Im September 2017 registrierten Satelliten erstmals drei Wirbelstürme gleichzeitig: Katia, Irma und Jose

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Wissen
11/28/2020

Wo das Klima demnächst zu kippen droht

Ab wann wird ein System zerstört? Das kann zwar nicht präzise berechnet, aber klar eingegrenzt werden.

Die Erderwärmung bringt große Risiken für die Menschheit, so zum Beispiel durch zunehmende Wetterextreme wie Hitze, Dürren, Extremregen und stärkere Tropenstürme, aber auch durch den Meeresspiegelanstieg sowie den Verlust von Ökosystemen. Diese Klimafolgen können zu Ernteausfällen mit Hunger, Ausbreitung von Krankheiten, zahlreichen Todesopfern, Massenmigration und im schlimmsten Fall zu internationalen Konflikten sowie zur Destabilisierung von Staaten führen, erklärt Stefan Rahmstorf vom renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Dazu kommt, dass es im Klimasystem bestimmte Kipppunkte gibt, das sind kritische Schwellenwerte, bei deren Überschreiten es zu starken und teils unaufhaltsamen und unumkehrbaren Veränderungen kommt. Rahmstorf beschreibt das mit einer Kaffeetasse, die man über den Rand eines Tisches schiebt. Die Tasse bleibt lange stabil, bis sie kippt und zu Boden fällt. Ähnlich sei das bei manchen Klimasystemen, die lange stabil scheinen, bis eine kleine, zusätzliche Störung zu einer massiven Veränderung des Systems führt.

Folgende solcher Kipppunkte stehen seit Langem im Fokus der Forscher:

Eismassen: „Von den klassischen Kippelementen sind sicher die am weitesten fortgeschritten, die mit Eis zu tun haben“, erklärt Klimawissenschaftler Gottfried Kirchengast. Die ganzjährige Meereisdecke auf dem arktischen Ozean kühlt das Klima, indem sie die Sonnenstrahlung größtenteils ins All reflektiert. Schmilzt das Eis ab, bleibt dunkler Ozean oder Boden, der die Sonnenenergie „schluckt“ und das Meer noch schneller erwärmt. Der grönländische Eisschild und ähnlich große Eismassen der Westantarktis könnten ihren Kipppunkt bereits bei einer Erderwärmung von 1,5 bis 2 °C erreichen.

Strömungssysteme: Relativ bald dürften sich die Ozeane so stark erwärmen, dass das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Effekt: Klimazonen, und damit auch die Monsunregen Afrikas und Asiens, verschieben sich gravierend, die biologische Vielfalt in Küstenregionen schwindet, die Korallenriffe sterben ab.

Permafrostböden haben große Mengen an Treibhausgasen wie Methan und Kohlendioxid gespeichert. Tauen sie auf, werden diese freigesetzt und die Klimaerwärmung wird zum Selbstläufer. Betroffen davon sind weite Teile Sibiriens und Kanadas.

Biosysteme Tropische Wälder wie der Amazonas, boreale Waldgebiete in Kanada oder den hiesigen Breiten – sie alle laufen Gefahr, schon bald zu kippen. „Auch wir in Europa sind ein relativer Hotspot der regionalen Erwärmung“, sagt Kirchengast. In Europa erwärmt sich das Klima schneller, was für unsere Wälder bedeutet, anfälliger für Waldschädlinge und kombiniert mit Wetterextremen wie Stürmen, Starkniederschlägen, Hitze und Dürre stärker verwundbar zu werden. Kirchengast: „Das ist nach unserer Einschätzung das Kippelement, das in Gebieten wie Österreich zu den größten, katastrophalsten Schäden führen kann.“

Diese Kippelemente seien auch der Grund, warum die Erderwärmung auf maximal 1,5 °C begrenzt werden sollte, sagt Kirchengast, und nicht erst auf 2 °C.

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