Papst Franziskus traf auf seiner Mexiko-Reise Präsidenten Enrique Pena Nieto.

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Papst in Mexiko
02/14/2016

Papst Franziskus ermahnt Mexikos Eliten

Auch die Kirche müsse mehr soziales Engagement zeigen.

Der Papst eckt gerne an. Das durften jetzt auch die Regierenden und sogar der Klerus in Mexiko erfahren. Die Menschen scheinen trotzdem - oder gerade deswegen - ihren Papst zu lieben.

Franziskus kritisiert die politische Elite

Zwar gab sich Papst Franziskus beim Auftakt seines mehrtägigen Besuches im Land am Samstag volkstümlich, er posierte mit mexikanischem Hut und betete vor dem Abbild der Jungfrau von Guadalupe, der beliebten dunkelhäutigen Schutzpatronin des Landes. Vor allem tat er aber eins: Er legte sich mit den Mächtigen an. Gleich in seiner ersten öffentlichen Botschaft kurz nach einer Willkommenszeremonie im Präsidentenpalast kritisierte der 79-jährige Argentinier die politische Elite, er geißelte Korruption und Individualismus.

Der Papst redet Klartext

Im Beisein von Staatspräsident Enrique Pena Nieto redete er zudem offen von den Problemen Mexikos, die er auch beim Namen nannte: Drogenhandel, Gewalt, soziale Ausgrenzung. Die Regierenden nahm er in die Pflicht: Wichtig sei, dem Gemeinwohl zu dienen, sagte er. Denn immer wenn es nur Vorteile für nur Wenige gegeben habe, "wird früher oder später das Leben in der Gesellschaft zu einem fruchtbaren Boden für die Korruption, den Rauschgifthandel, die Exklusion verschiedener Kulturen und der Gewalt", sagte er. In vielen Ohren klang das wie eine Beschreibung des heutigen Mexikos.

Das Land ist mit großen Problemen konfrontiert. Seit Jahren tobt ein grausamer Krieg zwischen dem Staat und mehreren Drogenkartellen. Skrupellose Drogenbosse wie der jüngst wieder inhaftierte Joaquin "El Chapo" Guzman nehmen das Land quasi in Geiselhaft. Weite Teile des Staatsapparats gelten als korrupt. Und trotz des guten Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre haben viele der 120 Millionen Mexikaner das Gefühl, dass die Schere zwischen Arm und Reich stets wächst.

Er forderte mehr soziales Engagement von der Kirche

Daran durfte Franziskus auch gedacht haben, als er sich nach seinem Auftritt im Präsidentenpalast eine andere Elite vorknöpfte - die irdischen Vertreter seiner eigenen Kirche in Mexiko. Diese gilt als erzkonservativ, viele kritisieren, dass sich vor allem hohe Würdenträger zu wenig um die sozialen Probleme des Landes kümmerten. Mexiko brauche keine "Fürsten", sondern Botschafter des Herrn, sagte das Oberhaupt der Katholiken während einer Rede vor den mehr als 170 Bischöfen des Landes. Und er mahnte sie direkt zu mehr sozialem Engagement, auch wenn sie dafür Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen müssten. "Wenn Ihr kämpfen müsst, dann kämpft", sagte er.

Neben einem entschlosseneren Engagement im Kampf gegen den Drogenhandel forderte der Papst mehr Achtung für die indigenen Ureinwohner des Landes. "Die Indios Mexikos warten immer noch, dass ihr Beitrag zum Reichtum des Landes anerkannt wird", sagte er. Am Abend widmete Franziskus Teile seiner Predigt schließlich noch den Opfern der Gewalt in Mexiko. "Die Tränen der Leidenden sind nicht umsonst", versicherte er während des Gottesdienstes in der Basilika der Jungfrau von Guadalupe.

Predigt of Hunderttausenden

Papst Franziskus hat während seines Besuchs in Mexiko seinen zweiten Gottesdienst vor Hunderttausenden Gläubigen gefeiert. Die Messe fand am Sonntag unter freiem Himmel in Ecatepec am Rande von Mexiko-Stadt statt. In dem als sozialen Brennpunkt geltenden Ecatepec rief der 79-jährige Argentinier die Menschen auf, Freude und Hoffnung nicht aufzugeben. Er kritisierte in seiner Predigt die Existenz einer "Gesellschaft der Wenigen und für Wenige". Die Gläubigen warnte er vor der Versuchung des Reichtums, der Eitelkeit und des Hochmuts. Mit rund 1,7 Millionen Einwohnern ist Ecatepec nach Mexiko-Stadt der zweitgrößte Ballungsraum im Land.

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