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Chronik Welt
04/27/2021

Italiens Robinson Crusoe kehrt in die Zivilisation zurück

Nach 32 Jahren hat die Einsiedelei ein Ende. Der Mann wollte eigentlich bleiben, die Behörden machten es aber unmöglich.

von Walter Friedl

Rund 2 Kilometer lang, 1,5 Kilometer breit; Einwohnerzahl: 1, zu Monatsende 0. Denn Mauro Morandi, der auf der vor Sardinien gelegenen Insel Budelli die vergangenen 32 Jahre allein verbracht hat, kehrt nun in die Zivilisation zurück – aber nicht freiwillig. Der Druck der Behörden sei zu groß geworden, „ich habe den Kampf aufgegeben“, sagt der heute 81-Jährige, der 1989 – nachdem er mit seinem Katamaran Schiffbruch erlitten hatte – auf dem Eiland strandete und zuletzt als Robinson Crusoe Italiens bezeichnet wurde.

Eigentlich war der damals frisch Geschiedene zu einer Weltumsegelung aufgebrochen, doch nach wenigen Seemeilen war Schluss. Morandi konnte sich auf die Insel retten. Dort bereitete sich der Inselwart gerade auf seine Pension vor. Kurz entschlossen verkaufte der gestrandete Abenteuerlustige seinen havarierten Kahn – und wurde Einsiedler.

Inselwart

Der neue „Inselwart“ machte es sich in einem alten Steinhäuschen gemütlich. Im Laufe der Jahre lernte er jeden Fels, jeden Baum, jede vorhandene Tierart kennen. Der aus Modena Stammende hielt die wenigen Wege begehbar, säuberte Strände und machte Tagesausflügler mit dem Ökosystem Budellis vertraut.

Alles lief gut für Mauro Morandi – bis das Privatunternehmen, in dessen Besitz sich das Eiland damals befand, in Konkurs schlitterte. Nach 2013 zerschlugen sich Pläne, die Insel an einen neuseeländischen Investor zu verkaufen – nicht zuletzt wegen Interventionen der italienischen Regierung. Seit 2016 ist Budelli wieder im Staatsbesitz und Teil des Nationalparks La-Maddalena-Archipel.

Doch die Verwaltung des Nationalparks warf dem Inselwart mehr und mehr Prügel zwischen die Beine. Seine Behausung widerspreche den „grünen“ Richtlinien, und überhaupt solle das Eiland zu einem Leuchtturm-Projekt für Umwelterziehung umgewandelt werden.

Viele Unterstützer

Im Internet fanden sich viele, die Morandi ermutigten, weiterzukämpfen. Vergebens, der 81-Jährige, der jetzt in ein Appartement auf der größten Insel des Archipels ziehen wird, konnte nicht mehr und meint zum Abschluss: „Ich bin sehr traurig, nach 32 Jahren gehen zu müssen.“

Eine Doku über Morandi ist auf der Arte-Mediathek zu sehen.

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