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Chronik Welt

Erste Stadt in Vietnam verbietet Handel mit Hunde- und Katzenfleisch

Der Westen macht Druck auf kulinarische Traditionen, vor allem in Asien. Doch nicht nur dort wird heute noch Hund und Katze gegessen.

von Johannes Arends

12/10/2021, 05:43 PM

Dass in Teilen Asiens zuweilen Hunde- oder Katzenfleisch auf den Teller kommt, ist auch heute noch mehr als ein westliches Vorurteil. So hat die Zubereitung von Hundefleisch in China, Nord- und S├╝dkorea eine lange Tradition. Auch im beliebten Tourismusziel Vietnam werden pro Jahr mehr als f├╝nf Millionen Hunde geschlachtet.

Zumindest an einem Ort hat das seit Freitag ein Ende: Das Volkskomitee der vietnamesischen K├╝stenstadt Hoi An hat in Kooperation mit der Wiener Tierschutzorganisation Vier Pfoten eine Absichtserkl├Ąrung unterzeichnet, um den Handel von Hunde- und Katzenfleisch zu verbieten. Die Vereinbarung wird Ende 2021 f├╝r zwei Jahre in Kraft treten. Hoi An ist damit die erste Stadt Vietnams, in der so ein Verbot gelten wird.

In S├╝dkorea ist ein solches schon seit 1988 landesweit Gesetz und sorgt seither f├╝r eine breite Debatte. Dadurch, dass man die Bauern in die Illegalit├Ąt dr├Ąnge, w├╝rden sich die Haltungsbedingungen der Tiere eher verschlechtern und zu Tierqu├Ąlerei f├╝hren, meinen Kritiker. Dass die Nachfrage traditionell hoch ist und sich nicht so einfach durch Druck aus dem Westen schrumpfen l├Ąsst, w├╝rden die gebratenen Hunde beweisen, die t├Ąglich auf den M├Ąrkten Seouls verkauft werden.

├ähnliches spielt sich in China ab: Dort wurde im Mai 2020 ein neuer Nutztierkatalog ver├Âffentlicht, von dem Hund und Katze explizit ausgenommen werden - der Handel zum Verzehr ist also verboten. Trotzdem wird in Guangdong, der bev├Âlkerungsreichsten Provinz Chinas, so viel Katzenfleisch gegessen wie nirgendwo sonst.

Skandal in Italien: Tipps f├╝r Katzenfleisch

Auch in Europa ist der Verzehr der Tiere belegt, meist in Zeiten gro├čer Nahrungsknappheit. Ber├╝hmt wurde etwa der Satz "Das Katzenfleisch reicht noch f├╝r zweimal", mit dem die Russin Lena Muchina 1941 in ihrem Tagebuch die Hungersnot im von der Wehrmacht belagerten Leningrad beschrieb.

Deutlich frischer ist noch der landesweite Skandal, den der italienische Kochshow-Moderator Beppe Bigazzi 2010 ausl├Âste, als er in seiner Sendung Tipps zur Zubereitung von Katzenfleisch gab und sich dabei auf kulinarische Traditionen seiner toskanischen Heimat berief.

Ganz anders ist dagegen die Tradition im Judentum und dem Islam: Genau wie mit Schweinefleisch ist hier Gl├Ąubigen der Verzehr von Hund und Katze, anders als im Christentum, seit jeher verboten.

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