Costa Concordia: Bergung verzögert sich

Schiffsunglück "Costa Concordia". Bild: EPA/UFFICIO STAMPA VIGILI DEL FUOCO/HANDOUT
Foto: EPA

Ein Jahr nach dem Unglück ist das Schiff noch immer nicht geborgen - die Arbeiten gestalten sich schwieriger als erwartet.

Knapp ein Jahr ist es her, dass die Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio in der ligurischen See Schiffbruch erlitten hat – und 30 Menschenmit sich in den Tod riss. Seither liegt das Wrack des Schiffs zur Seite geneigt im Wasser.

Die Tragödie begann am 13. Jänner 2012 um 21.45 Uhr: Ein lauter Knall erschüttert die Costa Concordia auf der Fahrt vom Hafen Civitavecchia ins ligurische Savona. Der Kreuzfahrtriese mit seinen 290 Metern Länge und 4.229 Menschen an Bord rammt einen Felsen vor der Insel Giglio. Der Ruck schüttelt die Passagiere durch, die zum Großteil gerade am Dinner im Speisesaal teilnehmen. Das Licht geht aus, die Costa Concordia neigt sich schnell zur Seite, Teller und Gläser rutschen von den Tischen. Die aufgeschreckten Menschen laufen zu den Rettungsbooten, stolpern und fallen die Stiegen hinunter.

30 Menschen sterben

Panik und Chaos bricht aus, als sich der Luxusliner um 80 Grad nach Steuerbord neigt. Doch über die Lautsprecher tönt die Nachricht, es handle sich lediglich um Probleme mit der Stromversorgung. Erst nach einer Stunde heulen die Schiffsirenen zur Evakuierung. Wegen der starken Schieflage können die Rettungsboote nur mühsam ins Meer gelassen werden. In der Dunkelheit herrscht entsetzliches Durcheinander, einige springen ins eiskalte Wasser. Im Teil des Schiffes, der unter Wasser liegt, bleiben mehrere Menschen eingeschlossen. Gegen 1.00 Uhr sind noch einige Hundert Passagiere an Bord. Fünf Boote der Küstenwache eilen zur Hilfe. Rettungskräfte ziehen zahllose Schiffbrüchige aus dem Meer und bringen sie auf die Insel Giglio. Die Einwohner öffnen Schulen, Kindergärten, Kirchen und Privathäuser und versorgen die Menschen mit Decken, Mänteln und heißen Getränken.

Ein Jahr ist seither vergangen. 30 Menschen kamen ums Leben, zwei gelten immer noch als vermisst. Auch 77 Österreicher befanden sich an Bord, konnten sich aber alle retten. Der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (S) war unter den letzten Passagieren, die auf der Steuerbordseite das Schiff verlassen konnten. Er würde niemals wieder eine Kreuzfahrt unternehmen, berichtete er danach.

Erst im September

Noch immer liegt die "Costa Concordia" - im Besitz der italienischen Gesellschaft Costa Crociere - wie ein gestrandeter Wal vor der Insel Giglio. Eine riesige Arbeitsplattform wurde aufgefahren, turmhohe Kräne überragen das Wrack. Die Bergungsarbeiten, die im Sommer begonnen haben, kommen aber nur schleppend voran und gestalten sich schwieriger als erwartet. Hatte man vor kurzem noch gehofft, bis zum ersten Jahrestag das Schiff abschleppen zu können, so ist jetzt nicht vor kommendem September damit zu rechnen.

Das italienische Unternehmen Micoperi und die US-Firma Titan Salvage, die mit der Bergung beauftragt wurden, würden über Probleme bei der Verankerung der 30 Meter langen Pfähle im Meeresboden berichten, so der Umweltschutzverband Legambiente. Die Verankerungen werden die große Unterwasser-Plattform tragen, die das Wrack stützen soll, nachdem es wieder in eine senkrechte Position gebracht worden ist. Zuvor muss die Costa Concordia am Meeresgrund gesichert und dann mithilfe von Containern und Kränen aufgerichtet werden.

Die Herausforderung ist gigantisch: Das Schiff wiegt leer so viel wie 100 Maschinen des Typs Boeing 747. 400 Fachleute und 20 Schiffe sind rund um die Uhr im Einsatz. Auch die schwierige Wetterlage in der kalten Jahreszeit würde die Arbeiten verlangsamen, so Legambiente. Außerdem sei noch nicht bestimmt worden, in welchen Hafen das Schiff geschleppt werden soll.

Prozess gegen Kapitän

In den nächsten Monaten wird in der toskanischen Stadt Grosseto der Prozess wegen des Unglücks beginnen. Bei Beweissicherungsterminen waren in den vergangenen Monaten vor allem technische Aspekte überprüft worden. Die Ermittlungen wurden bereits abgeschlossen, acht Personen müssen sich vor Gericht verantworten. Hauptangeklagt ist Kapitän Francesco Schettino, dem eine 20-jährige Haftstrafe droht. Schettino, der nach dem Unglück fast sechs Monate lang unter Hausarrest verbracht hatte, wird mehrfache fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffes während der Evakuierungsaktion sowie Verursachung von Umweltschäden vorgeworfen. Zu den Beschuldigten zählt auch der oberösterreichische Vizepräsident der Costa Crociere, gegen den wegen des Verdachts der Beihilfe zur fahrlässigen Tötung ermittelt wird.

Bilder

Erste Aufnahmen der Bergung

In der Nacht von 16. auf 17. September 2013 konnte das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Insel Giglio aufgerichtet werden. Die Aktion hat 19 Stunden gedauert.  "Es hätte nicht besser laufen können", freute sich  der Projektverantwortliche des Schiffseigners Costa, Franco Porcellacchia. Nach der Aufrichtung haben die Techniker begonnen, die Lage des Wracks zu überprüfen. Die Bergung des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" gestaltete sich aber insgesamt schwieriger als erwartet. Im Juni 2013 hatte man mit den Bergungsarbeiten begonnen. Das Unternehmen Titan, das mit dem Abtransport beauftragt ist, hat eine Plattform bei der Unglücksstelle platziert. Der Umweltschutzverband Legambiente erklärte sich wegen der Verzögerung der Bergung besorgt. "Dadurch wachsen die Gefahren für die Gewässer erheblich", sagte Legambiente-Sprecher Angelo Gentili. Bei der Havarie des 290 Meter langen Kreuzfahrtschiffes am 13. Jänner 2012 kamen 30 Menschen ums Leben. Geht alles gut, könnte im Frühjahr 2014 das Halbtaucherschiff "Dockwise Vanguard" die Costa Concordia von Giglio wegbringen.
(APA / ep) Erstellt am
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