzweifelten Angehörigen am Flughafen in Peking warteten fünf Stunden lang auf Informationen. "Mein Ehemann war in dem Flugzeug und wir haben eine kleine Tochter zu Hause", sagte eine Frau unter Tränen einem chinesischen Reporter.

Generell gilt die Malaysia Airlines als eine zuverlässige und sichere Airline.

Ein Fremder war mit dem Pass eines Österreichers an Bord

Die Meldungen, wonach sich auch ein 30-jähriger Mann aus Salzburg an Bord der Unglücksmaschine befunden hat, haben sich am Samstag zum Glück als Irrtum herausgestellt. Ein Unbekannter hatte mit dem gestohlenen Pass des Österreichers und dessen Identität die Reise angetreten. Ähnliches ist auch einem Italiener widerfahren, dessen Name sich auf der Passagierliste findet – er selbst ist wohlauf.

Das Außenamt in Wien war nach dem Verschwinden des Flugzeuges von den zuständigen Behörden darüber informiert worden, dass mit Christian K. auch ein österreichischer Staatsbürger an Bord der Maschine sein dürfte. Der Name fand sich jedenfalls auf der Passagierliste jener Personen, die tatsächlich eingecheckt hatten. Die Information wurden an die Polizei in Salzburg weitergeleitet, die sofort mit der Familie des 30-Jährigen Kontakt aufnahm. Am Nachmittag konnte Entwarnung gegeben werden. "Wir haben den Mann erreicht. Er ist wohlauf, gesund und in Österreich", sagte der Sprecher des Außenamtes, Martin Weiss. Christian K. war der Pass vor zwei Jahren während eines Thailand-Urlaubes gestohlen worden. Anscheinend hat jemand das Dokument verwendet, um sich eine falsche Identität anzueignen.

Auch ein zunächst an Bord vermuteter Italiener war nicht in der Maschine. "Er lebt zum Glück und ihm geht es gut", sagte eine Sprecherin des italienischen Außenministeriums. Der Mann rief aus Thailand seine Eltern an, auch ihm war der Pass vor einiger Zeit gestohlen worden.

Boeing 777-200

Die Boeing 777 ist ein amerikanisches Langstreckenflugzeug mit rund 12.000 Kilometern Reichweite. Sie wird von Flugexperten kurz "Triple Seven" genannt. Sie fliegt seit 1995 im kommerziellen Dienst. Boeing lieferte bisher laut eigener Webseite 88 Maschinen vom Typ 777-200 aus. Malaysia Airlines hat nach eigenen Angaben 15 Maschinen dieses Typs im Dienst.

Die Maschine gilt als sehr zuverlässig. Das von einem US-Sicherheitsanalysten gegründete Portal airsafe.com führt nur einen Zwischenfall auf: im Juli 2013 streifte eine Maschine der Asiana Airlines beim Landen in San Francisco eine Mauer und verunglückte. Drei Menschen kamen ums Leben, 304 Menschen überlebten. Eine 777-200 verunglückte bei der Landung in Heathrow im Jänner 2008. Sie verlor das Fahrwerk. Die 152 Menschen an Bord überlebten, aber ein Passagier wurde schwer verletzt. Die Maschine geriet nach der Rettung der Passagiere in Brand.

Die 63 Meter lange Maschine kann in der Bauart bei Malaysia Airlines 282 Passagiere transportieren.

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