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Ein Jahr nach Amoklauf: "Die Wunden sind nicht einfach verschwunden"

Zehn Menschen wurden am 10. Juni 2025 getötet. Im Herbst kehren Schüler und Lehrer an das BORG Dreierschützengasse in Graz zurück.
Kerzen und ein Kreuz mit der Aufschrift „Wir vermissen Dich“ vor einem Schulgebäude.

Es ist eine der wichtigsten Fragen: Wie geht es den Schülerinnen und Schülern heute, ein Jahr nach dem Amoklauf in Graz , der neun Jugendlichen und einer Lehrerin das Leben kostete?

"Gelernt, gemeinsam damit umzugehen"

Darauf gäbe es "keine einfache Antwort", überlegt Vize-Schulsprecher Nuno Koval . "Aber was man sagen kann: Unterricht fühlt sich wieder normaler an."

Das Datum - 10. Juni 2025 - habe sich "in unsere Köpfe gebrannt", betont Schulsprecher Manuel Mohr , der Jahrestag werde "nicht leicht. Die Wunden sind nicht einfach verschwunden. Aber wir haben gelernt, gemeinsam damit umzugehen."

Mit dem neuen Schuljahr im Herbst kehren die 21 Klassen des BORG Dreierschützengasse zur Gänze an ihren alten Standort zurück, bisher werden die meisten Fächer an einem Ausweichquartier in der Nähe unterrichtet. Das Gebäude, an dem ein 21-Jähriger zehn Menschen erschoss und Suizid beging, wurde großflächig umgebaut.

"Rückkehr in ein geordnetes Leben"

Am 19. Juni sollen die Arbeiten im dritten Stock fertig sein, das zweite Obergeschoß soll plangemäß am 10. Juli folgen, der erste Stock bis 14. August umgestaltet sein. "Zum Schulanfang starten wir im neuen Gebäude", betont Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner . "Im Vordergrund steht die neue Normalität. Es ist der Versuch der Rückkehr in ein geordnetes Leben."

Doch zur "neuen Normalität" gehört das Erinnern und Leben mit dem Geschehenen, auch wenn "wir bewusst nicht in die Vergangenheit schauen", wie Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) am Montag festhält. "Im Mittelpunkt steht der Blick nach vorne."

Leise Gedenkfeiern

Die Gedenkfeier am Mittwoch, dem ersten Jahrestag, fällt bewusst überschaubar und klein aus. "Wie es stattfindet, liegt bei der Schule", begründet Direktorin Liane Strohmaier . "Wir haben die Schülerinnen und Schüler befragt, was sie möchten. Mehr als die Hälfte wollte das Gedenken innerhalb der Schule lassen."

Auch von Stadt Graz und Land Steiermark gibt es Gedenkveranstaltungen, die aber ohne mediale Begleitung stattfinden.

Wegen dieses bewusst stilleren Zugangs anders als direkt nach der Tat mit Tausenden Teilnehmern an einer Gedenkfeier am Hauptplatz oder einer Messe im Grazer Dom kam auch schon vereinzelt Kritik von Eltern auf, die ihre Kinder beim Amoklauf verloren haben.

Unterschiedliche Zugänge

Heidrun Nedoma , Leiterin der Steuerungsgruppe am Schulstandort, spricht am Montag von "unterschiedlichen Bedürfnissen. Jeder trauert anders." So schaue ein Teil der Betroffenen - Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler - bereits in die Zukunft, für andere wiederum sei die "Zukunft noch finster, sie finden noch nichts Tröstliches. Das ist ein Spannungsfeld."

Ein Spannungsfeld ergibt sich auch bei der Frage der Sicherheitsmaßnahmen im Schulalltag. Es gäbe ein "bauliches Sicherheitskonzept" für den umgebauten Standort, betont Bildungsdirektorin Meixner; Details nennt sie aus Sicherheitsgründen nicht.

Was tat sich bei Sicherheitsmaßnahmen?

In acht Regionalkonferenzen sei zudem mit Hilfe der Polizei jeder Schulstandort in der Steiermark überprüft worden, etwa in Bezug auf mögliche Fluchtwege . Die Landesregierung richtete einen Gewaltschutzbeirat ein, der die Notfallpläne für die Schulen überarbeitete.

Im laufenden Schuljahr werden nur wenige Fächer in der Dreierschützengasse selbst unterrichtet, Physik etwa oder Sport. Diese Säle waren vom Amoklauf nicht betroffen. Der Großteil fand in einem Gebäude von AVL List statt, das das Unternehmen zur Verfügung stellte.

"Schulalltag, in dem wir uns sicher fühlen"

"Wir haben rasch wieder in einen Schulalltag gefunden, in dem wir uns sicher gefühlt haben", beschreibt Direktorin Strohmaier. "Aber ich höre jetzt immer mehr Stimmen von Schülerinnen und Schülern und aus dem Kollegium, die sich freuen, im Herbst wieder an einem Standort zu sein."

Ob sie nach dem Amoklauf jemals selbst ans Aufhören gedacht habe, wird Strohmaier von Journalisten gefragt. "Keine einzige Sekunde. Das hätte ich als Davonlaufen empfunden."

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