Norwegischer Bohrturm 

© REUTERS/HANDOUT

Chronik Welt
05/10/2021

Ölstreit in der Arktis: Norwegen legt sich mit den USA an

Die Regierung will trotz der Forderung von US-Präsident Biden nicht auf Bohrungen verzichten. Dagegen formiert sich Widerstand.

von Jens Mattern

Die norwegische Regierungschefin Erna Solberg will der Forderung von US-Präsident Joe Biden, die Arktis von Ölbohrungen auszunehmen, nicht folgen. „Klimasabotage“ nennt dies die Grüne Hoffnungsträgerin Lan Marie Berg, die die Mitte-rechts-Koalition bei den Wahlen im September ablösen will – was sie zum Albtraum der norwegischen Ölindustrie macht, dem wirtschaftlichen Standbein des Landes.

Bidens Vorstoß auf der Klimakonferenz Ende April entgegnete Solberg mit dem Hinweis, die norwegische Arktis sei anders als die Arktis bei Alaska. Zudem würden neun Prozent der Norweger in der Arktis leben, man habe dort wirtschaftliche Interessen.

Klimawandel

Die Klimaveränderung ist vor allem in der Arktis spürbar, hier steigen die Temperaturen deutlicher als in gemäßigten Breiten. Doch rücken durch die Erwärmung und das damit verbundene Abwandern der Eiskante nach Norden auch mehr Rohstofffelder in Reichweite.

Die norwegische Regierung ist bestrebt, ihre Ölbohrungen in der Barentssee auszuweiten, deren Seegrenze 2010 zwischen Oslo und Moskau ausgehandelt wurde.

Erst im Dezember haben Greenpeace sowie zwei norwegische Umweltorganisationen eine Klage gegen die Lizenzvergabe in dem Gebiet vor einem norwegischen Gericht verloren. Die Grünen fordern einen vollständigen Stop der Vergabe neuer Explorationslizenzen in Norwegen und den Ausstieg aus dem norwegischen Öl- und Gasgeschäft bis 2035.

Wasserkraft statt Öl

Der Energieträger Öl kommt im Land selbst kaum zur Verwendung – dort setzt man auf Wasserkraft. Die Hauptstadt ist voller Elektroautos und hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt, was das Eindämmen der -Emissionen betrifft. In ganz Norwegen soll der Erwerb von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2025 verboten werden.

Treibende Kraft dieses Wandels ist die 34-jährige Lan Marie Berg. In der Frage der Ölbohrungen verweist sie auf Dänemark, das ebenfalls Mitglied des Arktischen Rats mit Ansprüchen auf Teile der Arktis ist, sich jedoch von Ölbohrungen distanziert.

Mit einer Anhörung im Parlament will Berg Regierungschefin Solberg nun öffentlich mit der Klimapolitik Bidens in der Arktis konfrontieren. Das ist unangenehm für Solberg, da Norwegen als NATO-Partner auf gute Beziehungen zu den USA angewiesen ist.

Doch in der Sache bleibt die norwegische Regierung hart. „Dies sind keine Entscheidungen, die in Washington oder Brüssel getroffen werden“, sagt Tina Bru, die Öl- und Energieministerin des Landes, in dem 200.000 Arbeitsplätze an der Öl- und Gasindustrie hängen.

In Umfragen verlangt weiterhin eine Mehrheit des Landes mit rund 5,3 Millionen Einwohnern den Abbau von fossilen Brennstoffen im Meer.

Finanzielles Polster

Seit Ende der 1960er-Jahre fließt das Schwarze Gold; in den Neunzigern wurden Petroleum-Fonds eingerichtet, in denen derzeit über 900 Milliarden Euro enthalten sein sollen – ein finanzielles Polster für die Zukunft nach dem Ölzeitalter. Gelder dieses Fonds werden auch in Windkraftanlagen im Meer, sogenannte Offshore-Parks, investiert.

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