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Chronik Welt
04/27/2021

Konzert mit 5.000 Menschen - und praktisch keine Infektionen

Konzertbesuche ohne Maske, Abstand und Angst, an diesem Ziel arbeitet Barcelona mit viel Aufwand.

Aus Barcelona, Maren Häußermann

5.000 Menschen auf einmal in der Stadthalle Palau de Sant Jordi in Barcelona. Sie schauen zur Bühne hinauf, singen mit, tanzen, die Arme in die Luft gestreckt klatschen und filmen sie die Band „Love of Lesbian“. Es ist der zweite Schritt im Versuch, das spanische Nachtleben zu reaktivieren. Beim ersten waren 500 Leute in den kleineren Konzertsaal Sala Apollo eingeladen. Als man im Anschluss kein Infektionscluster nachgeweisen konnte, hängte man eine Null ran, an die Besucherzahl für den nächstgrößeren Versuch.

Am 27. März, dem Tag des ersten Massen-Konzerts in der Pandemie mussten alle Besucher einen Antigentest machen, dessen Ergebnis ihnen nach 10 Minuten per Handy mitteilte, ob sie Teil des Experiments werden durften. Sechs positiven Fällen blieb das Erlebnis verwehrt, der Rest bekam gratis FFP2 Masken und Desinfektionsmittel. Einen Monat später ziehen die Veranstalter Bilanz. Der Versuch sei ein voller Erfolg gewesen.
 

Unter den Besuchern, die für eine Nachverfolgung bei potentieller Erkrankung alle registriert wurden, habe es nach der Veranstaltung lediglich sechs positive Fälle gegeben. Bei vier davon konnte keine Ansteckung im Konzert nachgewiesen werden, auch bei den restlichen beiden vermutet man den Infektionsursprung woanders, „da es durch das ständige Tragen der Masken kaum möglich war, sich anzustecken.“ 

Das wichtigste sei eine gute Ventilation. So seien die Toiletten gefährliche Orte, große Petrischalen, in denen sich die Viren sammeln. Der Arzt Bonaventura Clotet Sala, der die Veranstaltung wissenschaftlich begleitete sagt: „Bei Outdoor-Konzerten kann man abwägen, ob Antigentests überhaupt notwendig sind. Die FFP2-Masken, die sehr effektiv sind, reichen aus.“ Für geimpften Personen sieht auch die Option, auf Masken gänzlich zu verzichten, wobei diese sich gegenseitig auch weiterhin infizieren könnten. „Das muss wissenschaftlich noch richtig bewertet werden.“

Die Menschen auf der Straße können es nicht glauben. „Ich würde erst wieder in einem oder zwei Jahren auf so eine Veranstaltung gehen“, sagt Candela Ponseti, eine Jugendliche, die mit ihren Freunden am Rande der Altstadt unterwegs ist und die 7-Tage-Inzidenz bedenkt, die an diesem Dienstag Ende April in Katalonien bei fast 160 liegt. „Soweit ich sehe, respektieren die Menschen die Maßnahmen nicht ausreichend, um fünf Uhr nachmittags zum Beispiel sieht man viele ohne Maske.“

Es ist ein regenverhangener Tag. Ohne die Touristen sind die Straßen leer und auch die Terrassen der Cafés und Restaurants, die von 7 bis 17 Uhr geöffnet haben dürfen, sind kaum belegt. Auf einer davon sitzt der Schauspieler Hodei Arrastoa mit seiner Freundin vor einem Stapel leerer Teller. Die Barcelonesen können Museen, Kinos und Theater in limitierter Anzahl besuchen, doch hält sie die Angst vor der Ansteckung daheim.

Umso mehr freut sich der junge Mann über die Nachrichten vom Konzert. „Wir haben große Lust, dass man wieder Kulturelles machen kann, auch in dieser Größe, dass auch die Diskotheken mit Sicherheitsmaßnahmen wieder öffnen können. Es muss wieder Bewegung gehen, denn das ist gesund.“

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