Noch mehr Waffen in den USA verkauft

USA GUN CONTROL
Foto: APA/ERIK S. LESSER

Nach dem Schulmassaker in Connecticut stieg die Zahl der Waffenkäufe rapide an.

Nach dem Massaker an einer Schule in Connecticut sind die Schusswaffenkäufe in den USA rapide angestiegen. Neuen Daten des FBI zufolge sind im Dezember knapp 2,8 Millionen gesetzlich vorgeschriebene Zulassungsprüfungen ("background checks") vorgenommen worden – ein Anstieg von 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und ein Rekord.

Die Prüfung durch den FBI ist seit 1998 landesweit eine Voraussetzungen dafür, bei einem Händler eine Schusswaffe kaufen zu dürfen. Die Zahl der Waffenverkäufe selbst wird in den USA nicht erfasst. Insgesamt wurden 2012 19,6 Millionen Prüfungen vorgenommen – ebenfalls ein Rekord und eine Zunahme von 19 Prozent im Vergleich zu 2011.

Die Vereinigten Staaten sind Spitzenreiter beim globalen Waffenhandel. Im Jahr 2011 haben die USA die Rekordsumme von 66,3 Milliarden Dollar mit Rüstungsexporten umgesetzt. Das geht aus einem Bericht des unparteiischen Congressional Research Service für den US-Kongress hervor, der der New York Times vorliegt. Im Jahr 2010 waren es "nur" 21,4 Mrd. Dollar (17,1 Mrd. Euro). Der Umsatz konnte somit binnen einem Jahr verdreifacht werden. Den bisherigen Höchstwert erreichten die Vereinigten Staaten mit beinahe 31 Mrd. Dollar im Jahr 2009. Weltweit wurden 2011 rund 85,3 Mrd. Dollar mit Rüstungsgeschäften umgesetzt – drei Viertel aller Waffenlieferungen stammen somit aus den USA. Zweitgrößter Exporteur mit einem Gesamtwert von 4,8 Mrd. Dollar im Jahr 2011 war Russland. Der explosionsartige Anstieg der US-Exporte von einem Jahr aufs andere ist vor allem auf intensive Geschäfte mit den Nahen Osten zurückzuführen. Als Gründe gelten wachsende Spannungen der Länder am Persischen Golf mit dem Iran.(Bild: US Air Force Thunderbirds F16.) Allein Saudi-Arabien hat mit den USA Rüstungsgeschäfte im Wert von 33,4 Mrd. Dollar abgeschlossen haben, weist der Bericht aus.(Bild: AEGIS Kampfsystem an Bord des US-Lenkwaffenkreuzers USS Monterey.) Bestellt wurden unter anderem 84 neue F-15 Kampfjets sowie Upgrades für 70 F-15 der bestehenden Flotte. Zusätzlich wurden 2011 Dutzende neuer Kampfhubschrauber vom Typ Apache und Black Hawk an die Regierung in Riad geliefert. Außerdem ist die Lieferung von verschiedenen Raketentypen sowie Radarsystemen vorgesehen.(Bild: Black Hawk Hubschrauber.) Andrew Shapiro, Staatssekretär für politische und militärische Angelegenheiten, sagte Ende 2010, die Lieferung an Saudi-Arabien werde "eine deutliche Botschaft an die Länder der Region senden, dass wir (die USA, Anm.) gewillt sind, die Sicherheit unserer wichtigsten Verbündeten am Arabischen Golf und in der weiteren Region des Nahen Osten zu unterstützen." Die USA verfolgen das strategische Ziel, arabische Verbündeten mit einem Raketenabwehrsystem auszustatten – nicht zuletzt um Städte, militärische Einrichtungen und Ölraffinerien wie –felder vor iranischen Angriffen zu schützen.(Bild: Ölraffinerie in Dhahran, Saudi Arabien.) So kauften die Vereinigten Arabischen Emirate einen Raketenabwehrschirm im Wert von rund 3,49 Mrd. US-Dollar…(Bild: Flugabwehrraketensystem Patriot, US-Version.) …und 16 Chinook-Hubschrauber im Wert von rund etwa 939 Mio. Das Sultanat Oman orderte 18 Kampfjets vom Typ F-16 im Wert von 1,4 Mrd. Dollar.Der New York Times-Artikel zum Nachlesen.

Debatte wieder entfacht

Der 20-jährige Adam Lanza hatte am 14. Dezember zunächst seine Mutter erschossen und war dann in die Sandy-Hook-Grundschule in dem kleinen Städtchen Newtown im US-Staat Connecticut gegangen, wo er in einem der schlimmsten Schul-Massaker in der US-Geschichte 20 Kinder und sechs Erwachsene tötete, bevor er Selbstmord beging.

Der Amoklauf hatte in den USA erneut eine heftige Debatte über die Waffengesetze ausgelöst. US-Präsident Barack Obama, der den 14. Dezember als den schwärzesten Tag seiner Amtszeit bezeichnete, kündigte zum Jahresende erneut an, sich für eine Verschärfung der Waffengesetze einzusetzen.

Kinder in neuer Schule

Die überlebenden Kinder und Lehrer des Massakers von Newtown haben indessen ihre neue Schule besichtigt. Sie werden bis auf weiteres an der Chalk Hill Middle School im rund 15 Kilometer von Newtown entfernten Städtchen Monroe unterrichtet. Das Gebäude ist der alten Schule nachempfunden wurde.  Nach Angaben des US-Fernsehsender ABC erinnerten selbst die Bilder und die Malkreiden in dem neuen Gebäude an die Sandy-Hook-Schule. In einer Botschaft an die Eltern versicherte Donna Page, die Nachfolgerin der getöteten Direktorin Dawn Hochsprung, die neue Schule sei "sicher". Sie erlaubte es den Eltern, den ersten Schultag bei ihren Kindern zu bleiben, von denen viele Zeugen des Blutbads waren.

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt. In rund 42 Millionen Haushalten finden sich Waffen, zumeist Gewehre. In den USA werden jährlich etwa 350.000 Verbrechen mit Schusswaffen begangen, mehr als 11.000 Menschen werden dabei getötet. Der Oberste Gerichtshof sprach im Juni 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die höchsten Richter erklärten ein Gesetz im Stadtbezirk Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. Sie entschieden, dass jeder Bürger ein Recht darauf habe zu jagen und sich selbst zu verteidigen. Das Urteil wurde als Sieg für die mächtige Organisation der US-Waffenbesitzer (NRA) gewertet, die im Waffenbesitz stets ein verbürgtes Freiheitsrecht gesehen hatte. Während die Waffenlobby auf das verfassungsmäßige Recht aller Amerikaner auf den Besitz von Schusswaffen zum eigenen Schutz pocht, sehen die Gegner darin eine Gefahr und einen Zusammenhang mit der hohen Gewaltkriminalität. Rund 250 Millionen der weltweit 650 Millionen Schusswaffen in privater Hand befinden sich im Besitz von US-Bürgern, mittlerweile verfügt jeder vierte über mindestens eine Waffe. Die Befürworter bestreiten das. So sei etwa in Texas die Mordrate um ein Vielfaches höher als in Vermont, obwohl in beiden Staaten jeder dritte Bürger bewaffnet ist. Auch sei in vielen Großstädten mit hoher Kriminalität der Verkauf von Schusswaffen seit jeher verboten. Das Waffenrecht ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Entwickelt hat sich ein Durcheinander von mehr als 20.000 nationalen, einzelstaatlichen und kommunalen Vorschriften. Das "Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen" wurde vor mehr als 200 Jahren im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Seit den 1930er Jahren wurden Regulierungen mit der Interpretation begründet, die Verfassung erlaube nur Bürgerwehren und Streitkräften, Waffen zu besitzen.

(apa, dpa / aho ) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?