Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Unterschätzte Gefahr: Warum E-Scooter für Kinder riskant sind

Grazer Studie dokumentierte von 2017 bis 2025 bei 392 Kindern 620 Verletzungen nach E-Scooter-Unfällen, darunter häufig Knochenbrüche und Kopfverletzungen.
Ein schwarzer Fahrradhelm hängt am Lenker eines E-Scooters mit grauen Griffen und orangefarbenem Kabel.

Knapp 400 Unfälle mit E-Scootern von Kindern wurden an der Grazer Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie in den vergangenen acht Jahren behandelt.

83 Prozent der Kinder waren zum Zeitpunkt des Unfalls noch ohne Helm unterwegs. Dementsprechend hoch ist neben Knochenbrüchen das Ausmaß an Kopfverletzungen. „Hier liegt ein großes Potenzial, schwere Verletzungen zu verhindern“, betonte Studienleiterin Margarita Eibisberger per Aussendung des Uniklinikums.

Die Auswertung dokumentierte zwischen 2017 und 2025 nicht weniger als 620 Verletzungen durch E-Scooter-Unfälle bei 392 jungen Patientinnen und Patienten.

Ein Kind starb sogar nach einer Kollision mit einem Auto an den Folgen seiner schweren Verletzungen. Mehr als jedes dritte Kind hat mehrere Verletzungen erlitten, jedes zehnte sogar mehr als drei. Am häufigsten betroffen waren der Kopf- und Halsbereich sowie die oberen Extremitäten, listet die Studie auf.

Kein harmloses Freizeitgerät

E-Scooter werden vielerorts häufig als harmloses Freizeitgerät angesehen. „Unsere Studie zeigt jedoch, dass sie bei Kindern und Jugendlichen mit teils schweren Verletzungen verbunden sind. Besonders auffällig war die niedrige Helmtragequote“, betonte Eibisberger. Sie lag für den Beobachtungszeitraum (inklusive 2025) bei 17 Prozent. Seit dem 1. Mai 2026 gibt es in Österreich eine Helmpflicht bis zum Alter von 16 Jahren.

„Viele der schweren Kopfverletzungen würden durch einen Helm vermutlich weniger schwer ausfallen“, hob Holger Till, Vorstand der Grazer Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz und Präsident des Kinderunfallprävention-Vereins „Große schützen Kleine“, hervor.

„Kein harmloses Freizeitgerät“

Hinsichtlich Bruchrisiko waren die Unterarme am stärksten gefährdet. Mehr als sieben Prozent der Kinder mussten operiert werden und rund jedes sechste Kind musste stationär aufgenommen werden.

Die überwiegende Mehrzahl der Unfälle war auf Stürze ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer zurückzuführen. Jeder zehnte Unfall war eine Kollision mit einem Kraftfahrzeug. „Unsere Studie zeigt deutlich: E-Scooter sind kein harmloses Freizeitgerät“, so Till.

Neben dem Helm „bei jeder Fahrt und in jedem Alter“ empfehlen die Grazer Kindersicherheitsexperten auch die Nutzung von Knie-, Ellbogen- und Handgelenkschützern.

Wann Kinder fahren dürfen

Damit die Kinder weitgehend sicher mit E-Scootern unterwegs sind, sollten Eltern das sichere Fahren üben: Dazu gehört auch das vorausschauende Fahren mit angepasster Geschwindigkeit und ohne Ablenkung durch das Handy in der Hand. Das Mindestalter sind neun Jahre mit Fahrradausweis, sonst zwölf Jahre. Fahren darf man auf Radwegen oder der Fahrbahn, nicht aber auf Gehsteigen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 km/h.

Was gilt in Europa?

Die griechische Regierung will Minderjährigen künftig die Nutzung von E-Scootern auf Straßen verbieten - ein entsprechender Gesetzentwurf wurde im Frühsommer angekündigt. In Italien gilt seit Mitte Juli eine Versicherungspflicht für E-Scooter. Eine Haftpflichtversicherung soll Schäden abdecken, die beim Fahren Dritten zugefügt werden. Nach Paris (2023) und Madrid (2024) hat Brüssel im Juni dieses Jahres den Verleih von E-Scootern in den Städten wegen häufiger Unfälle verboten.

Kommentare