© via REUTERS/YOUTUBE - VDUD

Chronik Welt
10/06/2020

Nawalny: "Nowitschok gibt es nicht im Supermarkt"

Es gäbe keinen Schwarzmarkt für das Gift. Der Kremlkritiker glaubt daher, dass Putin hinter dem Anschlag steckt.

Nach seiner Vergiftung hat der Kremlgegner Alexej Nawalny in einem ersten Video-Interview seine Vorwürfe gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin bekräftigt. Seine Version sei, dass die Tat auf Anweisung Putins begangen worden sei, sagte der 44-Jährige in dem zweieinhalbstündigen Gespräch mit Russlands prominentesten Blogger Juri Dud. Das Interview wurde am Dienstag veröffentlicht.

„Ist es möglich, Nowitschok im Supermarkt zu kaufen?“ Es hätten weniger Menschen Zugang zu einem Kampfstoff als etwa zu einer Pistole, meinte Nawalny.

Kein Größenwahn

Aus seiner Sicht schränkt diese Tatsache den Kreis der möglichen Täter ein. Es sei kein Größenwahn von ihm, das zu behaupten. Es gebe keinen Schwarzmarkt für Nowitschok, sagte der Oppositionelle. Er war am 20. August während eines Inlandsflugs in Russland zusammengebrochen und später zur Behandlung nach Deutschland gebracht worden. Wochenlang lag er dort im künstlichen Koma.


Nach dem Befund eines Speziallabors der Bundeswehr wurde Nawalny mit dem Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Das sollen auch Labors in Frankreich und Schweden bestätigt haben. Das Nervengift ist international geächtet. Russische Geheimdienstler und Regierungsmitglieder hatten mehrfach betont, dass alle Vorräte des zu Sowjetzeiten entwickelten Gifts vernichtet worden seien.

Opfer seines Erfolgs

Zum möglichen Motiv für den Anschlag auf ihn sagte Nawalny, dass sein Anti-Korruptions-Fonds FBK schon seit zwei Jahren unter beispiellosem Druck stehe mit Razzien und eingefrorenen Konten. Der Machtapparat habe gesehen, dass der Fonds trotzdem immer stärker geworden sei im Kampf auch gegen die Kremlpartei Geeintes Russland. „Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolges geworden.“


„Putin persönlich kümmert sich um seine Macht und um sein Geld“, meinte Nawalny. Der Kremlchef habe mit Blick auf die Proteste in Chabarowsk am Pazifik und im Nachbarland Belarus Angst davor, alles zu verlieren. Vor der Parlamentswahl im nächsten Jahr habe die Kremlpartei verstanden, dass sie vor großen Problemen stehe.

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