Chronik | Welt
18.01.2018

Pornostar spricht über Affäre mit Trump

Stormy Daniels nach Sex mit Trump: "Er sagte mir, ich erinnere ihn an seine Tochter."

"Wenn Ivanka nicht meine Tochter wäre, würde ich vielleicht eine Beziehung mit ihr haben". Der allgemein als anzüglich verstandene Satz, den Donald Trump im März 2006 im US-Fernsehen sagte, klingt am Vorabend seines Ein-Jahr-Amtsjubiläums im Weißen Haus besonders laut nach.

In einem Interview mit dem Magazin InTouch berichtet die bekannte Porno-Darstellerin Stephanie Clifford (alias " Stormy Daniels") detailliert bis zu den Farben seiner Unterhosen (Boxershorts?) über eine sexuelle Beziehung mit dem heutigen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Schlüsselsatz: "Er sagte mir einmal, dass ich jemand bin, mit dem zu rechnen sei, hübsch, klug, genau wie seine Tochter."

Affäre bis 2010

Ein Verweis auf Ivanka Trump, der in US-Medien "Entsetzen" bis "Kopfschütteln" auslöste. Die 36-Jährige, blond wie der Porno-Star, berät gemeinsam mit ihrem Mann Jared Kushner den Präsidenten.

Die Affäre soll – einvernehmlich – 2006 begonnen haben. Kurz nachdem Trumps dritte Ehefrau und heutige First Lady, Melania, Sohn Barron zur Welt gebracht hatte. Bis 2010 habe der Kontakt bestanden. Der Fall blieb jahrelang unter der Decke. Bis vor Kurzem ausgerechnet das sonst Trump-freundliche Wall Street Journal die Sache mit einem bemerkenswerten Schlenker ausgrub. Stormy Daniels soll kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 rund 130.000 Dollar von Trump kassiert haben. Mit dem Schweigegeld sollte sichergestellt werden, dass der Seitensprung nicht an die Öffentlichkeit gerät. Trump stand zu dieser Zeit wegen des berüchtigten "Pussy"-Tonbandmitschnitts enorm unter Druck.

Trumps Anwalt Michael Cohen und das Starlet streiten die in vielen großen US-Medien verbreiteten Schilderungen der 38-jährigen Blondine in schriftlichen Stellungnahmen ab. Tenor: hat nicht stattgefunden, alles erfunden.

Als die Porno-Darstellerin noch nicht zur Verschwiegenheit verpflichtet war, hörte sich das anders an. 2011 zeichnete Stormy Daniels gegenüber InTouch (nach bestandenem Lügendetektortest) das Panorama einer außerehelichen Liaison mit dem Mann, der heute Amerikas Präsident ist:

Trump soll sie bei einem Golf-Turnier in Lake Tahoe/Kalifornien auf sein Zimmer eingeladen haben. Er sei so beeindruckt von ihr gewesen, dass sie ihn fast wie eine "Puppe" hätte dirigieren können. Der Sex mit ihm sei nicht zum Niederknien gewesen. Tenor: Schema F. Beim Akt habe sie gedacht: "Bitte, versuch nicht, mich zu bezahlen." Trump habe ihr eine Rolle in seiner Fernsehshow "The Apprentice" in Aussicht gestellt. Dazu kam es aber nie.

Gleichlautende Aussagen will der Chefredakteur des Online-Magazins Slate, Jacob Weisberg, von der Darstellerin bekommen haben. Demnach hatte der in Porno-Kreisen bekannte Jurist Keith Davidson mit Trumps Anwalt Michael Cohen die Modalitäten für die Schweigegeldzahlung ausgehandelt. Weil Trump aber bis kurz vor der Wahl nicht gezahlt habe, sei das Starlet bereit gewesen, ihre Bettgeschichten mit Journalisten zu teilen. Was geschehen sein muss.

Von Fox News über Daily Beast bis Slate saßen mehrere Medien damals auf der Geschichte. Warum es nicht zur Veröffentlichung kam? "Es war nicht wasserdicht beweisbar", sagte Slate-Chef Weisberg sinngemäß.

Liegen die Dinge heute anders? Noch vor Verbreitung des Interviews mit Stormy Daniels in InTouch ging eine Branchen-Kollegin ins Fernsehen. Alana Evans berichtete NBC, dass sie 2006 zu einem sexuellen Abenteuer mit Trump und Stormy Daniels hinzugebeten worden sei, dies aber abgelehnt habe.

"Fake News Awards"

Trump hat sich bisher nicht persönlich zu Stormy Daniels geäußert. Auch nicht im Rahmen der von ihm verliehenen "Fake News Awards". Dazu hatte Trump auf einer Internetseite der republikanischen Partei Beispiele für die aus seiner Sicht schlechteste Mediendarstellung seiner Präsidentschaft aufgelistet. Den ersten Platz belegte ein Meinungsbeitrag. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hatte in der New York Times nach Trumps Wahlsieg schwere wirtschaftliche Verwerfungen prophezeit. Die Lage sieht, siehe Rekord-Börse, etwas anders aus. Fast alle Beispiele ziehen aus Sicht der Washington Post nicht, weil sich die Urheber kurz nach Veröffentlichung meist korrigierten oder sogar personelle Konsequenzen zogen. Der republikanische Senator Jeff Flake warf Trump vor, im Stile des russischen Diktators Josef Stalin einen Eckpfeiler der amerikanischen Demokratie zu beschädigen. Der Präsident hatte die Medien, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mehrfach als "Feinde des Volkes" bezeichnet.