Grazer Innenstadt in der Krise? Wieso die Besucher ausbleiben
Die Herrengasse in der Grazer Innenstadt
Zusammenfassung
- Besucherzahlen und Geschäftsauslastung in der Grazer Innenstadt gehen laut aktuellen Studien weiter zurück.
- Hauptgründe für einen Besuch sind Gastronomie, Treffen mit Freunden/Familie und Shopping; Parkprobleme und Alternativen wie Einkaufszentren halten viele fern.
- Als Gegenmaßnahmen werden längere Öffnungszeiten, mehr Parkplätze und neue Nutzungskonzepte wie Garagen mit Gastronomie diskutiert.
"Die Innenstadt ist das Herz der Stadt. Es hat aber leider an Schlagkraft verloren", konstatiert ÖVP-Stadtparteiobmann Kurt Hohensinner und macht das an zweierlei fest:
- Die Besucherfrequenzen in der Grazer City seien rückläufig. 2023 kamen rund 13 Millionen Menschen in die Innenstadt; eine Anzahl, die die aus der anonymen Auswertung von Handydaten ergibt. 2024 seien es um eine Million weniger gewesen; im eben abgelaufenen 2025 zeige der Trend weiter nach unten.
- Zudem seien die Leerstände unter den ausgewiesenen Geschäftsflächen "auch nicht mehr wegzudenken", bedauert Hohensinner. 2024 lag die Quote laut Studien in den besten Lagen bei 5,5 Prozent, im Jahr zuvor bei 0,9 Prozent.
Hohensinner, in der Stadtregierung politisch zuständig unter anderem für Wirtschaftsagenden, Stadtmarketing und City Management, ließ in einer weiteren Studie nachforschen, weshalb die Grazer Innenstadt weniger attraktiv für Besucherinnen und Besucher geworden ist. Und was diejenigen, die kommen, anlockt.
1.000 Personen wurden vom Institut "m-research" befragt – jeweils die Hälfte mit Wohnsitz in Graz und Graz-Umgebung. Das Ergebnis wurde am Montag präsentiert.
Weshalb Besucher in die Innenstadt kommen . . .
Als Gründe, in die Grazer City zu kommen, kristallisierten sich drei wesentliche Punkte heraus:
- Gastronomiebesuch (57,5 Prozent der Befragten).
- Treffen mit Freunden oder Familie (54,3 Prozent).
- Bummeln oder Shopping (46,6 Prozent).
Bei Personen mit Grazer Wohnsitz sind diese Werte höher; bei ihnen kommen auch noch Behördenwege dazu (53, Prozent).
. . . und was sie abhält
Deutlich waren die Befragten bei den Begründungen, weshalb sie die Innenstadt lieber meiden:
- Parkmöglichkeiten und Kosten (20,5 Prozent).
- Angebot in den Geschäften und Öffnungszeiten sowie Veränderung der Stadt (jeweils 7,7 Prozent).
- Bedarf in der Nähe gestillt (6,5 Prozent).
Als Alternativen zur Innenstadt tauchen erwartungsgemäß Einkaufszentren (64,5 Prozent der Befragten) und Online-Shops (41,4 Prozent) auf.
Wie gegensteuern?
Bernhard Bauer, Obmann der Wirtschaftskammer Graz, setzt als Gegenmaßnahme unter anderem auf längere Öffnungszeiten der Gastgärten: In Graz ist im Sommer um 23.30 Uhr Schluss, in allen anderen Landeshauptstädten aber um 24 Uhr.
Zudem soll es leichter werden, Veranstaltungen durchzuführen, die Mur als Lebensraum müsse mehr Rolle in der Stadt spielen.
Hohensinner bringt hingegen eine alte Forderung seiner Partei zurück ins Spiel: mehr Stellflächen für Autos sowie ein Parkleitsystem. "Es braucht auch wieder mehr Parkplätze an der Oberfläche und unter der Erde. Viele Parkplätze mussten ja ideeologischen Überlegungen weichen", kommentiert der ÖVP-Chef und meint damit die Verkehrspolitik der Grünen in Graz.
Garage mit Gastronomie
Er könnte sich eine Hochgarage am Andreas-Hofer-Platz vorstellen, mit Stellflächen nicht nur für Pkw, sondern auch für Fahrräder und mit Gastronomie am Dach. "Garagen müssen dort sein, wo die Leute auch auf Öffis umsteigen können, am besten in die Straßenbahn", überlegt Hohensinner.
Der Fokus auf die Innenstadt allein greift aber nicht weit genug. Spätestens mit der Eröffnung der Koralmbahn, die mehr Frequenz am Hauptbahnhof bringt, rückt die Annenstraße ebenfalls wieder ins Blickfeld. Sie war noch vor 20 Jahren eine der pulsierenden Einkaufstraßen in Graz, ihr Niedergang kam mit Geschäftswechseln schleichend, aber stetig.
"Sie ist das Eingangstor zur Innenstadt", betont Hohensinner. "Bis hinunter zum Kunsthaus gibt es Entwicklungsmöglichkeiten. Wir sind dran, Idee, die von Unternehmern kommen, zu bündeln."
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