Vietnamesisches Gericht mit Hundefleisch.

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Vietnam

Katzenfleisch zu Neumond - Hundefleisch zu Vollmond

Katze mit Knoblauch: Zubereitet kostet die verbotene Delikatesse bis zu 52 Euro in Vietnam.

08/14/2014, 05:49 AM

Frittiert in Knoblauch, gebraten, gekocht: In Vietnam steht in vielen Lokalen Katzenfleisch auf der Speisekarte. Vor allem als Vorspeise, als "Little Tiger"-Snack zum Bier, servieren etwa ein Dutzend Restaurants in der Hauptstadt Hanoi Hauskatzen als Delikatesse. Obwohl der Konsum von Katzenfleisch wegen der Rattenplage in dem sĂŒdostasiatischen Land verboten ist, leben Haustierhalter in stĂ€ndiger Sorge.

Zuerst wird das Tier ertrĂ€nkt, dann rasiert, abgesengt, in StĂŒcke gehackt und angebraten. Le Ngoc Thien ist Chefkoch in einem Restaurant fĂŒr Katzenfleisch in Hanoi. "Als ich hier angefangen habe, war ich ĂŒberrascht, wie viele Leute Katze essen", sagt er. Die Nachfrage steige von Jahr zu Jahr an. "Katzenfleisch ist besser als Hundefleisch, es ist sĂŒĂŸer, zarter." Umgerechnet mehr als 30 Euro pro StĂŒck kosten die Tiere, zubereitet bis zu 52 Euro. Auch Thien hĂ€lt ein KĂ€tzchen als Haustier – doch sobald es ausgewachsen ist, wird es in die Pfanne kommen, sagt er. Der 35-jĂ€hrige Wirt To Van Dung bietet ebenso Katzenfleisch an: "Einige glauben, dass es GlĂŒck bringt, wenn man bei Neumond Katze isst. Mit Hundefleisch ist das anders. Das isst man bei Vollmond."

Andere LĂ€nder, andere Sitten

Probleme mit den Behörden habe er nie bekommen, sagt Dung. Die Katzen kaufe er von örtlichen ZĂŒchtern und KatzenhĂ€ndlern. Aufgrund der hohen Nachfrage werden die Tiere manchmal sogar aus Thailand oder Laos eingeschmuggelt. Wenn viel los ist, bedient Dungs Restaurant tĂ€glich bis zu hundert Kunden. "Ich weiß, dass Sie in den USA und Großbritannien keine Katzen essen", sagt Gast Nguyen Dinh Tue. "Aber hier tun wir das. Ich töte die Katzen nicht. Doch dieses Lokal bietet Katzenfleisch an, und ich esse es gern."

Wegen Armut zur Gewohnheit

Auch sonst haben Vietnamesen manche kulinarischen Vorlieben, die in anderen LĂ€ndern undenkbar sind. Hundefleisch etwa ist an jeder Ecke zu haben. FĂŒr Hoang Ngoc Bau, einen der wenigen ausgebildeten TierĂ€rzte in Hanoi, hat dies historische GrĂŒnde. "Das Land war einmal sehr arm, und wir hatten einen langen Krieg. Wir aßen alles, was wir konnten, um am Leben zu bleiben. Insekten, Hunde, Katzen, sogar Ratten, es wurde zur Gewohnheit." Er selbst isst kein Hundefleisch, weil ihn sein Vierbeiner in der Kindheit vor einer giftigen Schlange rettete. "Von da an stand ich in der Schuld der Hunde und wurde Tierarzt", sagt der 63-JĂ€hrige.

Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels in dem einst streng kommunistischen Land entdecken viele Vietnamesen inzwischen auch ihre Tierliebe, doch alte Essensgewohnheiten halten sich hartnĂ€ckig. "Niemand zĂŒchtet Hunde und Katzen zum Schlachten", glaubt Tierarzt Bau. "Also wurden fast alle Tiere der Restaurants eingefangen und gestohlen."

In den Straßen sind frei herumlaufende Katzen daher rar, die meisten Besitzer halten die Katzen im Haus oder leinen sie an. Phuong Thanh Thuy besitzt ein Restaurant fĂŒr Hundefleisch in Hanoi. Katzen hĂ€lt er nur wegen der Ratten, doch immer wieder werden sie gestohlen. "Es schmerzt, wenn wir eine Katze verlieren, weil wir viel Zeit mit der Aufzucht verbringen", sagt sie. Eine Sensibilisierungskampagne von TierschĂŒtzern in Vietnam blieb bisher ohne großen Erfolg.

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