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Chronik Welt
04/10/2021

Ägypten bejubelt die „größte Entdeckung seit Tutenchamun“

Oft gesucht, aber nie gefunden. Nun stießen Archäologen auf eine 3.000 Jahre alte Stadt. Der Fund soll den Tourismus beleben.

von Philipp Albrechtsberger

Archäologie ist oft harte, immer aber exakte Arbeit. Und manchmal brauchen die Forscher einfach auch Glück. Was sich aber den Wissenschaftern dieser Tage am Nilufer in Ägypten offenbarte, gleicht einem Lottosechser inklusive Joker-Jackpot und Einladung zur Brieflos-Show.

Ursprünglich hofften die Archäologen bei den Ausgrabungen nahe Luxor antiken Schmuck oder Töpferwaren freizukehren, im allerbesten Fall ein paar Särge. Nun aber sprechen sie von der größten antiken Siedlung, die jemals in Ägypten gefunden wurde. Von der „verlorenen, goldenen Stadt von Luxor“ schreiben internationale Wissenschaftsmedien.

Die gefundene Siedlung stamme aus der Zeit des Königs Amenophis III., der von etwa 1391 bis 1353 v. Chr. herrschte. Die antike Stadt sei gut erhalten, „mit fast vollständigen Mauern und Räumen“, berichtet der Ägyptologe Zahi Hawass.

Von der Existenz der Stadt wusste die Wissenschaft schon lange. „Viele Auslandsmissionen haben nach dieser Stadt gesucht und sie nie gefunden“, sagte Hawass. Auch nicht an der Mission beteiligte Experten sprechen von einer Sensation: „Die Entdeckung dieser verlorenen Stadt ist die zweitwichtigste archäologische Entdeckung seit dem Grab von Tutenchamun“, sagte die Professorin für Ägyptologie an der Johns Hopkins Universität in den USA, Betsy Bryan. Das Grab des Pharaos war 1922 entdeckt worden. Salima Ikram, eine Expertin auf dem Gebiet der Mumifizierung im Alten Ägypten, nennt es „einen Schnappschuss in der Zeitgeschichte. Es ist eine ägyptische Version von Pompeji.

Die Ausgrabungen nahe Luxor hatten laut Forscherteam im September 2020 begonnen – eigentlich mit dem Ziel, den Totentempel von Tutanchamun zu finden. „Zur großen Überraschung des Teams tauchten in alle Richtungen Lehmziegel-Formationen auf“, sagt der Archäologe Zahi Hawass. Tag für Tag wurden mehr Mauern freigelegt. „Die archäologischen Schichten lagen unberührt für Jahrtausende, fast so als wäre es gestern gewesen“, heißt es in einem offiziellen Statement.

Die Forscher erhoffen sich durch den Sensationsfund, „einen seltenen Einblick in das Leben der alten Ägypter – zu einer Zeit, in der das Imperium am wohlhabendsten gewesen ist“.

Hoffnung auf Touristen

Für den Staat Ägypten ist die Entdeckung nicht nur von archäologischer Bedeutung, das von der Corona-Pandemie arg gebeutelte Land erhofft sich auch wirtschaftliche Impulse. Man erwartet dadurch, die angeschlagene Tourismusindustrie anzukurbeln, und schon bald damit neue Gäste ins Land locken zu können.

Der Staat hat in den vergangenen Jahren mehrere archäologische Entdeckungen verkündet und in dem Bereich auch ordentlich investiert. Erst letzte Woche wurden die mumifizierten Überreste von 18 antiken Königen sowie von vier Königinnen in das neue Nationalmuseum der ägyptischen Zivilisation in Kairo gebracht. Offiziell bezeichnet wurde die Überstellung als „goldene Parade der Pharaonen“.

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