Kinobetreiber luden Angehörige zur Wiedereröffnung

A moviegoer takes a snapshot of an advertising banner in front of a movie cinema before the German preview of the new Batman mov… © Bild: AP/Gero Breloer

Die Hinterbliebenen sind über die geschmacklose Veranstaltung entsetzt - für sie ein "Publicity Trick".

Nach dem Massaker in einem Kino in Aurora im US-Bundesstaat Colorado hat die Betreiberfirma die Angehörigen der Opfer zur Wiedereröffnung des Kinos eingeladen – zu einem „besonderen Abend der Erinnerung“. Die Hinterbliebenen sind entrüstet – für sie ist das ein ganz übler „Publicity-Trick“.

Bei der Kinopremiere des neuen „Batman“-Films im Juli 2012 hatte ein 24-Jähriger zwölf Menschen erschossen. Fast 60 Personen wurden verletzt.

"Lächerlich beleidigend"

Die Einladung sei geradezu "lächerlich beleidigend", eine Gruppe von Angehörigen ruft deshalb zu einem Boykott der Veranstaltung auf - das berichtet abcNews online. Auch der Zeitpunkt sei "furchtbar unpassend" gewesen. „Während der Weihnachtsfeiertage hätten wir nicht gedacht, dass irgendetwas unseren Schmerz noch vergrößern hätte könnte,“ schrieb die Gruppe an die verantwortliche Kinokette Cinemark.

Die Einladung wurde per eMail versendet. „Soweit es mich betrifft, ist das so, als würde man zurück in ein Schlachthaus gehen,“ sagte Sandy Phillips zur Denver Post. Ihre 24-jährige Tochter war eines der Opfer von Aurora.

Cinemark hätte sich außerdem noch nie an sie gewandt, ihnen nie ihr Bedauern ausgedrückt. Jetzt mit einem Gratis-Kinobesuch plus Begleitung zu locken sei „entsetzlich“ – ein „abscheuliches Angebot". In dem Brief an die Kette ruft die Gruppe dehalb dazu auf, das Kino bzw. diesen „besonderen Abend“ zu boykottieren.

Fünf Millionen für die Hinterbliebenen

Die Angehörigen erhielten im November mehr als fünf Millionen Dollar. Das Geld stamme laut Denver Post aus privaten Spenden. Die Hinterbliebenen bekamen jeweils 220.000 Dollar (172.616,71 Euro). Dieselbe Summe gehe an fünf Menschen, die dauerhafte Hirnschäden erlitten hätten oder seit der Tat gelähmt seien. Fast drei Dutzend andere Verletzte, die teilweise mehrere Wochen in Kliniken behandelt wurden, können ebenfalls mit Hilfszahlungen rechnen.

Gegen den mutmaßlichen Todesschützen James Holmes läuft gerade ein Gerichtsverfahren wegen vielfachen Morges, bei einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe. Laut seinen Anwälten sei er psychisch krank. Während der ersten Anhörungen wirkte der Student der Neurowissenschaften verwirrt und geistesabwesend. Seit seiner Festnahme sitzt er in Einzelhaft.

Erstellt am 03.01.2013