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Chronik Welt
11/01/2019

Rauchverbot: Regeln und Erfahrungen in anderen Ländern

Die Pub-Nation Irland war Vorreiter. Welche Regeln in anderen Staaten gelten und wie sie funktionieren.

International ist Österreich beim Rauchverbot in der Gastronomie ein Nachzügler. Wie aber funktioniert es in anderen Ländern? KURIER-Korrespondenten berichten.

Dublin preschte vor

Wie soll das ausgerechnet in Irland funktionieren? Die Frage stellten sich viele, als die Regierung in Dublin 2004 das weltweit erste generelle Rauchverbot am Arbeitsplatz und damit auch in der Gastronomie einführte.

Ausgerechnet Irland, wo Rauchschwaden in den Pubs legendär und kaum wegzudenken waren. Die Raucher gingen auf die Barrikaden, ebenso die Gastwirte. Eines ihrer Argumente: Wegen des Rauchverbots würden mehr Iren an Vereinsamung sterben als an den Folgen des Tabakkonsums, weil sie zu Hause allein trinken müssten.

Doch die Regierung blieb kompromisslos. Rebellische Gastwirte, die Raucherräume einrichteten, gaben den Widerstand schnell auf, als ihnen der Entzug der Lizenz drohte. Das befürchtete Pub-Sterben setzte nicht ein. Im Gegenteil: Man gewann neue Kunden, zum Beispiel Familien, die zuvor ihre Kinder nicht dem Rauch aussetzen wollten. Die Raucherbereiche im Freien entwickelten sich zu beliebten Flirt-Zonen.

Heute ist das Rauchverbot nicht mehr wegzudenken. „Wir wollen die Raucher nicht im Pub zurückhaben“, sagt sogar der Präsident der irischen Wirte-Vereinigung, Gerry Rafter. Der Anteil der Raucher liegt mit 19 Prozent heute deutlich unter dem EU-Schnitt von 26 Prozent.

von Nicholas Bukovec

Paris wurde lauter

So manches, das man für „typisch französisch“ hält, kann man inzwischen nur noch außerhalb Frankreichs bestaunen: Der Anblick von Werbeplakaten, auf denen fröhliche Models und ein berühmter Gallier-Helm an eine einst französische (und jetzt in Großbritannien hergestellte) Zigarettenmarke erinnern, ist einem etwa nur mehr im Ausland vergönnt.

In Frankreich ist dagegen alles, was mit Zigaretten zu tun hat, öffentlich längst verpönt: Seit 2007 ist das Rauchen in „kollektiven Einrichtungen“ (darunter fallen zum Beispiel Bahnhofshallen, Metro-Haltestellen oder Ämter) verboten, seit 2008 in Gaststätten. Einwände der „Tabak-Kaffees“ (in Frankreich gibt es keine Trafiken) verpufften angesichts der Resultate: Die Herzinfarkte bei unter 65-Jährigen sanken im ersten Jahr um 15 Prozent.

Die „Tabak-Kaffees“ verzeichneten einen Besucher-Rückgang, Restaurants und Hotels verbuchten eine leichte Zunahme. Aber es gibt auch eine Kehrseite: Vor Beisln tummeln sich nun Raucher, die den Anrainern den Schlaf rauben.

Inzwischen wirken stete Preiserhöhungen durch staatliche Abgaben und die vorgeschriebenen Horrorbilder auf den Zigarettenpackungen. In zwei Jahren gaben 1,6 Millionen Französinnen und Franzosen das Rauchen auf. Vor allem bei den unter 18-Jährigen gilt „la clope“ (die Tschick) mittlerweile als „uncool“.

von Danny Leder

Berlin fand kreative Auswege

Als Berlin 2007 ein Nichtraucherschutzgesetz ankündigte, war der Aufschrei groß: Raucher fühlten sich gegängelt, Gastronomen bangten um ihre Existenz. Die Regelung werde Kneipen töten, trommelten Kneipenbesitzer.

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht gekommen. Denn das Gesetz "Berliner Modell" ist deutlich legerer als anderswo. Zwar darf man in öffentlich zugänglichen Räumen nicht rauchen, doch für Gaststätten gelten weiter Ausnahmen. In abgetrennten Nebenräumen von Speiselokalen ist Rauchen erlaubt, ebenso in den Einraumkneipen (kleiner als 75 Quadratmeter). Davon gibt es in Berlin zirka 500, wobei manche nicht erfasst, angemeldet oder als Verein getarnt sind.

Die Berliner, die laut Deutschem Tabakatlas weiterhin in negativer Weise die Statistik anführen - hier rauchen erheblich mehr Menschen als in anderen Bundesländern -, sind kreativ. Um das Rauchverbot zu umgehen, haben Kneipenbesitzer Raucher-Clubs gegründet.

Zudem halten sich nicht alle Lokal-Betreiber an die Vorschriften. Wer etwa am Abend durch die Szenebezirke  Friedrichshain, Kreuzberg oder Neukölln geht, merkt schnell: Selbst wo es nicht erlaubt ist, wird weiter gequalmt - in Clubs, Bars oder Bistros.

Da kommt es schon mal vor, dass sich der Kellner zu später Stunde eine Zigarette ansteckt. Die Kontrollen obliegen den jeweiligen Bezirken und mache wären da nicht streng genug, würden ab 22 Uhr nicht mehr kontrollieren, kritisiert der Nichtraucherbund Berlin

von Sandra Lumetsberger

Washington ist Teil des Fleckerlteppichs

Fleckerlteppich ist noch untertrieben. Die Landkarte der Verbote, Einschränkungen und Ausnahmen bei Rauchverboten in Restaurants und Bars ist schwieriger zu lesen als der Fahrplan der U-Bahn in Tokio.

Obwohl in mehr als 40 der 50 US-Bundesstaaten die Zigarette in öffentlichen Gebäuden, Verkehrsmitteln, Theatern, Kinos und Krankenhäusern ganz verboten oder nur stark eingeschränkt erlaubt ist, gelten im Land, das den Marlboro-Mann als Werbe-Ikone bereits vor 20 Jahren in Rente geschickt hat, unzählige Sondergenehmigungen.

Die Faustregel: Je weiter es in die Südstaaten geht (Mississippi, Alabama, Texas, Georgia etc.), desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man ungestraft mit einer brennenden Zigarette an die Theke treten darf. New York City dagegen, das seit 17 Jahren die strengsten Non-Smoking-Regeln der USA und die höchsten Zigaretten-Preise hat, hat sich quasi zur umfassenden No-Go-Zone für Raucher entwickelt.

Nach Angaben der „Stiftung für die Rechte von Nichtrauchern“ (Stand 2018) leben mehr als 80 Prozent der Amerikaner unter Gesetzen, die das Rauchen am Arbeitsplatz und in der Gastronomie größtenteils verbieten. Es gibt allein 3.500 Städte, die individuelle Verbote kreiert haben. Die meisten Menschen halten sich ohne Murren dran.

Der Trend hält an: 1965 rauchten 45 Prozent aller erwachsenen Amerikaner. Inzwischen sind es weniger als 14 Prozent.

von Dirk Hautkapp

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