Chronik | Welt
23.01.2012

Costa Concordia: Kapitän belastet Reederei

Die Reederei habe das Manöver verlangt, erklärte Schettino. Der Zivilschutz warnt vor einer Verschmutzung des Meeres vor Giglio.

Kapitän Francesco Schettino will nicht alleine die Verantwortung für das Unglück übernehmen. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen Costa Crociere, Betreiber der „Costa Concordia“. Die Reederei habe das Manöver vor der toskanischen Insel Giglio verlangt, erklärte der 52-jährige Schettino bei einer Anhörung vor Gericht. Dies berichtete die Zeitung La Repubblica.

Schettino erzählte, dass die sogenannte „Verbeugung“ vor Giglio noch vor dem Start des Schiffes in Civitàvecchia von Costa geplant und verlangt worden sei: Mit Routen, die nahe an der Küste entlangführen, „machen wir Werbung für uns“.

„Einen Fehler gemacht“

Manöver dieser Art habe es bereits vor anderen Inseln gegeben. Vor Giglio sei etwas schiefgelaufen, gab Schettino zu. „Ich habe einen Fehler gemacht. Ich kenne die Strecke gut und ich hatte das Manöver schon drei oder vier Mal vollführt. Diesmal bin ich in zu seichtes Wasser geraten. Ich weiß nicht, warum das passiert ist“, sagte er.

Costa Crociere hatte bisher bestritten, dass Schettino die Gesellschaft über die Pläne informiert habe, die „Verneigung“ durchzuführen. Ein einziges Mal sei einem Costa-Kreuzfahrtschiff dieses Manöver genehmigt worden, nämlich im Jahr 2010 vor der Insel Procida. „Er hat uns belogen“, hatte Costa-Crociere-Chef Pierluigi Foschi vor Kurzem erklärt – der Kapitän habe die Lage an Bord nach dem schweren Unglück am 13. Jän-ner heruntergespielt.

Die Ermittler hoffen auf die Daten und Gespräche der Blackbox der „Costa Concordia“. Doch Schettino gab an, dass das Gerät schon zwei Wochen vor dem Unglück nicht mehr funktionierte. „Wir hatten gebeten, sie zu reparieren, doch das ist nicht geschehen.“ Es existiere jedoch noch ein zweiter Voice Data Recorder, hieß es. Dadurch soll geklärt werden, was der Kapitän während des Unglücks tat.

Touristenattraktion

Die „Costa Concordia“ wurde mittlerweile zur Touristenattraktion. Tausende Menschen kommen auf die Insel Giglio, um das Wrack zu fotografieren und die Retter zu beobachten. Bisher wurden 13 Todesopfer geborgen: Am Sonntag fanden die Taucher eine Frauenleiche im Heck, die eine Schwimmweste trug. Rund 24 Menschen werden noch vermisst.

Der Zivilschutz warnte vor einer Verschmutzung des Meeres vor Giglio. Das ökologisch fragile Taucherparadies ist nicht nur durch Treibstoff gefährdet, an Bord befinden sich auch jede Menge Abfälle und chemische Produkte. Diese seien zum Teil bereits ins Wasser gelangt, erklärte Franco Gabrielli, der Chef der Behörde. Gabrielli kam gestern, Sonntag, auf Giglio an, um die Bergungs- und Aufräumarbeiten zu koordinieren. Das Abpumpen des Öls könne jedoch erst in Angriff genommen werden, wenn die Suche nach Vermissten nicht mehr im Gange sei, hieß es.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

  • Analyse