Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

403 Tote im Jahr 2025, markanter Anstieg bei E-Scooter-Unfällen

Nur 18 Prozent der verunglückten Menschen auf E-Scootern trugen einen Helm; Höchstwert an verunfallten Kindern seit knapp 20 Jahren.
Eine Person fährt mit einem E-Scooter und eine weitere mit dem Fahrrad auf einem grünen Radweg entlang einer Baumallee.

Die Zahlen des Vorjahres sind da - und zeichnen ein trauriges Bild. Soeben veröffentlichte Statistik Austria alle relevanten Daten zu den Verkehrsunfällen 2025. Auf den heimischen Straßen ging es alles andere als sicher zu, im Gegenteil, die Entwicklungen zeigen viele Negativtrends.

„Seit dem historischen Tiefstand im Corona-Jahr 2020 steigt die Zahl der Verkehrsunfälle sowie jene der dabei verletzten Personen kontinuierlich an. 2025 verletzten sich pro Tag durchschnittlich 129 Personen im Straßenverkehr – um 3 Verletzte mehr pro Tag als 2024“, sagt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria.

Im Durchschnitt wurden täglich 22 Personen schwer verletzt, das ist der höchste Wert in den vergangenen 13 Jahren. „Maßgeblich für den Anstieg bei den Verletzten war, dass 2025 deutlich mehr E-Scooter- und E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer verletzt wurden als im Jahr davor. Die Zahl der verunglückten Kinder war so hoch wie seit 2007 nicht mehr, auch dafür waren E-Scooter-Unfälle eine Ursache“, so die Expertin weiter.

24 Prozent mehr Verletzte durch E-Scooter-Unfälle

Auch bei den Radfahrerinnen und Radfahrern gab es 2025 mit 10.488 Verletzten ein Plus gegenüber 2024, um rund vier Prozent. Seit Beginn der Statistik im Jahr 1961 war dies der zweithöchste Wert, wobei beim Höchststand im Jahr 2022 E-Scooter-Lenkerinnen und -Lenker noch in die gleiche Kategorie wie Radelnde fielen.

Der Anstieg 2025 bei Radfahrenden ist laut Statistik Austria ausschließlich auf verletzte E-Bikerinnen und -Biker zurückzuführen. Deren Zahl stieg um 17 Prozent gegenüber 2024 an. Bei herkömmlichen Fahrrädern stagnierte die Zahl der Verletzten hingegen.

Um 24 Prozent stieg der Wert verletzter E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer gegenüber 2024. Mit 2.597 Verletzten haben Menschen, die auf E-Scootern unterwegs waren, bereits einen Anteil von mehr als 5,5 Prozent an der Gesamtzahl der im Straßenverkehr Verletzten.

Kinder unter 14 Jahren oft betroffen

Rund 25 Prozent der Verletzten auf E-Scootern waren Kinder unter 14 Jahren. Besonders der Anstieg der Blessuren in der Altersgruppe der Zehn- bis 14-Jährigen von 328 im Jahr 2024 auf 606 (plus 85 Prozent) fiel auf.

++ THEMENBILD ++ ÖBB / BAHN / ZUG / EISENBAHN / VERKEHR / ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL

Die zahlreichen E-Scooter-Unfälle waren auch einer der Gründe, warum die Zahl verunglückter - verletzter oder getöteter - Kinder insgesamt auf den höchsten Wert seit 2007 kletterte. Mehr als 3.500 Kinder wurden im vergangenen Jahr im Straßenverkehr verletzt (plus 16 Prozent gegenüber 2024), weiters wurden 2025 acht Kinder getötet. Der Großteil der Kinder verunglückte als Pkw-Mitfahrer (31 Prozent), mit dem Fahrrad (22 Prozent) oder dem E-Scooter (18 Prozent). 59 Prozent der verunglückten Kinder, die mit einem Rad unterwegs waren, trugen zum Unfallzeitpunkt einen Radhelm, bei den E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrern waren es lediglich 18 Prozent.

Der höchste Anstieg Getöteter war österreichweit bei Radfahrerinnen und Radfahrern zu verzeichnen. 65 Menschen kamen im vergangenen Jahr mit einem Rad ums Leben, mehr als doppelt so viele wie 2024 (32 Tote). Dabei hielten sich herkömmliche Biker und E-Biker fast die Waage: 33 waren auf mit Muskelkraft betriebenen Rädern unterwegs, 32 auf E-Bikes.

Der ÖAMTC interpretierte die Zahlen als „klaren Auftrag an die Politik“ und forderte erneut „eine altersunabhängige Helmpflicht für E-Bikes und E-Scooter“. David Nosé, Verkehrstechniker beim ÖAMTC, kritisierte, dass die seit 1. Mai in Kraft befindliche StVO-Novelle mit einer Helmpflicht lediglich für E-Bike-Fahrende bis 14 Jahre und E-Scooter-Lenkende bis 16 wenig treffsicher sei. Das Tragen eines Helmes verhindere keine Unfälle, schütze aber im Falle von Unfällen den Kopf vor schweren oder tödlichen Verletzungen.

VCÖ fordert sichere Radwege und weniger Tempo

Der VCÖ verwies darauf, dass 63 Prozent der Verkehrstoten im Vorjahr auf Freilandstraßen verunglückt waren. Der Verkehrsclub forderte daher ein Maßnahmenpaket für sichere Freilandstraßen, unter anderem mit dem Rückbau von Raserstrecken, Tempolimit 80 statt 100, verstärkten Tempokontrollen sowie baulich getrennten Geh- und Radwegen entlang von Freilandstraßen.

Außerdem will der VCÖ „verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes und seniorengerechtes Verkehrssystem“. „Wir brauchen insbesondere in den Städten und Gemeinden mehr Verkehrsberuhigung und insgesamt eine Offensive beim Ausbau der Rad-Infrastruktur. Sichere Radwege sind die wirksamste Maßnahme, um die Zahl der Radunfälle zu reduzieren“, betonte VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Kommentare