Chronik | Welt
02.05.2017

Extrem seltener Albino-Orang-Utan auf Borneo gerettet

Dorfbewohner hatten den weißhaarigen Menschenaffen gefangen und in einen Käfig gesperrt. Bilder des Menschenaffen zeigten getrocknetes Blut an seiner Nase.

Weißes Fell und blaue Augen: Im indonesischen Teil von Borneo haben die Behörden eine höchst ungewöhnliche Entdeckung gemacht. In einem entlegenen Dorf fanden sie einen in einen Käfig gesperrten Albino-Orang-Utan, wie die Oganisation Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) am Dienstag mitteilte. Der etwa fünf Jahre alte Menschenaffe, vermutlich ein Weibchen, kam in die Obhut der Tierschützer.

"Orang-Utans sind selten, ein Albino-Orang-Utan ist sogar noch seltener", sagte BOSF-Sprecher Nico Hermanu. "Seit die BOSF vor 25 Jahren gegründet wurde, haben wir noch nie einen Albino-Orang-Utan in unserem Rehabilitationszentrum aufgenommen." Gegenwärtig leben in der Rettungsstation in Nyaru Menteng fast 500 Orang-Utans.

Den Dorfbewohnern zufolge wurde das Tier am vergangenen Donnerstag gefangen. Die Behörden befreiten es zwei Tage später. Bilder des Menschenaffen zeigten getrocknetes Blut an seiner Nase. Den Tierschützern zufolge könnte das Orang-Utan-Weibchen versucht haben, sich gegen die Dorfbewohner zu wehren und dabei verletzt worden sein.

Nur noch 100.000 Orang-Utans vermutet

Auf der Insel Borneo, die zwischen Malaysia, Brunei und Indonesien aufgeteilt ist, werden gegenwärtig nur noch 100.000 Orang-Utans vermutet, 1973 waren es noch knapp 290.000. Der Internationalen Naturschutz-Union (IUCN) zufolge könnte der Bestand bis zum Jahr 2025 auf nur noch 47.000 Tiere schrumpfen.

Bedroht werden die Menschenaffen vor allem durch das dramatische Schwinden ihres Lebensraumes, nicht zuletzt wegen der rasanten Ausbreitung von Palmölplantagen. Zudem werden die Menschenaffen von Dorfbewohnern getötet oder von Wilderern als Haustiere verkauft.

Totgeburt bei Schönbrunner Orang-Utans

Schlechte Neuigkeiten aus dem Wiener Tiergarten Schönbrunn: Die erwartete Geburt eines Orang-Utan-Jungtieres hat Mitte April ein trauriges Ende genommen, Sol brachte ihren Nachwuchs tot zur Welt. "Die regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen während der Trächtigkeit, zuletzt kurz vor der Totgeburt, zeigten eine normale Entwicklung des Fötus, der Herzschlag war gut", so Zootierärztin Hanna Vielgrader.

Damit sich Sol in Ruhe verabschieden kann, bleibt die Orang-Utan-Anlage vorerst geschlossen. Auch im Freiland tragen Affen ihr verstorbenes Jungtier manchmal noch einige Zeit mit sich herum und der Tiergarten gibt Sol die Zeit, die sie benötigt.

Das Orang-Utan-Weibchen wurde am 4. Juni 1996 im Boras Zoo in Schweden geboren. Als 2009 im Tiergarten die ORANG.erie eröffnet wurde, kam es nach Wien und zog in das neue Gehege ein. Schon 2012 hatte Sol eine Totgeburt, was bei Erstgebärenden häufig vorkommt. Den bisher letzten Orang-Utan-Nachwuchs im Tiergarten gab es mit dem Jungtier Maya im Jahr 2004. "Alle haben sich schon sehr auf den Nachwuchs gefreut. Die Besucher haben ständig nachgefragt, die Tierpfleger waren seit Tagen in Bereitschaft. Leider ist es nun sehr traurig ausgegangen", bedauerte Direktorin Dagmar Schratter in einer Aussendung am 18. April.