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Chronik Welt
06/10/2020

Gates will Menschheit doch nicht chippen: "Dumm und bizarr!"

Die Verschwörungsmythen rund um Microsoft-Gründer Bill Gates wuchern wie Unkraut. Vergangene Woche reagierte er zum ersten Mal.

Also doch: Die Fake-News rund um seine Person machen Bill Gates zu schaffen. Zwar existieren nicht erst seit Anbeginn der Corona-Krise Verschwörungsmythen zu reichen Menschen mit sozialer Ader, doch diesmal sind die Ausmaße besonders grotesk.

Bei einer Pressekonferenz der Bill & Melinda Gates Foundation reagierte Gates eher ungehalten auf diverse sogenannte "Theorien". "Man kann es kaum noch leugnen, so dumm oder merkwürdig ist es. Wenn man es nur wiederholt, gibt es dem auf eine Weise mehr Glaubhaftigkeit. Es ist auf eine Weise so bizarr, dass man es fast witzig finden könnte. Aber ich schätze, es ist eigentlich nicht besonders komisch", polterte Gates.

Seit 1999 investieren Bill und Frau Melinda Gates Eigenkapital in die weltweit größte Privatstiftung, die unter anderem auch von Multimilliardär Warren Buffet unterstützt wird. Sie fördern damit weltweit humanitäre Projekte. Seien es Sanitäranlagen in Gebieten, wo Kinder immer noch an einer trivialen Durchfallerkrankung sterben, seien es Impfprogramme gegen Krankheiten wie Malaria oder Polio - um nur einen Bruchteil der unzähligen Projekte zu nennen.

Diverser Schwachsinn

Worum geht es in den Verschwörungsmythen rund um Gates? Ein altbekannter Vorwurf ist etwa: Die Gates-Stiftung sei "aus Indien geworfen" worden, weil sie eine halbe Million Menschen mit einer Polio-Impfung "verkrüppelt" habe. Das Gerücht geht auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation PATH (Program for Appropriate Technology in Health) zurück. In deren Rahmen sollte untersucht werden, ob man die Zahl der Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) durch die Bereitstellung kostengünstiger Impfstoffe für verarmte Gemeinden verringern könnte. Diese Studie wurde unter anderem in Indien durchgeführt.

Im April 2010 stoppte die indische Regierung das Programm, nachdem lokale Medienberichte behaupteten, sieben der an der Studie beteiligten Mädchen seien nach Erhalt ihrer Impfstoffe gestorben. Die indische Regierung leitete eine Untersuchung ein. Es stellte sich heraus: Die Todesfälle standen nicht in Zusammenhang mit den Impfstoffen. Ein Mädchen ertrank etwa in einem Steinbruch, ein anderes starb an einem Schlangenbiss. Und nein, die Gates-Stiftung wurde nie aus Indien geworfen.

Nun ist es leider so, dass Anhänger von Verschwörungsmythen gegen rationale Erklärungen oft immun sind. Und: Sie entwickeln ihre Gedankenspiele auch weiter. Weil Gates seit Jahren vor einer Pandemie warnte, ist seine Stiftung in Zeiten von Corona natürlich schwer verdächtig. Der Vorwurf: Gates plant eine globale Zwangsimpfung, bei der allen Menschen ein Microchip eingepflanzt werden soll, über den sie kontrolliert werden - vorzugsweise durch 5G-Strahlung.

Gates bleibt (noch) positiv

Auch dieser Vorwurf bringt Gates - verständlicher Weise - etwas aus der Fassung: "Ich habe nie mit irgendeiner Art von Microchip zu tun gehabt. Diese Fehlinformationen sind einfach so seltsam. Ich kenne niemanden, der mit sowas zu tun hat, daher fehlt mir ein direkter Draht, sie zu verstehen."

Die größten Folgen der Chip-Behauptung fürchtet Gates aber nicht für sich selbst, sondern für die Erfolgschancen eines Impfstoffes. "Wenn er keine weite Verbreitung findet, dann würde er nicht die große Auswirkung haben, die man sich von ihm erhofft. Etwa, dass die Chance auf einen erneuten Ausbruch so gering ist, dass es wieder große Sportveranstaltungen geben kann", meint Gates. "Diese Falschinformationen könnten uns irgendwann stark zurückhalten. Aber aktuell sehe ich noch keinen negativen Effekt."

Keine Verschwörung: Die Gates Foundation spendete in den vergangenen beiden Jahren jeweils etwa 250 Millionen Dollar an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie ist damit nach den USA der größte Geldgeber der WHO, und stellte in diesen beiden Jahren etwa zehn Prozent ihres Budgets. Gleichzeitig kooperiert die Stiftung mit zahlreichen Medien und nationalen Behörden oder Unternehmen, die im Gesundheitsbereich tätig sind.

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