FBI wurde vor Anschlag auf Kennedy-Mörder gewarnt

Kopie von John F. Kennedy
Foto: AP/Uncredited John F. Kennedy

Unter Verschluss gehaltene Dokumente zur Ermordung des früheren US-Präsidenten erregen weltweit Aufmerksamkeit.

Die US-Regierung hat tausende bisher unter Verschluss gehaltene Dokumente zur Ermordung des früheren Präsidenten John F. Kennedy (1961-63) freigegeben, einen Teil jedoch auf Wunsch der Geheimdienste vorerst weiter gesperrt. Auf Anordnung von Präsident Donald Trump sind insgesamt 2.891 Dokumente veröffentlicht worden. Die nun freigegebenen Dokumente wurden ungeschwärzt auf der Internetseite des Nationalarchivs veröffentlicht.

Tausende Leser, Historiker und Journalisten wühlen sich nun durch die Seiten. Der Guardian ist bereits auf ein Memo des damaligen FBI-Direktors J. Edgar Hoover gestoßen. Daraus geht hervor, dass die Bundespolizei vor der Ermordung des Kennedy-Attentäters Lee Harvey Oswald gewarnt wurde. FILE - In this Nov. 23, 1963, file photo, surround… Foto: AP/ap

Wörtlich heißt es im Bericht: "Letzte Nacht bekamen wir einen Anruf in unserem Büro in Dallas von einem Mann, der mit ruhiger Stimme sagte, dass er Mitglied in einem Komitee sei, das organisiert wurde um Oswald zu töten", schrieb Hoover am 24. November 1963, an dem Tag, an dem Oswald erschossen wurde. "Wir haben sofort den Polizeichef benachrichtigt und er versicherte uns, dass Oswald ausreichend beschützt werde. Heute Morgen haben wir den Polizeichef erneut angerufen und vor möglichen Aktionen gegen Oswald gewarnt und erneut versicherte er uns, Oswald werde adäquat geschützt", schrieb der FBI-Chef weiter. "Dies wurde jedoch nicht getan."

Im selben Memo äußerte Hoover bereits die Befürchtung, dass sich Verschwörungstheorien zum Tod des Präsidenten und seinem Mörder verbreiten können. Er und Regierungsberater Nicholas Katzenbach seien bemüht etwas zu veröffentlichen, das die Öffentlichkeit davon überzeugt, dass Oswald der wahre Attentäter ist. Andere Memos zeigen, dass das FBI Oswald bereits in den Monaten vor der Ermordung Kennedys zu beschatten versuchte.

Verschwörungstheoretiker

Eine offizielle Untersuchung war nach Kennedys Tod zu dem Ergebnis gekommen, dass er von dem Einzeltäter Oswald erschossen wurde, der wiederum zwei Tage später von dem Nachtklub-Besitzer Jack Ruby getötet wurde. Die Version wurde vor allen von Verschwörungstheoretikern immer wieder angezweifelt. Experten gehen indes davon aus, dass die nun freigegeben Dokumente weder aufsehenerregende Enthüllungen nach sich ziehen, noch die Verschwörungstheorien verstummen lassen.

Die Diskussion über die Hintergründe des Attentats auf Kennedy war unter anderem durch den Film "JFK" des US-Regisseurs Oliver Stone aus dem Jahr 1991 aufgeflammt. Ein Gesetz verfügte im Jahr darauf die Veröffentlichung von nahezu allen der rund fünf Millionen Dokumente zu Kennedys Tod. Nur ein Bruchteil fiel unter eine 25-jährige Geheimhaltungsfrist - diese lief nun am 26. Oktober aus.

John F. Kennedy - ein amerikanischer Mythos. Der attraktive Sonnyboy aus Massachusetts gewann die Herzen der Wähler - vor allem der weiblichen. Er war der  jüngste, den die Amerikaner jemals gewählt hatten. Sein Erfolgsweg endete jäh am 22. November 1963 in Dallas. "Meine amerikanischen Mitbürger, fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann - fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt!" Mit diesem Zitat legte Kennedy am 20. Jänner 1961 den Amtseid als 35. Präsident der Vereinigten Staaten ab. Nicht nur seine Landsleute, die ganze Welt setzte große Erwartungen in den demokratischen Senator, der seinen republikanischen Gegner Richard Nixon nur um die Haaresbreite geschlagen hatte - vor allem wegen seines telegenen Auftretens. Dass der 70-jährige Dwight D. Eisenhower, der bis dahin älteste US-Präsident, von einem 43-Jährigen abgelöst wurde, galt vielen als Symbol der politischen Erneuerung schlechthin.
  Dass auch kleine Kinder ins Weiße Haus einzogen, verdeutlichte den Generationswechsel. Als zweites von neun Kindern des ehrgezigen Unternehmers und Diplomaten Joseph P. Kennedy und dessen Frau Rose am 29. Mai 1917 in Brookline, Massachusetts geboren, war der kleine John Fitzgerald in sehr wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen. Nach der Highschool studierte "Jack" in Harvard Politikwissenschaft, während des 2. Weltkrieges war er Offizier. 1945 trat Kennedy den Demokraten bei und wurde 1946 ins US-Repräsentantenhaus gewählt, 1952 zog er in den Senat ein. 1953 heiratete Kennedy Jacqueline Lee Bouvier, "Jackie", die zur stillen Dulderin seiner sexuellen Eskapaden werden sollte. Jackie soll sogar von der Affäre mit Marilyn Monroe gewusst haben. Jacqueline entstaubte das Weiße Haus und erarbeitete sich international den Ruf der Stilikone der 60er Jahre. Auch wenn alle Welt dachte, JFK sei jung und vital, blieb verborgen, dass er bereits den Wahlkampf auf Krücken überstehen musste: Er litt bereits nach seinem Kriegsdienst an schweren Schmerzen im Rücken, 1955 musste er eine Operation an der Wirbelsäule über sich ergehen lassen, die aber kaum Besserung brachte. Er nahm viele Medikamente. Sein politisches Erbe bleibt durchwachsen: Der Reformwille war da, die Umstände schwierig. So brachte etwa Kennedy die Reformen gegen die Rassendiskriminierung auf den Weg, das Bürgerrechtsgesetz  konnte aber erst sein Nachfolger Lyndon B. Johnson unterzeichnen. Außenpolitisch bot Kennedy in Wien dem aggressiv auftretenden Chruschtschow Paroli, er leistete seinen Beitrag zur Abwendung eines dritten Weltkrieges, als er in der Kubakrise auf Verhandlungen setzte... Aber zuvor hatte er mit seiner Zustimmung zu dem desaströs gescheiterten Invasionsversuch in der Schweinebucht nicht nur dem jungen Castro-Regime in die Hände gespielt, sondern auch der Anti-US-Stimmung in Lateinamerika neuen Brennstoff gegeben. 1963 sein legendärer Besuch in Berlin: "Alle freien Menschen, wo immer sie auch leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können: "Ich bin ein Berliner!" Als Kennedys größter Sündenfall gilt der Vietnamkrieg: Obgleich es erst Johnson war, der US-Kampftruppen nach Vietnam schickte, war es Kennedy gewesen, der die CIA und Spezialeinheiten sowie tausende "Militärbeobachter" von der Leine ließ - und schließlich auch den Einsatz von Napalm genehmigte.  Ungeachtet aller Image-Kratzer bleibt John F. Kennedy bis heute der beliebteste aller ehemaligen US-Präsidenten. Am 22. November wurde JFK in Dallas erschossen, als die Präsidentenlimousine im Schritttempo vom Dealey Plaza in die Elm Street einbog. Seither ranken sich viele Verschwörungstheorien um den Mord. Dass der alleinige Schütze Lee Harvey Oswald, der wenig später selbst erschossen wurde, war, wird immer noch angezweifelt.
(KURIER/afp / jk) Erstellt am
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