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Chronik Welt
11/29/2020

Golfstrom im Atlantik: Der Motor unseres Klimas ist stabil

Wissenschaftler aus Deutschland, China und den USA stellen fest, Zirkulation im Nordatlantik unverändert. Keine akute Gefahr für Klimaänderung.

von Konrad Kramar

Er gilt als der Motor unseres Klimas in der nördlichen Hemisphäre, also in Europa und auch Nordamerika. Ohne den Golfstrom müsste das Leben in Großbritannien, Skandinavien oder Island unter vergleichsweise arktischen Bedingungen stattfinden. Doch seit Jahren befürchten Wissenschaftler, dass der Klimawandel den Golfstrom, der warmes Wasser aus dem Südatlantik nach Norden pumpt, zuerst verlangsamt und dann zum Stillstand bringt. Doch diese Schreckensvision, die ja auch das Motiv bombastischer Hollywood-Katastrophenschinken wie "Der Tag danach ist", tritt vorerst nicht ein, wie eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern feststellt. Die Ozeanzirkulation im Nordatlantik hat sich im Zuge des Klimawandels einer neuen Studie zufolge seit den 1990er Jahren nicht verändert.

"Unterschiedliches Tempo"

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Zirkulationsänderungen und Veränderungen der Eigenschaften des Ozeaninneren möglicherweise in sehr unterschiedlichem Tempo ablaufen“, erläutert der Ozeanograph Johannes Karstensen vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Science Advances“ erschienen.

Wasser verändert sich

Messungen zeigten seit Jahren, dass sich Eigenschaften des Wassers wie Sauerstoff- und Salzgehalte sowie Temperatur im Nordatlantik verändern. Die Forscher vom Geomar, dem South China Sea Institute of Oceanology der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und des Georgia Institute of Technology (USA) untersuchten nun, ob sich auch die Strömungen im Ozean verändert haben. Dazu analysierten sie Daten von Forschungsreisen aus dem subtropischen und dem subpolaren Nordatlantik zusammen mit Satellitendaten, Messnetz-Beobachtungen und Modelldaten.

Sauerstoffgehalt sinkt

Sie stellten fest, dass auch Wasser in größerer Tiefe im vergangenen Jahrzehnt eine signifikante Versalzung, Anzeichen einer Erwärmung und größtenteils eine Abnahme des Sauerstoffs aufweist. Aber im subpolaren und subtropischen Nordatlantik stellten die Forscher im Zeitraum der 1990er bis 2010er Jahre keine Veränderungen eines großen Strömungssystems fest, zu dem auch der Golfstrom zählt.

Wärmepumpe

„Offenbar verändern sich Wassereigenschaften und die Umwälzzirkulation also unterschiedlich“, sagte Karstensen.
Der Golfstrom transportiert Wärmeenergie quer über den Atlantik bis vor die Britischen Inseln und in die Norwegische See. Er ist Teil eines größeren Strömungssystems, das als Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation bezeichnet wird. Sie besteht laut Geomar hauptsächlich aus einem an der Oberfläche nach Norden fließenden Abschnitt, der warm und salzhaltig ist und zu dem der Golfstrom gehört, und einem in der Tiefe des Nordatlantiks nach Süden fließenden Abschnitt, der relativ kalt und salzarm ist.

 

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