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Chronik Welt
02/11/2020

Wo das Kilo Hundefleisch 3,60 Euro kostet

In Südostasien werden jährlich zehn Millionen Hunde und Katzen geschlachtet. In vielen Fällen handelt es sich um gestohlene Haustiere.

Eine schwarze Katze ist mehr wert – bis zu 20 Euro kann man in Vietnam für das Kilo Katzenfleisch einer schwarzen Kitty bekommen. Für eine gewöhnliche Mietzekatze muss man nur bis zu elf Euro ablegen. Hund? Da kostet das Kilogramm zwischen sechs und neun Euro. Abnehmer finden sich zu Genüge. Überwiegend sind es Männer, die zu den fellinen oder caninen Köstlichkeiten greifen. Der Glaube, dass diese Art Fleisch heilende Wirkungen hat, ist unter ihnen weit verbreitet.

In Vietnam werden jährlich geschätzte fünf Millionen Hunde und eine Million Katzen für ihr Fleisch geschlachtet, hat die Tierschutzorganisation Vier Pfoten recherchiert.

Um den großen Appetit nach Hunde- und Katzenfleisch zu stillen, werden auch Tiere aus China und Laos importiert. In Vietnam kommt es immer wieder zu teilweise tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Haustierbesitzern und Hunde- und Katzenfängern. Denn in vielen Fällen handle es sich bei den feilgebotenen Hunden und Katzen um Haustiere, die ihren Besitzern gestohlen und danach ertränkt, erhängt, lebendig verbrannt oder erstochen werden.

"Die Händler stehlen Haustiere sowie Streuner und schleppen sie durch das ganze Land - oft auch über Landesgrenzen hinweg", berichtete Katherine Polak, Tierärztin und Leiterin der Vier Pfoten Streunerhilfe in Südostasien. "Ob die Tiere mit Tollwut oder anderen Krankheiten infiziert sind, spielt hier keine Rolle."

Laut Recherchen von Vier Pfoten werden in Vietnam jährlich geschätzte fünf Millionen Hunde und eine Million Katzen für ihr Fleisch geschlachtet. Das Kilo Hundefleisch bringe zwischen sechs und neun Euro. Katzenfleisch kann pro Kilo bis zu elf Euro kosten - im Falle einer schwarzen Katze sogar bis zu 20 Euro. Vietnamesische Männer sind demnach die Hauptabnehmer. "Unter ihnen herrscht oft der Irrglaube, dass das Fleisch heilende Wirkungen hat", so die NGO.

Um den Appetit nach Hunde- und Katzenfleisch zu stillen, werden auch Tiere aus China und Laos importiert. In Vietnam kommt es immer wieder zu teilweise tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Haustierbesitzern und Hunde- und Katzenfängern.

Hundefleisch-Gericht kostet unter einem Euro

Im benachbarten Kambodscha ist die Situation ähnlich: Etwa drei Millionen Hunde werden hier getötet und gegessen. Ein lebender Hund bringt zwischen 1,80 Euro und 2,70 Euro pro Kilo, während ein Kilo rohes Hundefleisch für bis zu 3,60 Euro zu haben ist. Ein Hundefleisch-Gericht gibt es für weniger als einen Euro.

Allein in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh hat die Tierschutzorganisation mehr als 110 Restaurants dokumentiert, die Hundefleisch anbieten. Speziell sei in Kambodscha das Töten durch Ertränken in eigens errichteten Wasserbecken - damit können die Schlachthöfe mehr als 100 Hunde täglich verarbeiten.

In Indonesien zählen die Konsumenten von Hunde- und Katzenfleisch zu einer Minderheit – weniger als sieben Prozent der Bevölkerung verspürt tierischen Hunger. Nichts desto trotz werden jährlich rund eine Million Hunde und hunderttausende Katzen für den Fleischhandel getötet. Besonders gefragt sei das Fleisch auf den Inseln Java, Sumatra und Sulawesi.

Auf bei Touristen beliebten sogenannten Extremmärkten in Nord-Sulawesi würden die Tiere verkauft und vor den Augen der Marktbesucher lebendig verbrannt. Für einen lebenden Hund zahlt man demnach rund 13 Euro. Ein schon fertiges Hundefleischgericht, meistens in Form eines Currys oder einer Suppe, kostet ungefähr 1,30 Euro.

In Summe werden laut Vier Pfoten in Vietnam, Kambodscha und Indonesien allein jedes Jahr geschätzt zehn Millionen Hunde und Katzen geschlachtet. Der Verzehr selbst ist nicht illegal, doch die Art der Beschaffung und Schlachtung der Tiere ist es durchaus, so die Tierschutzorganisation in einer Aussendung am Dienstag.

 

Gesundheitliche Folgen

Die Haltung und Schlachtung der Tiere findet meist auf Lebendtiermärkten oder in Hinterhöfen statt und gestaltet sich nicht nur äußerst brutal, sondern geschieht auch frei von jeglichen hygienischen Mindeststandards. "Das schafft die perfekte Brutstätte für neue und tödliche Zoonoseviren wie das Coronavirus", warnte Polak. Mit rund zehn Millionen geschlachteten Tieren pro Jahr floriere der Handel, obwohl die Mehrheit der Einheimischen in Südostasien Hunde- und Katzenfleisch ablehne.

Entsprechend warnt Vier Pfoten vor "schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen" für Menschen. Die unkontrollierte Verbreitung von Tollwut ist nur eine davon. Die Tiere würden oft auf Lebendtiermärkten verkauft werden, dem Ursprungsort des Wuhan-Coronavirus.

Vier Pfoten hat eine Kampagne auf internationaler und nationaler Ebene gestartet. Durch Aufklärungsarbeit und Kooperationen mit Behörden und Tourismusverbänden sollen die Regierungen dazu gebracht werden, strenge Tierschutzgesetze einzuführen, die das Fangen, Schlachten und Essen von Hunden und Katzen verbieten. Zudem hat Vier Pfoten eine Petition ins Leben gerufen. Mehr dazu HIER.