Zeitung nennt Namen von Waffenbesitzern

USA FEATURE PACKAGE GUN CULTURE
Foto: APA/JIM LO SCALZO

33.000 Namen und Adressen hat eine Lokalzeitung ins Netz gestellt – dafür hagelt es Kritik.

Der Waffenbesitzer von nebenan" - unter diesem Titel hat die Lokalzeitung The Journal News die Namen tausender Waffenscheinbesitzer in den Verwaltungsbezirken Westchester und Rockland im Bundestaat New York veröffentlicht und damit in den USA hitzige Debatten ausgelöst. Eine Reaktion auf den Amoklauf in der Kleinstadt Newtown – mit den Namen wurde auch eine Karte mit Adressen von den etwa 33.000 Waffenscheinbesitzern ins Netz gestellt.

waffenbesitzer.jpg Foto: Screenshot www.lohud.com Im Internet überschlagen sich seither die negativen Reaktionen. Obwohl die Zeitung betonte, die Informationen würden schließlich von den lokalen Behörden stammen - Grundlage der Anfrage war das US-Gesetz zur Informationsfreiheit gewesen -, werden die Verantwortlichen von vielen Seiten dafür kritisiert. Sowohl in den Kommentaren auf der Website der Zeitung als auch in anderen Foren werden die Journalisten als "verantwortungslos" bezeichnet.

Sicherheits-Bedenken

So auch die Reaktion der mittelbar Betroffenen: Hunderte besorgter Bürger haben bereits bei der Zeitung angerufen - sie monieren einen Eingriff in ihre Privatsphäre und fürchten zugleich um ihre Sicherheit. Man lasse Waffenbesitzer dastehen wie Pädophile, lautet der Tenor einiger Postings – andere Nutzer etwa beklagten, sie würden lieber wissen wollen, wo die unregistrierten Waffen zu finden seien. Deren Besitzer seien nämlich potentiell gefährlicher. Eine Nutzerin etwa meinte außerdem, die Zeitung habe so Kriminellen mitgeteilt, in welchen Häusern sie keine Waffen befürchten müssten.

Ein Blogger veröffentlichte als Reaktion sogar Adressen von Zeitungsmitarbeitern. Die Herausgeberin von Journal News, CynDee Royle, verteidigte die Veröffentlichung: "Die Menschen wollen wissen, wie viele Waffen es in ihrer Nachbarschaft gibt."

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt. In rund 42 Millionen Haushalten finden sich Waffen, zumeist Gewehre. In den USA werden jährlich etwa 350.000 Verbrechen mit Schusswaffen begangen, mehr als 11.000 Menschen werden dabei getötet. Der Oberste Gerichtshof sprach im Juni 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die höchsten Richter erklärten ein Gesetz im Stadtbezirk Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. Sie entschieden, dass jeder Bürger ein Recht darauf habe zu jagen und sich selbst zu verteidigen. Das Urteil wurde als Sieg für die mächtige Organisation der US-Waffenbesitzer (NRA) gewertet, die im Waffenbesitz stets ein verbürgtes Freiheitsrecht gesehen hatte. Während die Waffenlobby auf das verfassungsmäßige Recht aller Amerikaner auf den Besitz von Schusswaffen zum eigenen Schutz pocht, sehen die Gegner darin eine Gefahr und einen Zusammenhang mit der hohen Gewaltkriminalität. Rund 250 Millionen der weltweit 650 Millionen Schusswaffen in privater Hand befinden sich im Besitz von US-Bürgern, mittlerweile verfügt jeder vierte über mindestens eine Waffe. Die Befürworter bestreiten das. So sei etwa in Texas die Mordrate um ein Vielfaches höher als in Vermont, obwohl in beiden Staaten jeder dritte Bürger bewaffnet ist. Auch sei in vielen Großstädten mit hoher Kriminalität der Verkauf von Schusswaffen seit jeher verboten. Das Waffenrecht ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Entwickelt hat sich ein Durcheinander von mehr als 20.000 nationalen, einzelstaatlichen und kommunalen Vorschriften. Das "Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen" wurde vor mehr als 200 Jahren im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Seit den 1930er Jahren wurden Regulierungen mit der Interpretation begründet, die Verfassung erlaube nur Bürgerwehren und Streitkräften, Waffen zu besitzen.

Bilder

USA: Waffennarren unter sich

Waffen haben in den USA einen anderen Stellenwert als in Europa: Eine Bilderschau der Schieß-Treffen der Waffennarren.

USA FEATURE PACKAGE GUN CULTURE
Foto: EPA

Waffen sind nicht böse", sagt Kenny Sumner. "Sie sind nur dann böse, wenn sie in die Hände der falschen Leute geraten." Sumner ist Manager des Knob Creek Gun Range, eines Waffen- und Schießtreffens ins Kentucky, das alljährlich im Herbst veranstaltet wird. Bis zu 17.000 Waffenliebhaber hat das Gun Range in diesem Jahr angezogen, aus den ganzen Vereinigten Staaten sind die Menschen dafür angereist.

Zeitgleich lädt man in Arizona zum "Big Sandy Machine Gun Shoot" - das selbe Setting, nur auf der anderen Seite der USA. Beide Treffen rühmen sich, die jeweils größten in den Staaten zu sein; beide Treffen haben den selben Hintergrund: Sie geben Waffenenthusiasten die Möglichkeit, mit Gerät zu hantieren, das normalerweise nur schwerlich in ihre Hände gelangen kann. Mit automatischen Waffen etwa oder Gewehren, die bereits beim Antiquitätenhändler im Schaufenster stehen.

Beim Knob Creek Shoot mischt sich dementsprechend ein buntes Volk. Sportschützen, Waffenverkäufer und Tea-Party-Aktivisten sind dort anzutreffen. Die Besucher sind mehrheitlich weiß, doppelt so viele Männer wie Frauen sind dabei. Auch militärische Insignien sieht man dort, aber auch Halblegales – wie Hakenkreuze oder Nazi-Devotionalien.

Cody Miller fires a machine gun with assistance from a range worker at Knob Creek Gun Range in West Point Foto: REUTERS Um mitzumachen, muss man zehn Dollar zahlen, Kinder unter zwölf kommen zum Halbpreis rein. Auch die Kleinen dürfen sich an den vorhandenen Waffen ausprobieren: Cody Miller aus Cincinatti etwa, der sich – um die Zielscheibe überhaupt sehen zu können – auf eine leere Munitionsschachtel stellen muss (Foto). Er darf dann aus einer sowjetischen PKS feuern.

Sein Vater fotografiert die Schuss-Szene. Dies sei keine große Sache, erklären Vater und Sohn – es sei Codys zweites Mal heuer.

Wikieup, Arizona, ist im Herbst Treffpunkt der Waffenliebhaber. Zweimal jährlich versammeln sich dort Waffenenthusiasten aus den ganzen Vereinigten Staaten. Camper lassen sich einige Tage dort nieder, um an dem Schieß-Treffen teilzunehmen. Maschinengewehre, Pistolen und vollautomatische Waffen - all das steht hoch im Kurs. Auch die Ziele, die anvisiert werden können, sind kreativ - Osama Bin Laden ist ein äußerst populäres. Nicht nur Klassisches sieht man dort, auch Panzer kommen zum Einsatz. Hier ein Hell Cat aus privatem Besitz. Alt und Jung gemeinsam: Auch Kinder unter 12 - hier ein Zehnjähriger - dürfen schießen. Und zwar zum Halbpreis. Modifizierte Fahrzeuge werden ebenso gezeigt. 50 Schuss pro Sekunden schafft diese Waffe hier beispielsweise. Fotografen sind beim Waffen-Treffen ebenso willkommen wie... ... ganz normale Schaulustige. Die Kulisse ist schaurig beeindruckend. Durch das Abfeuern der Waffen entstehen geradewegs Feuerwände. Auch beim Knob Creek in West Point, Kentucky, widmet man sich dem Abfeuern diverser Waffen. Beide Veranstaltungen zählen zu den größten derartigen Treffen in den USA. Schießstände reihen sich dort aneinander... ... und die Besucherzahlen gehen in die Tausende. Besonders begehrt sind antike Waffen und jenes Gerät, das ansonsten nur mit Ausnahmegenehmigung zu bekommen ist. Derartige Waffen darf man sich dort - legal - ausleihen. Für 150 Dollar kann man durchaus eine ganze Reihe an Patronen abfeuern, wie hier auf dem Bild gezeigt. Aussteller zeigen zum Teil Kriegsgerät... ... und auch Verbotenes fördern derartige Treffen zutage. Wer zu klein ist, um die Zielscheibe zu erreichen, dem wird geholfen - mit leeren Holzschachteln. Und wer ein Boot in die Luft gehen lassen will, der kann dies bei den Treffen auch tun. Zum Abschluss: die verbrannten Reste der Veranstaltung.
(apa/dpa/KURIER / ep) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?