v.l.n.r.: Papst Franziskus, Patriarch Kyrill, Kubas Präsident Raul Castro.

© REUTERS/POOL

Kirchenoberhäupter
02/13/2016

Historisch: Papst Franziskus traf Patriarch Kyrill auf Kuba

Erstes Treffen seit Kirchenspaltung im Jahr 1054. Papst nun bereits in Mexiko.

Nach seinem historischen Gespräch mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. auf Kuba ist Papst Franziskus am Freitag (Ortszeit) zu einem fünftägigen Besuch in Mexiko eingetroffen. Präsident Enrique Pena Nieto empfing das Oberhaupt der Katholiken am Flughafen von Mexiko-Stadt.

Bei der mehrtägigen Reise (bis Mittwoch Ortszeit, Donnerstag MEZ) stehen die Migration sowie die Drogengewalt im Mittelpunkt. Geplant sind unter anderem Besuche in der Grenzregion zu den USA und in einer Unruheprovinz.

Tausende Gläubige säumten die Straßen, um den Weg des Papstmobils mit ihren Handys zu erleuchten, dazu riefen sie: "Franziskus, Bruder des mexikanischen Volkes."

Erste Begegnung seit Spaltung im Jahr 1054

Wenige Stunden zuvor hatte sich Franziskus am Flughafen von Kubas Hauptstadt Havanna zwei Stunden lang mit Kyrill I. getroffen. Es war die erste Begegnung der Oberhäupter der Katholiken und der russischen Orthodoxie seit der Kirchenspaltung im Jahr 1054.

Im Anschluss erklärten beide gemeinsam, sie wollten die Spaltung überwinden. Und sie riefen die Staatengemeinschaft eindringlich auf, die im Mittleren Osten und in Nordafrika verfolgten Christen zu schützen.

"In einer Welt, die von uns nicht nur Worte, sondern auch konkrete Taten erwartet, möge diese Begegnung ein Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens sein." Sie hofften, dass die Begegnung "zur Wiederherstellung dieser von Gott gewollten Einheit, für die Christus gebetet hat, beitragen kann". Die menschliche Zivilisation sei in eine Zeit epochalen Wandels eingetreten."

Die internationale Gemeinschaft müsse angesichts islamistischen Terrors dringend handeln, "um einer weiteren Vertreibung der Christen im Nahen Osten zuvorzukommen". Mit Blick auf die dramatische Lage in Syrien und dem Irak riefen sie die Staatenwelt auf, "sich zu vereinen, um der Gewalt und dem Terrorismus ein Ende zu setzen". Die Flüchtlinge müssten in die Häuser zurückkehren können. Zudem prangerte sie einen "zügellosen Konsum" an, der die Ressourcen des Planeten aufzubrauchen beginne.

"Endlich. Es ist klar, dass das der Wille Gottes ist."

Beim ersten Handschlag hatte Papst Franziskus betont: "Endlich. Es ist klar, dass das der Wille Gottes ist." Beide begrüßten sich mit Wangenküssen. An der Begrüßung nahm auch Kubas Präsident Raul Castro teil. Mit der Begegnung setzten Franziskus und Kyrill in Zeiten von Terror, Krieg und Vertreibung ein kraftvolles ökumenisches Zeichen.

Seit 20 Jahren, schon zu Zeiten von Johannes Paul II., gab es Pläne für so ein Treffen, das nun durch den zufälligen Aufenthalt beider in der Region möglich geworden ist. Franziskus hatte auf dem Flug zu einer mehrtägigen Reise nach Mexiko in Havanna einen Zwischenstopp eingelegt. "Wir haben wie Brüder gesprochen", sagte der 79-jährige Argentinier nach der Begegnung. Beide seien der Meinung, dass man zusammengehen müssen, um die Einheit zu erreichen.

Der russische Patriarch betonte: "Es gab uns die Chance, die Position des Anderen kennenzulernen". Das Treffen komme zur richtigen Zeit. Katholiken und Orthodoxe gehen seit der Kirchenspaltung (Schisma) aus dem Jahr 1054 getrennte Wege. Damals exkommunizierten sich die Oberhäupter der Ostkirche in Byzanz (heute Istanbul) und der Westkirche in Rom gegenseitig. Folge war die Eigenständigkeit der orthodoxen Kirchen. Nach Katholiken und Protestanten stellen die Orthodoxen heute die drittgrößte Gruppe innerhalb des Christentums.

Orthodox

Die "orthodoxe Welt" ist in 14 Kirchen zersplittert. Die größte ist der russisch-orthodoxe Zweig mit rund 150 Millionen Gläubigen. Der katholische Kirche gehören rund eine Milliarde Menschen an. In den vergangenen Jahrzehnten trafen Franziskus und seine Vorgänger zwar andere orthodoxe Patriarchen, aber bisher nicht den russischen.

Kyrill (69) gilt als Freund der Ökumene, aber auch als Verfechter traditioneller Familienwerte und Gegner von Homosexuellenrechten. Er pflegt engen Kontakt zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Kremlchef bindet die orthodoxe Kirche als Machtstütze aktiv in seine Politik ein. Kritiker sprechen von einer "unheiligen Allianz" von Staat und Kirche - mit Blick auf den Ukraine-Konflikt bekannten sich Kyrill und Franziskus dazu, dass die Konfliktparteien einen Frieden aufbauen sollen.

"Wir bedauern die Auseinandersetzung in der Ukraine, die bereits viele Opfer gefordert, unzählige Verwundungen bei den friedlichen Einwohnern verursacht und die Gesellschaft in eine schwere wirtschaftliche und humanitäre Krise geworfen hat."

Weitere Stationen seiner Reise

Auf Franziskus' Programm in Mexiko stehen unter anderem Besuche in Städten, die vom Drogenhandel geprägt sind, darunter Ciudad Juarez an der Grenze zu den USA. Mexiko hat nach Brasilien die zweitgrößte katholische Gemeinde der Welt.

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