Im polnischen Wroclaw wütete Xaver ebenfalls - drei Menschen starben.

© APA/EPA/MACIEJ KULCZYNSKI

Orkan "Xaver": Bereits zehn Todesopfer
12/06/2013

Orkan "Xaver": Bereits zehn Todesopfer

Norddeutschland kam mit einem blauen Auge davon. Der Sturm kostete europaweit zehn Menschen das Leben.

Der Orkan "Xaver" ist mit Ausdauer über das nördliche Europa hinweggefegt, Sturmfluten peitschten auf die Nordseeküste, Flug- und Zugverkehr waren vielerorts gestört, Bäume knickten um, Dächer wurden abgedeckt. Hunderttausende waren ohne Strom. Mindestens zehn Menschen kamen ums Leben.

In Österreich war die Westautobahn (A1) am Freitagnachmittag im Seegebiet im Bezirk Vöcklabruck in Oberösterreich gesperrt worden, nachdem sich mehrere Karambolagen im dichten Schneetreiben ereignet hatten (mehr dazu hier).

In Polen starben drei Menschen, als ein Baum auf ihr Auto fiel. Für zwei Seemänner, die am Donnerstagmorgen vor der schwedischen Küste über Bord gegangen waren, gab es keine Hoffnung mehr. Die Suche wurde aufgegeben. In Südschweden wurde ein Jäger von einem umstürzenden Baum erschlagen, und in Mora in Mittelschweden wurde eine ältere Frau tot im Schnee gefunden.

Land unter: Erinnerungen an 1962

People in a rowboat pass the flooded landmark fish

A pedestrian takes a photo of the flooded landmark

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A souvenir shop is pictured near the flooded landm

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In Großbritannien und Skandinavien hatte es bereits am Donnerstag drei Tote gegeben. In Nord- und Mitteleuropa waren zeitweise Hunderttausende Haushalte ohne Strom, die meisten in Polen.

Hamburg erlebte am Freitagmorgen die zweithöchste Flut seit Beginn der Aufzeichnungen 1825. Der Scheitel der Sturmflut erreichte Hamburg gegen 6.15 Uhr mit einem Wasserstand von 3,98 Meter über dem Mittleren Hochwasser. Bei der verheerenden Flut 1962 hatte der Wasserstand in Hamburg einen ähnlichen Wert. Damals waren die Deiche aber noch deutlich niedriger und weniger stabil. Nur die Flut von 1976 war noch höher ausgefallen.

"Xaver" hinterliess auch auf der deutschen Nordseeinsel Sylt größere Schäden, wo Windgeschwindigkeiten von bis zu 148 Kilometern pro Stunde registriert worden waren. Die Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste waren vom Festland vorübergehend nicht mehr zu erreichen. In Großbritanniens Küstenregionen verbrachten Hunderte die Nacht zum Freitag in Schulen und anderen Notunterkünften.

Flighttrader

Millionen Menschen in Deutschland erlebten einen Wintereinbruch. Es gab Schnee und Tausende Unfälle. Am Freitagmittag war laut Deutschem Wettedienst "das Schlimmste überstanden". Die Auswirkungen blieben geringer als bei Orkan "Christian" vor etwa sechs Wochen. Für das Wochenende gab es zudem Entwarnung: Es soll ruhiger und wärmer werden.

Genaue Schätzungen zu Schäden waren zunächst unmöglich. Dafür sei es noch viel zu früh, sagte ein Sprecher des weltgrößten Rückversicherers Munich Re in München.

Bahnverkehr brach zusammen

Der Orkan traf auch den Bahnverkehr hart. Der Fernverkehr nördlich von Hamburg wurde am Freitag eingestellt und der Regionalverkehr war stark eingeschränkt. Am Morgen waren auch die IC- und ICE-Strecken Hamburg-Hannover und Berlin-Hamburg mehrere Stunden gesperrt, weil Bäume umgeknickt auf Schienen lagen.

In Dänemark rollten am Freitagmorgen die ersten Züge wieder aus den Bahnhöfen. Am Donnerstag war der Zugverkehr eingestellt worden.

Die Beaufort-Skala

Orkan "Xaver": Ein Toter nach Busunfall in Salzburg

Die Ausläufer des Orkans Xaver haben in der Nacht auf Freitag auch in Teilen Österreichs heftig gewütet. Bei einem schweren Verkehrsunfall in Maishofen im Salzburger Pinzgau ist Freitag früh ein Lkw-Lenker ums Leben gekommen. Laut einer Sprecherin der Polizei dürfte kurz vor 8.00 Uhr ein Reisebus von einer starken Windböe von Ausläufern des Orkans auf die Gegenfahrbahn gedrückt worden sein. Das Fahrzeug stieß dort frontal mit einem entgegenkommenden Lastwagen zusammen.

Ein zweiter Lkw konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr auf den ersten Lastwagen auf. Der bis auf den Lenker unbesetzte Reisebus kam vor der Straße ab, ein Lkw kippe über die Böschung und kam auf der Seite zu liegen. Bei dem Unfall zog sich ein Lkw-Lenker tödliche Verletzungen zu, ein Mann wurde schwer, einer leicht verletzt. Die Bundesstraße B311 musste für die Bergung der Fahrzeuge gesperrt werden.

Sturmschäden

Abseits davon sind im Landesfeuerwehrkommando Salzburg von Donnerstag auf Freitag gerade einmal fünf Einsätze verzeichnet worden, vier davon betrafen Bäume, die über Straßen gefallen waren. Auf den Bergen wurden Sturmböen mit bis zu 152 km/h verzeichnet.

Die heftigsten Sturmböen wurden in der Nacht mit genannten 152 Stundenkilometern auf dem Sonnblick gemessen. In den Niederungen betrug die höchste Spitze 81 km/h, registriert in Mattsee im Flachgau, schilderte Josef Haslhofer von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Salzburg.

Der Flachgau war auch der Bezirk, aus dem hauptsächlich die Schadensmeldungen kamen. In Obertrum, St. Georgen, Nußdorf und Oberalm (Tennengau) waren Bäume auf die Fahrbahn gestürzt, in Nußdorf musste die Feuerwehr außerdem ein Fahrzeug bergen, sagte ein Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos. Und in Hallwang war der Mast einer Stromleitung geknickt.

Laut Haslhofer ist die heftigste Phase des Sturms bereits vorbei. Im Flachgau seien aber auch bis in die kommende Nacht hinein Sturmspitzen mit bis zu 80 km/h möglich, morgen noch bis 70 Stundenkilometer, auf den Bergen sollten sie auch nicht mehr über 90 km/h erreichen.

Lawinengefahr in OÖ

Rund 600 Feuerwehrleute waren wegen "Xaver" auch in Oberösterreich im Einsatz. Sie hatten vor allem mit umgestürzten Bäumen und Plakatwänden zu tun. Hauptbetroffen waren die Bezirke Wels-Land, Linz-Land, Ried im Innkreis und Vöcklabruck. Es sei alles "im Rahmen geblieben", so das Landesfeuerwehrkommando. Verletzte gab es nach ersten Informationen nicht.

Für Freitag wurden stürmischer Wind aus West bis Nordwest mit Böen von bis zu 110 km/h sowie Schnee- und Graupelschauer prognostiziert. Die Lawinengefahr stufte der Warndienst des Landes Oberösterreich als erheblich ein. Es hätten sich frische störanfällige Triebschneeablagerungen gebildet, die im Tagesverlauf an Größe und Umfang zunehmen würden, so die Experten. Eine Auslösung von Schneebrettlawinen sei bereits bei geringer Zusatzbelastung möglich. Auch die Gefahr von Selbstauslösungen nehme zu.

Straßensperren in NÖ

Zu zahlreichen Einsätzen mussten auch die Feuerwehren in Niederösterreich ausrücken. Schäden wurden hingegen keine gemeldet. Jedoch seien Bäume umgestürzt und hätten Straßen blockiert, sagte Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos. Die Alarmbereitschaft bleibe aufrecht. Vor allem im nördlichen Waldviertel seien Böen mit 80 bis 90 km/h über das Land gezogen, so Resperger. Etwa 30 Bäume seien umgestürzt. Straßen seien vorübergehend gesperrt gewesen.

In Absdorf oder auch am Riederberg im Wienerwald (beides Bezirk Tulln) mussten die Einsatzkräfte abgebrochene Äste oder Bäume von den Straßen entfernen. Auch im Verkehr kam es zu Behinderungen: So mussten etwa die B5 bei Waidhofen an der Thaya sowie die B34 in Zitternberg (Bezirk Horn) vorübergehend gesperrt werden. Probleme meldet auch die ÖBB, etwa auf der Franz-Josefs-Bahn oder zwischen Amstetten und Ulmerfeld-Hausmening. Ursache waren meist Äste, die auf die Oberleitung fielen. Auch zwischen St. Valentin und Reifling sind momentan keine Fahrten möglich. Aktuelle ÖBB-Streckeninformation

In Wien fiel durch den starken Wind eine Scheibe des Einkaufszentrums La Stafa auf eine Haltestelle. Die Folge waren lang anhaltende Verkehrsbehinderungen. Mehr dazu unter Fensterscheibe fällt auf der "Mahü" herunter

Hier geht es zum aktuellen KURIER-Wetter.

Wind mit zerstörerischer Kraft

Von einem Orkan sprechen Meteorologen, wenn der Wind mindestens zehn Minuten lang mit einer Geschwindigkeit von 118 Kilometern pro Stunde oder mehr weht. Auf der von dem britischen Admiral Sir Francis Beaufort (1774-1857) entwickelten Skala erreicht er die höchste Windstärke Zwölf.

Bei einem Orkan drohen schwere Verwüstungen. An Küsten wirbelt der Wind enorme Wassermassen auf, die in Brechern einen Druck von mehreren Tonnen pro Quadratmeter verursachen. Der zerstörerische Wind kann Dächer abdecken sowie Bäume und Strommasten knicken. Die meisten Verletzten und Todesopfer sind bei einem Orkan durch herabfallende Trümmer oder umherfliegende Gegenstände zu beklagen.

Im Herbst und Winter können Orkane über dem Nordatlantik entstehen und mit dem Westwind nach Europa ziehen. Wegen des noch warmen Wassers im Ozean steht der polaren Kaltluft nur wenig weiter südlich milde Meeresluft entgegen. Durch den Gegensatz der Temperaturen entstehen in der oberen Atmosphäre extrem starke Winde, die die Entstehung von Orkanen begünstigen.

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